Now Reading
Im Wortwechsel mit THE BOYS YOU KNOW

Im Wortwechsel mit THE BOYS YOU KNOW

Am 29.06.2018 bringen The Boys You Know ihre neue Platte Two Lines That Never Touch heraus. Nach einigen Mitgliedswechseln und einer etwas längeren Pause meldet sich die Band nun endlich zurück und legt eine wunderbare Indie-Platte vor.

Letztes Jahr waren die 6 Jungs zusammen mit Dinosaur Jr. und den Pixies als Support auf Tour bevor es dann wieder ins Studio ging. Vor kurzem durften wir Thomas Hangweyrer, Sänger von The Boys You Know, ein paar Fragen über das neue Album und anderen Dingen stellen.


Beschreibt Two Lines That Never Touch in 3 Worten.

The Boys You Know: Unser persönlichstes Album.

Was habt ihr bei diesem Album anders gemacht?

The Boys You Know: Wir haben bei diesem Album bewusst gänzlich auf die Überlegung verzichtet, was gut ankommen könnte, und was irgendwer vielleicht von uns hören möchte. Wir haben ein Album gemacht, ganz so wie wir es haben wollten. Ich würde sagen, das ist uns zum ersten Mal gelungen.

Bisher ist das immer an äußeren Einflüssen oder unserer eigenen technischen Unfähigkeit gescheitert – Dinge so umzusetzen wie sie sich in unseren Köpfen anhören. Wir haben bei den Aufnahmen auch erstmals wirklich nur Leute in die Nähe gelassen, die Teil unserer “Familie” sind. So konnte niemand auf die Idee kommen, uns irgendwelche Tipps zu geben, die uns vom Weg hätten abbringen können.

Der Mann, der den Austin Mini entworfen hat, ein gewisser Sir Alex Issigonic, hat mal gesagt “A camel is a horse designed by committee” – wir wollten, dass das Album ein Pferd wird, und kein Kamel. Mit einer Vision gibt es nichts zu diskutieren. Die kann jemandem nicht gefallen, aber sie kann nicht zerbröckeln oder widerlegt werden.

Was bzw. wer ist eure Inspiration?

The Boys You Know: Jeder Artist, dem es gelingt aus der Flut an Vorhandenem etwas Neues zu finden, und sich dadurch auszudrücken, inspiriert uns. Egal, ob das nun einer Masse gefällt und in einer Stadthalle vorgetragen wird, oder in einem kleinen intimen Club. Das beschränkt sich auch nicht auf MusikerInnen, ich glaube dass man von Künstlern aus den verschiedensten Handwerken etwas für sein eigenes mitnehmen kann. Mit Idolen sind wir sehr vorsichtig, wir haben nun schon einige unserer musikalischen Helden kennengelernt, und haben uns anschließend deren Bild in unserer Phantasie zurückgewünscht. Was uns nicht inspiriert oder interessiert sind Hypes, oder kurzlebige Erfolgsgeschichten.

Welchen Song habt ihr am längsten geschrieben und für welchen habt am meisten Zeit zum Aufnehmen gebraucht?

The Boys You Know: Das ging ausnahmslos bei allen sehr schnell, wobei ich sagen muss dass wir zwischen dem Schreiben und dem Aufnehmen eine mehrmonatige Nachdenkpause hatten, wo man dann unterbewusst all seine Hausaufgaben fürs Recording macht, und später im Studio nur noch abliefern muss.

Wie seid ihr diesmal das Songwriting angegangen?

The Boys You Know: Ich lasse die Gitarre sehr gern die Songs schreiben. Ich sitze rum und spiele irgendwas, versuche auf neue Tunings draufzukommen oder auf Akkordfolgen, die ich so noch nie gespielt hab. Und dann gefällt mir ein Teil, den nehme ich dann mit dem Handy auf, meistens schon mit Text-Fragmenten, die ich so drüber-nuschle. Wenn ich dann 40 oder 50 solcher Tonfiles auf dem Handy hab, setz ich mich zuhause hin und mache daraus fertig strukturierte Ideen, meist binnen einer Woche oder so. Die Lyrics ergeben sich aus der Musik und aus meinen Gedanken, da muss ich nicht viel tun.

Wie habt ihr entschieden was auf das Album kommt und was nicht?

The Boys You Know: Was immer bis zur Deadline fertig wird, und uns gefällt, kommt auf’s Album.

Ihr habt euer Album auf Santorin und Barcelona geschrieben. Warum gerade diese zwei Städte?

The Boys You Know: Ich wollte mal nicht zuhause schreiben, und bin dann dort hin gefahren, wo ich mich am wohlsten fühle, und wo niemand etwas von einem will. Ich konnte dort persönlicher schreiben, und Dinge sagen, die mir vielleicht unangenehm sind, sie zu sagen, in Texten. Am Meer geht das am besten, das hat so eine Gewalt, wenn die Wellen kommen, und man denkt, es könnte jeden Moment vorbei sein, wenn die Natur will. Unter der Prämisse arbeitet man effizienter.

Was können eure Fans von Two Lines That Never Touch erwarten?

The Boys You Know: Ich glaube es ist ein schönes, funktionierendes, Komplett-Ding geworden. Die Platte ist auf jeden Fall dazu gedacht, sie als Album anzuhören, auch wenn das nur noch wenige Leute tun und der Markt sich – zumindest wird das immer behauptet, ich zweifle da noch dran – zunehmend auf das Single-Format umstellt.

Ihr war Support bei den Touren von Dinosaur Jr. and den Pixies. Habt ihr dort etwas gelernt und was für Erfahrungen habt ihr gemacht?

See Also

The Boys You Know: Da sind natürlich zwei große Träume in Erfüllung gegangen, wobei es sehr unterschiedliche Erfahrungen waren. Die Pixies sind einfach immer noch eine Mainstream-Institution, da steckt richtig Geld und eine riesige Crew in der Maschine. Die Band war entsprechend reserviert und abgeschirmt, wir haben keine Handynummern ausgetauscht, es gab ein kurzes Hallo beim Catering, dann sind sie wieder in ihren Garderoben verschwunden. Wobei ich fairerweise sagen muss, dass die Pixies im Vorfeld ganz schön Werbung für uns gemacht haben, das hätten sie nicht tun müssen, das war sehr nett.

Mit Dinosaur Jr. war’s dafür richtig entspannt, man lernte einander kennen und mögen. Bei denen hatten wir’s auch nie mit irgendeinem Assistenten des Tourmanagers zu tun, sondern immer mit der Band selbst. Wir haben die Show-Tage gemeinsam verbracht, lernten J’s Frau Luisa und deren gemeinsamen Sohn kennen, redeten über Gott und die Welt. Also, zwei sehr unterschiedliche Erfahrungen, die uns beide beeindruckt haben. Bei den Pixies hat uns beeindruckt, wie eine richtig große Produktion aussieht und abläuft, bei Dinosaur Jr., wie nah an der Musik drei Typen nach Jahrzehnten immer noch sein können, die doch alles schon gesehen und erlebt haben.

Und wo wir gerade von Konzerten reden: was bevorzugt ihr – Club Konzerte oder Festivals?

The Boys You Know: Festivals, weil man da Menschen als Fans gewinnen kann, die sich das Ticket nicht wegen einem gekauft haben. Außerdem kann man auf Festivals den Tag damit verbringen, sich andere Bands anzusehen. Das machen wir richtig gerne, auch wenn wir durch Clubs touren, verpassen wir nie die Shows der Local Supports.

Was war eure seltsamste Fanbegegnung?

The Boys You Know: Manchmal wollen Menschen irgendwelche Körperteile signiert haben, das ist immer schräg. Aber am schrägsten ist es, – und das passiert uns allen regelmäßig, aber vor allem mir, weil ich eben der in der Band bin der immer sein Gesicht in jede Kamera halten darf – wenn man auf Dating Apps unterwegs ist und die andere Person nach mehreren Stunden Gespräch erst beichtet, dass sie weiß, wer man ist, und die Band feiert. Dann kann man nur hoffen, dass man sich zuvor nicht allzu privat ausgetauscht hat.

Mit wem würdet ihr gern mal was zusammen schreiben/aufnehmen wenn ihr irgendjemanden wählen könntet?

The Boys You Know: Lemonheads, Pavement, die Kategorie.



Autorin: Carolin Czarnecki Foto: Fritz Lichtenwagner

Scroll To Top