Tristan Brusch ist nicht der langweilige Kerl von Nebenan, sondern ein besonderer und nebenher noch super sympathischer Künstler, der die deutsche Musikwelt nachhaltig verändern könnte und wird. 2015 veröffentlichte er seine EP „Fisch„, arbeitete gemeinsam mit Rapper Maeckes an dessen Erfolgsalbum „TILT„, ging mit ihm auf Tour und fand sich außerdem als Support und Featuregast bei der „Alle Liebe Nachträglich“-Kollaboration von Mine & Fatoni wieder – um nur ein paar musikalische Eckpunkte zu nennen. Jetzt aber ist es Zeit für etwas Größeres. Am Freitag erscheint, eeeendlich, Tristan Bruschs Debütalbum „Das Paradies„.

Wir hatten die Chance, Tristan kurz vorm „Das Paradies„-Releasetag mit Fragen rund um das Album zu löchern.


Endlich erscheint dein Debütalbum „Das Paradies“, seit deiner EP sind drei Jahre vergangen: Gab es Gründe, warum dein Album erst jetzt rauskommt
oder hast du dir bewusst diese Zeit gelassen?

Tristan: Das Album ist lange Zeit ohne Budget entstanden. Das heißt, ich musste immer warten bis „Äh, Dings“ und die anderen Produzenten Zeit hatten mal wieder ein paar Tage mit mir zu malochen. Zwischendurch habe ich gefaulenzt: ich bin ein leidenschaftlicher Faulenzer.

Spiegelt das Album deine Vorstellung vom Paradies wider und wenn nicht, wie kam es dann zu dieser Namensgebung?

Tristan: „Das Paradies“ kann ein Ort sein, ein Versprechen, eine Hoffnung und ein Zustand. Vielleicht aber auch nur ein Puff? Man weiß es nicht. Mir wurde von verschiedenen Seiten von diesem Titel abgeraten: „zu hochtrabend“, „setzt die Erwartungen so hoch: da kann die Musik nicht hinterher kommen“ – aber mich hat der Begriff nicht losgelassen und so habe ich meinen Bauch entscheiden lassen. Oder war ich nur zu faul mir einen neuen Titel auszudenken?

Musikalisch erleben wir auf deinem Album jede Menge Einflüsse aus unterschiedlichen Genres. Wie kam das zusammen?

Tristan: Ich höre und liebe Musik aus so vielen verschiedenen Epochen und Jahrzehnten. Ich bin mit klassischer Musik aufgewachsen. Zuhause gab es allerhöchstens noch Simon&Garfunkel und die Beatles zu hören, weil vor allem mein Vater, der klassischer Geiger ist und einen sehr strengen Musikgeschmack hat, die meiste moderne Musik restlos abgelehnt hat. Ich habe irgendwann begonnen dagegen zu rebellieren, indem ich zuerst Eminems Frühwerk aufgesogen habe wie ein trockener Schwamm und dann peu a peu mir die ganze Popgeschichte erschlossen habe. Möglichst viel kennenlernen und in allem Qualitäten entdecken, ohne dabei auf die politischen Hintergründe der Musik zu achten. Vielleicht ist die Diversität des Albums also nur der pubertierende Junge in mir, der noch gegen seinen Vater rebelliert? Genau weiß ich es nicht. Es könnte auch damit zu tun haben, dass ich sowohl auf der Gitarre und dem Klavier, als auch am Laptop komponiere. Wir, Äh, Dings und ich, waren uns jedenfalls einig, dass wir die Verschiedenartigkeit des Songwritings nicht durch ein einheitliches Genre kaschieren wollten. Die Lieder sind halt das, was sie sind und sollen auch nichts anderes sein. Mal sehen, vielleicht wird es auf dem nächsten Album anders.

Auf jeden Track folgt dank der so facettenreichen Einflüsse ein kleiner Stilbruch: wie ist die Reihenfolge der Songs entstanden?

Tristan: Das war tatsächlich schwierig, um nicht zu sagen unmöglich. Aber ein Album braucht nun mal eine Reihenfolge. Habe mich dann am Inhalt der Texte orientiert.

In dem Zusammenhang müssen wir nochmal über den Song „Trümmer“ sprechen: Der Track tanzt unerwartet ganz schön aus der Reihe und könnte glatt als Punk bezeichnet werden. Was steckt dahinter?

Tristan: Dieser Song ist meine Liebeserklärung an die deutsche Musiklandschaft.

Du schreibst ziemlich besondere, außergewöhnliche Songtexte. Verrätst du uns ein paar deiner Inspirationsquellen?

Tristan: Ich lasse mir alle Texte von www.songtext24.de schreiben, ein tolles Tool mit dem du in nur wenigen Mausklicks die passenden Lyrics zu deinen Beats generieren kannst.

Wie kam es zu der Zusammenarbeit mit Charlotte Brandi?

Tristan: Charlotte ist seit Jahren eine meiner engsten Freundinnen. Sie ist einfach so eine krasse Songschreiberin und Sängerin und ich bin so sehr geehrt, dass sie auf „Dispoqueen“ mitmachen wollte. Außerdem ist sie wunderschön und sehr lustig und schlau.

Apropos Zusammenarbeit: Du hast in der Vergangenheit mit großartigen Künstlern wie Maeckes oder Mine & Fatoni zusammengearbeitet und warst mit ihnen auf Tour, bei Letzteren sogar als Supportact. Was hast du aus von diesen Kooperationen mitgenommen?

Tristan: Bevor Maeckes meinen Uralt-Song „Little Funny Man“ für den Orsons- Klassiker „Jetzt“ gesampelt hat, kannte mich niemand, niemand, niemand.
Obwohl ich schon damals mehrere Alben veröffentlicht hatte und auch schon durch kleine Bars durch halb Europa getourt war. Man kann natürlich nicht sagen, ob das alles immer noch so wäre, wenn er dieses Sample nicht verwendet hätte, aber Fakt ist: sehr viel meiner jetzigen musikalischen Kontakte und auch Freundschaften kamen über diesen Knotenpunkt.

Der Fisch hat es dir angetan, oder? Deine EP hieß so, nun taucht er auf „Das Paradies“ an der ein oder anderen Ecke wieder auf.

Tristan: Ich liebe Fische und habe noch ein paar mehr Lieder über sie geschrieben, die vielleicht auch irgendwann rauskommen. Immer spielt Hilflosigkeit eine Rolle, neben einem Gefühl von Deplatziertheit. Fische sind außerdem interessant, weil sie im Meer langsam durch Plastikmüll ersetzt werden. Ein überwältigendes und Angst einflößendes Bild.



Autorin: Anna Fliege / Photocredit: Ashley Armitage