Es ist verrückt, was Josh und Tyler, besser bekannt als TWENTY ONE PILOTS in den letzten Jahren erreicht haben. Sie kamen über Nacht und blieben, um der Welt ihre Musik zu präsentieren. Ihre Stil ist extravagant und ihre Musik reicht von lässigem Pop-Punk bishin zu harten, basslastigen Rock-Nummern. Es ist wirklich alles dabei.

Doch egal, was die beiden anfassen, eines haben alle Werke gemeinsam: die unfassbar hohe Qualität jedes einzelnen Songs. Die Geschichten dahinter. Die Inszenierung und perfekte Nuancierung. Josh und Tyler sind Vollblutmusiker und lieben was sie tun.

Während der aktuellen „The Bandito Tour“, traf Dominik das Duo zum Interview und sprach mit Ihnen über die Anfänge der Bandgeschichte, über den langen Weg zum Erfolg und vieles was bis dahin passiert ist.


Heute ist die 50. Show der Tour, Jubiläum sozusagen und es folgen noch 60 weitere Termine.

Josh: Wow! Das höre ich heute zum ersten Mal. Der wieviele Tag ist heute?

Nummer 50!

Tyler: WIRKLICH? Das ist verrückt. Echt verrückt.

Josh: Und noch 60 weitere…

Könnt ihr die schönsten und schlimmsten Momente nennen, die während der letzten 50. Konzerte passiert sind?

Tyler: Ich glaube, eine Sache die passiert ist, war nicht während einer Show, sondern während der Proben zur Tour. Da fiel Josh von einem Podest als es gerade mitten in der Luft hing. Zu seiner Verteidigung muss man jedoch sagen, dass es pechschwarz in der Halle war und sein Podest wirklich sehr hoch hing. Und wenn dann plötzlich, jede Menge grelle Lichter in dein Gesicht strahlen, kannst du schon Mal die Orientierung verlieren. Er wusste also nicht, dass sich sein Teil der Bühne gerade in der Luft befand und als er einen Schritt zurück getreten ist, fiel er mehrere Meter hinunter und schlug sich den Kopf auf.

Josh: Der einzige Grund aus dem das die schlechteste Sache war…

Tyler: Nein nein, das war das BESTE Moment (lacht)

Josh: Okay, für MICH war es der schlechteste Moment, weil wir dadurch viel Zeit für die Proben verloren haben und ich ins Krankenhaus musste. Das waren wichtige Momente, die ich lieber in die Rehearsals investiert hätte.

Tyler: Proben ist so ein merkwürdiges Wort. PR – OB – EN. Wenn man es öfter sagt probt man es auch. Oder probt man grundsätzlich nur, wenn man etwas mehrmals sagt? PR – OB – EN. Eigentlich ist es nur EINE Probe und erst wenn man es mindestens zweimal probt, sind es Proben, Plural.

Josh: Hör jetzt auf zu proben…

Eure Fans reisen auch teilweise durch ganz Europa hinterher und manche Fans besuchen 20 oder mehr Shows hintereinander. Wie fühlt sich das für euch an und erkennt ihr diese Menschen wieder?

Tyler: Ich erkenne Sie, auf jeden Fall! Ich denke wir sollten ihnen etwas gutes tun, oder?

Josh: Das mache ich manchmal.

Tyler: Wirklich? Schenkst Du ihnen Drumstick, oder so etwas?

Josh: Aber du musst auch einen Wiedererkennungseffekt haben. Ich schaue sehr häufig ins Publikum und sehe all diese Gesichter und versuche mich zu erinnern und es ist deutlich leichter, wenn dich etwas besonderes ausmacht. Manche Menschen erkenne ich 6 oder 7 Mal hintereinander und das ist wirklich beeindruckend. Ich habe sowas nie gemacht. Irgendwelchen Bands hinterher reisen und die Shows anschauen. Ich bewundere das. Dazu gehört so viel Liebe und wenig Schlaf und viel Fahrerei. Und wir wissen das wirklich, wirklich zu schätzen.

Wenn ihr nur einen einzigen Song, bis an eurer Lebensende spielen dürftet, welcher wäre es?

Josh: Einen unserer Songs?

Ja.

Josh: Wir sollten schon einer Meinung sein, denn wir können ja nicht ZWEI Songs spielen. Es muss schon einer sein.

Tyler: Die Vorstellung ist schrecklich.

Josh: Okay, dann spiele ich ‚Ode To Sleep‘ und du spielst…

Tyler: My Blood

Und welcher Songs ist der schwierigste, um ihn live zu spielen und ist das gleichzeitig eurer Lieblingssong?

Tyler: Der Grund aus dem ich mich für ‚My Blood‘ entschieden habe ist, dass er auf einem technischen Level so herausfordernd ist. Die Bassgitarre zu spielen war im Studio deutlich einfacher, als wenn du gleichzeitig LIVE im Falsett singen musst. Das ist schon eine Herausforderung. Aber ich liebe das Gefühl, wenn man in etwas schwierigem immer besser und besser wird. Es gibt nichts besseres. Und das ist auch einer Gründe, wieso ich Musik so sehr liebe.

Ich habe mir die allermeisten Instrumente selbst beigebracht und bin so oft gescheitert, habe mich auf immer wieder aufgerafft und den Moment genossen, wenn ich eine weitere Hürde genommen habe. Ziele zu erreichen und besser zu werden, macht ein wenig abhängig und der Titel „My Blood“ gibt mir immer wieder eine neue Herausforderung und erfüllt mich jedes Mal mit Freude, wenn wir ihn erfolgreich „gemeistert“ haben.

Jungs, ihr seht auf der Bühne immer so besonders und cool aus. Woher nehmt ihr eure Inspirationen und woher kommt dieser „Stil“?

Tyler: Willst du sagen, jetzt sehen wir nicht cool aus?

Josh: Wie? Nur bei den Gigs?

Oh, verdammt. Doch, auf jeden Fall. Bitte versteht mich nicht falsch. Ihr seht natürlich IMMER cool aus.

Josh: Die Bühnenoutfits sollten immer etwas besonderes sein und wir probieren gerne neue Dinge aus. Meistens findet Tyler die Sachen die ich trage besonders cool, manchmal aber auch nicht. Dann zieh ich’s trotzdem an. Manchmal aber auch nicht.

Und ja, es sind immer ganz besondere Dinge die wir tragen. Es ist wie es ist. Und wir lieben es, wenn sich unsere Fans wie wir kleiden, oder jede Menge schwarzes Tape nehmen und es auf ihre Kleidung kleben und eine Einheit bilden. Das sieht verdammt cool aus. Es fühlt sich wie eine große Familie und ein bisschen nach Zuhause an.

Eurer Album „Trench“ klingt ein ein wenig experimentell. Positiv experimentell. Doch es ist auf jeden Fall anders als eurer vorheriges. Würdet ihr sagen, dass „Trench“ das Beste ist, was ihr bisher produziert habt?

Tyler: Ich denke es wäre eine Schande, wenn wir sage, dass unser letztes Album das Beste war, das wir veröffentlicht haben. Also ja, ich denke es ist vernünftig zu sagen, dass das aktuelle Album, die beste Version unserer selbst ist.

Aus unserer Perspektive ist es ein Prozess. Wir lernen stetig dazu, wir wachsen, wir verändern uns. Wir versuchen immer besser zu werden. Und „Trench“ ist unsere Interpretation davon, immer besser werden zu wollen.

Wir stehen aber auch, wenn Fans und Menschen die unsere Musik hören, einen Favoriten haben und ihnen Dinge nicht gefallen. Das ist die Schattenseite des Business. Dass Menschen sagen, dass Musik schlecht ist, ohne objektiv zu urteilen.

Das habe ich allerdings auch erst begriffen, als ich selbst angefangen habe, Musik zu machen. Es ist unfair, einfach zu sagen dass etwas schlecht ist, nur weil es nicht deinem Geschmack entspricht. Du kannst etwas mehr mögen, als etwas anderes, das ist okay, aber etwas auf einer Skala zu messen, finde ich nicht gut. Ich möchte auch nicht „besser“ sein als irgendwer, ich möchte nur den Geschmack unserer Fans treffen.

Gleichzeitig möchte ich mich auch nicht mit etwas beschäftigen, von dem ich denke, dass es schlechter ist, als etwas das ich bereits veröffentlicht habe. Ich kann als einziger sagen, dass etwas schlechter ist, als etwas anderes. Alles andere ist Geschmacksache.

Ihr feiert dieses Jahr auch Bandjubiläum und seit mittlerweile seit 10 Jahren als TØP unterwegs. Was ist das Allerbeste, das euch in den letzten 10 Jahren passiert ist?

Josh: Es gibt so viele tolle Momente!

Tyler: Ich denke, der beste Moment war, als wir unsere Jobs kündigen konnten.

Josh: JA, das denke ich auch. Aber es gibt noch einen Moment, noch bevor wir offiziell als Band unterwegs waren. Da spielten wir einen Song auf der Party eines Freundes. In seinem Hinterhof. Und die Polizei kam und musste uns zwingen aufzuhören, weil es zu laut und zu spät war. Und ich glaube das war ein Moment, der für immer in Erinnerung bleibt. Das war ein Moment, der die Messlatte für all das gesetzt hat, was folgen sollte. Und kurz darauf konnten wir dann unsere Jobs kündigen und von der Musik leben. Das ist so ein tolles Gefühl.

Und heute sitze ich vor Grammy und Billboard-Award Gewinnern, die Musik für Blockbuster komponieren und weltweit die größten Hallen ausverkaufen. Was sind also eure nächsten großen Ziele, die es zu erreichen gilt?

Tyler: Das alles nochmal zu schaffen. Wenn man etwas einmal gewinnt, kann es Glück gewesen sein, aber es ist viel schwerer und anspruchsvoller, seinen Titel zu verteidigen. Das ist das Ziel. Zu beweisen, dass wir es verdienen, immer weiter zu machen.



Autor: Dominik Huttner Foto: Warner Music | Brad Heaton