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Im Wortwechsel mit SPORTS TEAM

Im Wortwechsel mit SPORTS TEAM

Sports Team bleiben nicht nur aufgrund ihres Bandnames leicht im Ohr. Von den britischen Musikmedien in den Himmel gelobt, macht die in Cambridge gegründete Band Gitarrenmusik wieder salonfähig. Nun steht ihr heißersehntes Debütalbum „Deep Down Happy“ vor der Tür und die Band in den nächsten Jahren auf jedem Line-Up.


Ein Artikel von Anna Fliege – Wie so vielen Alben kam auch „Deep Down Happy“ die Covid-19-Pandemie in die Quere, das Albumrelease verschob sich um zwei Monate. Im Wortwechsel mit Schlagzeugerin Al Greenwood erfahre ich, was die Band in der Selbstisolation treibt, ob es eine Work-Life-Balance im Hause Sports Team gibt, wie sie zu ihrer Heimat stehen und wie ein perfekter Tag in London aussehen würde.


Hey, wie geht’s euch allen? Ich nehme an, ihr seid zusammen in Selbstisolation?

Al Greenwood: Ja, kann mich unter den gegebenen Umständen eigentlich gar nicht beschweren! Wir sind so viel wie möglich zusammen gewesen – als die Situation hier anfing, gingen wir in ein kleines Studio auf dem Land, um neue Musik zu schreiben. Als das Studio schloss, fuhren wir wieder nach Hause und sind jetzt in unserem Haus in London.


„[…] das Absurdeste ist wahrscheinlich unser aktuelles Projekt, eine lebensgroße Statue von einem unserer Fans zu bauen, die wir in London aufstellen wollen.“


Was ist das Absurdeste, was ihr in dieser Quarantänezeit getan habt?

Al: Es war eine durchaus spannende Zeit, aber ich denke, das Absurdeste ist wahrscheinlich unser aktuelles Projekt, eine lebensgroße Statue von einem unserer Fans zu bauen, die wir in London aufstellen wollen. Es ist eine überraschend schwierige Arbeit und hat uns auf Trab gehalten.

Ihr seid alle gemeinsam in ein Haus eingezogen. Ich finde das ziemlich cool, aber ich frage mich auch, ob es eine gute Work-Life-Balance bietet. Könnt ihr als Band Arbeit und Freizeit gut getrennt halten?

Al: Es gibt keine Trennung.

Wo wir gerade beim Thema Arbeit sind: Jede Band hat ihre eigenen Routinen, wenn es um das Songwriting geht. Wie wird denn ein Sports Team-Song geschrieben? Gemeinsam? Oder arbeitet zuerst jeder für sich und bringt dann die Ideen zusammen?

Al: Rob (Rhythmusgitarre) ist der Haupt-Songwriter. Normalerweise bringt er Akkordstrukturen und Gesangsmelodie zusammen, dann erarbeiten wir sie mit dem Rest der Band in den Proben und spielen sie live. Egal, in welchem Stadium wir den Song ins Studio bringen, es gibt immer eine Menge last minute Änderungen und Ergänzungen.



Habt ihr eine charakteristische Rollenaufteilung innerhalb der Band? Zum Beispiel derjenige, der den Überblick behält und sich um alle kümmert? Und diejenige, die immer verschläft? Wie würdet ihr euch gegenseitig charakterisieren?

Al: Auf jeden Fall. Robert ist die Glucke, die immer um uns herum gackert und sicherstellt, dass wir alle pünktlich sind und unsere Sachen beisammen haben. Rice ist ein Geschichtsfanatiker und liebt es, uns mit lustigen Fakten über mittelalterliche Stadtmauern zu versorgen, wenn wir auf Tour sind. Henry ist ein echter Cyber-Fan, man findet ihn immer beim Spielen und Aufbauen seiner Sammlung von Gitarreneffekten.

Ben steht voll auf Streiche, jeden Tag ist er ein Aprilscherz, wenn er in der Nähe ist. Oli ist der coole Kerl der Gruppe, du wirst ihn nicht in Bens Albernheiten verwickeln können, er ist zu sehr damit beschäftigt, Beats zu basteln oder Pints zu versenken. Und ich – ich sehe mich selbst gerne als den Klebstoff, der unsere dysfunktionale Familie zusammenhält.

Die britischen Medien schwärmen von euch. Motiviert euch das? Oder erhöht es den Druck?

Al: Es ist schön, gute Schlagzeilen zu bekommen, und es ermöglicht uns, mehr Leute zu erreichen, was bedeutet, größere Shows zu spielen, was wir als Band tun wollen. Ich glaube nicht, dass es darüber hinaus wirklich für uns relevant ist.


„Es ist etwas schwierig zu sagen, dass man England liebt, im Kontext unserer Geschichte und vor allem bei dem, was im Moment vor sich geht.“


Wenn man eure Musik hört, kann man nicht umhin, eure Liebe zu England zu bemerken. Was sind die kleinen Dinge, die ihr an euerm Land schätzt, die man nirgendwo sonst auf der Welt finden könnte?

Al: Es ist etwas schwierig zu sagen, dass man England liebt, im Kontext unserer Geschichte und vor allem bei dem, was im Moment vor sich geht. Aber es gibt viel zu feiern in den kleineren Sinnbildern gelebter Alltagserfahrung, die man vor allem in der Pub-Kultur findet. Ich denke, viele unserer Liedtexte versuchen, sich darauf zu stützen, um die Welt, wie wir sie erleben, zu feiern und zu kritisieren.

In Interviews und in eurer Musik kommt ihr immer sehr positiv rüber, das mag ich! Wie behaltet ihr eine solche Haltung bei?

Al: In einer Band zu sein, ist das Beste auf der Welt, und wenn man seine Zeit damit verbringt, mit seinen Kumpels auf Tournee zu gehen und Musik zu machen, ist es ziemlich einfach.



Ein kleiner Wermutstropfen gleich danach, sorry: Diese Pandemie hat eure Pläne für dieses Jahr ziemlich durcheinander gebracht. Wie geht ihr damit um? Habt ihr Angst, dass sie sich langfristig negativ auf die Veröffentlichung eures Debütalbums auswirkt?

Al: Es war extrem enttäuschend, das Albumrelease verschieben zu müssen, nachdem wir so viel Arbeit in das Album gesteckt haben und die Unterstützung und Begeisterung unserer Fans zu spüren bekommen haben. Letztendlich ist es aber sehr schwer, uns selbst zu bemitleiden, wenn man bedenkt, wie sehr einige Menschen leiden; sowohl auf nationaler Ebene mit dem Gesundheitswesen, aber auch innerhalb der Musikindustrie und den Herausforderungen, denen sich unabhängige Veranstaltungsstätten gegenübersehen.

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Wir haben die Platte mit dem Ziel geschrieben, sie live aufzuführen, so dass in diesem Sinne ein Element fehlt, aber ich denke, das Album steht für sich allein.

In Interviews habt ihr schon öfter erwähnt, dass die Anfänge eurer Band schwieriger waren, weil die Leute lieber in einen gemütlichen Pub gehen wollten als zu euren energiegeladenen Konzerten. Was hat euch motiviert, euer Ding trotzdem zu durchziehen und eine ziemlich geile Gitarrenband zu sein?

Al: In den ersten Tagen der Band haben wir es getan, weil wir es liebten, selbst wenn die Leute nicht unbedingt gerne zuschauten und wir nicht wirklich Songs hatten. Ich hoffe, das Letztere hat sich jetzt geändert, aber Ersteres ist immer noch wahr.

Lass uns Corona für eine Minute ausblenden: Wie sieht dein perfekter Tag in London aus?

Al: Der perfekte Tag in London würde mit einem großen Kaffeefrühstück beginnen, wahrscheinlich in Mary’s Cafe in der Nähe unseres Hauses in Camberwell. Wir würden einen langen Spaziergang quer durch die Stadt zum Sporting Clube de Londres im Westbourne Park unternehmen, wo wir von Paula mit ein paar kalten Super Bock’s und einem portugiesischen BBQ begrüßt würden.

Nach ein paar Stunden in der Sonne würden wir in einige weitere Pubs gehen und dann einen Gratis-Gig in einem kleinen (vorzugsweise gefährlich kleinen) Pub spielen, um dann eine große Afterparty mit mir und Ol ein B2B DJ Set zu veranstalten – bis in die nächste Woche rein.

Und schließlich, mit einem Blick auf den Kalender: Wie werdet ihr den Release-Tag feiern?

Al: Wir hatten einige sehr großartige Pläne für Release Partys mit all unseren Liebsten und den Menschen, die maßgeblich daran beteiligt waren, das Album zu dem zu machen, was es ist. Aus offensichtlichen Gründen wird dies nicht geschehen. Wir sechs werden jedoch zusammen im Haus sein, und ich bin sicher, dass wir eine angemessene Art und Weise finden werden, um zu feiern.



Autorin: Anna Fliege / Photocredit: Universal Music

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