Als deutsche Newcomer-Rockband das Cover der VISIONS zu schmücken ist etwas, dass nicht jeden Monat passiert. VAN HOLZEN schafften das mit ihrem Debüt „Anomalie“ nicht einfach so, sondern sicherlich nicht ohne Grund. Jetzt, zwei Jahre später, veröffentlicht die blutjunge Ulmer Band den Nachfolger „REGEN“. Gereift, verschärft, und so gut, dann man ganze Zeitschriftenläden mit den Gesichtern des Trios schmücken will. Aber darum geht es hier gar nicht – es geht um viel mehr.

Ein Beitrag von Maren Schüller – Im Wortwechsel stellen sich VAN HOLZEN Fragen, die Probleme in der Produktion, die Erwartungshaltung ans berüchtigte „zweite Album“ und den Blick auf die eigene Generation beleuchten. Welche Thematik dem Trio besonders am Herzen liegt und worauf sie sich freuen, lest ihr hier.


Wie geht’s euch mit dem neuen Album?

VAN HOLZEN: Sehr gut! Das Album und sein Entstehungsprozess haben uns sehr viel abverlangt, deshalb sind wir auch total glücklich darüber, dass das Ergebnis unserer Arbeit genau so geworden ist, wie wir es uns vorgestellt haben.

Wie lange habt ihr insgesamt daran gearbeitet?

VAN HOLZEN: Inklusive Songwriting haben wir ungefähr 18 Monate daran gearbeitet.

Gibt es Songs, die es nicht drauf geschafft haben und eine Chance, diese bei der Tour zu hören?

VAN HOLZEN: Da gibt es einen Song, ja. Aber mal sehen, ob und wie der sich in die Setlist auf Tour einfügt. Wir versprechen mal nichts!


„Wir waren mit einer krassen Euphorie am Werk und haben es total genossen unsere Idee davon, was „Van Holzen“ für jeden von uns ist weiter zu entwickeln.“


Das ganze Album strotzt vor Energie und Ideen. Gab es auch mal Schwierigkeiten und wenn ja, welche?

VAN HOLZEN: Zumindest im kreativen Prozess gab es keinerlei Schwierigkeiten. Wir waren mit einer krassen Euphorie am Werk und haben es total genossen unsere Idee davon, was „Van Holzen“ für jeden von uns ist weiter zu entwickeln. Wir versuchen uns im Moment des Song-Schreibens nicht zu hinterfragen, da lassen wir ganz und gar der Intuition ihren Platz. Bis so ein Album dann aber mal veröffentlicht werden kann, gibt es noch einige andere Herausforderungen, die es zu meistern gilt. “Wie werden die Videos gedreht? Wie wird das ganze finanziert? Wie soll das Album aussehen und wie soll es veröffentlicht werden?“. Sowas halt… Aber ich glaube dadurch, dass wir mit so viel Spaß bei der Sache sind, werden auch diese Herausforderungen selten zu wirklichen Problemen.

Das zweite Album ist unter Musikern bekannt dafür, dass man an den vorherigen Erfolg anknüpfen und hohe Erwartungen erfüllen muss. Wie viel Druck spürt ihr auf euch?

VAN HOLZEN: Wir haben uns direkt zu Beginn der Album Produktion von jeglicher Erwartungshaltung Anderer befreit. Wir glauben, dass der von außen ausgeübte Druck niemals zu einem guten, für uns zufrieden stellenden Ergebnis beitragen kann. Uns war nur wichtig, dass wir uns nicht wiederholen und unseren Sound weiter entwickeln. Neues ausprobieren. Und außerdem: Unser eigener Anspruch an uns und unsere Musik übt genug Druck aus, um so ein Album Prozess spannend zu gestalten.



Schon der erste Song „Alle meine Freunde“ ist schonungslos ehrlich. „Ich und meine Freunde haben Angst / Weil jeder von uns alles haben kann / Ich glaube nicht daran“ – warum nicht?

VAN HOLZEN: Nach unserem Abitur konnten wir in vielen Fällen beobachten, wie viel Einfluss die Erwartungshaltung früherer Generationen auf die weitere Lebens Planung junger Menschen hat. Wir leben in einem so privilegierten Land, haben alle Möglichkeiten um unser Glück zu finden, und doch lassen sich junge Menschen, die vielleicht in der Zeit nach ihrem Schulabschluss noch etwas orientierungslos sind in Richtungen lenken, die total Fremdbestimmt wirken. “Mach was draus…“ wird dann oft gesagt. Ich glaube nicht daran, dass der Weg, den die frühere Generation für uns vorsieht immer der Richtige ist. Zumal oft Geld im Mittelpunkt der Berufswahl/Zukunftsplanung steht. Unsere Generation braucht Zeit. Mehr nicht. In 40 Jahren wird, meiner Meinung nach, Geld keine Rolle mehr spielen. Wichtig ist, dass wir glücklich und zufrieden sind. Und ob nur Geld oder Erfolg dazu führen kann? Ich glaube nicht.

Was glaubt ihr, wie man auf eure Generation zurückblicken wird?

VAN HOLZEN: Ich denke, und hoffe, dass wir eine Generation sein werden, die neue Werte in unserer Gesellschaft etabliert. Eine Generation, die dafür sorgt, dass auch in 100 Jahren noch Menschen auf diesem Planeten ein friedliches Leben führen können. Ich denke, wir sind eine Generation mit scharfen Sinnen dafür, was wirklich wichtig ist. Wenn wir unseren Nachkommen schon in den Kinderschuhen beibringen können, dass es wichtig ist, dass wir im Einklang mit der Natur leben, Konflikte diplomatisch lösen und unseren Reichtum selbstlos teilen, glaube ich, dass wir als eine Generation, die etwas verändern konnte wahrgenommen werden.


„Es kann doch nicht wahr sein, dass Frauen immer noch um ihren Platz in der Gesellschaft kämpfen müssen.“


Gibt es Themen, die euch momentan am Herz liegen und die ihr deswegen unbedingt aufs Album bringen wolltet?

VAN HOLZEN: Gleichberechtigung von Frau und Mann. Es kann doch nicht wahr sein, dass Frauen immer noch um ihren Platz in der Gesellschaft kämpfen müssen. Das finden wir scheisse. Daran sollte sich schnell Grundlegendes ändern. Um zu zeigen wie eklig es ist, wie manche Männer mit Frauen umgehen haben wir den Song „Allein“ aus der Perspektive des Problems geschrieben.

Bei dem Bonustrack „Der Schönste“ ist der Text aus der Perspektive eines Toten geschrieben. Wie kam es zu dieser Geschichte?

VAN HOLZEN: Die Figur in „Der Schönste“ ist ja offensichtlich sehr von der eigenen Schönheit geblendet und legt großen Wert darauf „Der Schönste“ zu sein. Ich hatte einen sehr eitlen Menschen in meiner Kursstufe, dieser beschäftigte sich eigentlich den halben Tag mit sich selbst und fand sich so richtig geil. Zudem war er nicht besonders nett zu Anderen Menschen. Das machte ihn so uninteressant und Profillos. Irgendwie so tot. Ich fand es dann schön diesem Übermut die Ernsthaftigkeit zu nehmen und im Song zu zeigen, wie wichtig es ist am Ende „Der Schönste“ gewesen zu sein – gar nicht. Der Song lässt sich am Besten mit einem zwinkernden Auge verstehen.

Gibt es etwas, worauf ihr euch dieses Jahr besonders freut?

VAN HOLZEN: Ja! Auf unsere Tour im November. Das wird schön. Wir haben die wunderbare Band Drens im Vorprogramm dabei. 22 Städte, 30 Tage – Darauf freuen wir uns jetzt schon sehr.


VAN HOLZEN live

01.11.2019 Bonn, Bla
02.11.2019 Marburg, KFZ
03.11.2019 Düsseldorf, The Tube
05.11.2019 Hannover, Lux
06.11.2019 Hamburg, Nochtwache
07.11.2019 Bremen, Tower
08.11.2019 Lingen, Alter Schlachthof
09.11.2019 Münster, Gleis 22
10.11.2019 Braunschweig, B58
12.11.2019 Leipzig, Naumanns
13.11.2019 Dresden, Beatpol
15.11.2019 Berlin, Musik & Frieden
16.11.2019 Koblenz, Circus Maximus
17.11.2019 Trier, Lucky’s Luke
20.11.2019 Wiesbaden, Kesselhaus
21.11.2019 Würzburg, B-Hof
22.11.2019 Nürnberg, Club Stereo
23.11.2019 AT-Wien, Arena – Dreiraum
26.11.2019 CH-Zürich, Dynamo Werk 21
28.11.2019 München, Feierwerk
29.11.2019 Konstanz, Kula
30.11.2019 Stuttgart, Club Cann



Autorin: Maren Schüller | Anna Fliege / Photocredit: Ilkay Karakurt