Mit „Riptide“ eroberte er vor einigen Jahren nicht nur die internationalen Charts, sondern auch die Herzen tausender Fans. Nach langen 3 1/2 Jahren kehrt der sympathische Australier Vance Joy nun mit seinem neuen Album „Nation Of Two“ (Review) auch auf die deutschen Bühnen zurück.

Vor seinem fabelhaften Konzert (Review) in der Kölner Live Music Hall an einem verregneten Dienstagabend durfte ich den Sänger zum Interview treffen und mit ihm über das Tourleben, Inspirationen und die Besonderheit von „Riptide“ sprechen.


Das wichtigste zuerst: Wie gehts dir? Wie läuft die Tour?

Vance Joy: Mir gehts gut, danke! Auch die Tour läuft super. Es ist schön, nach gut 3 ½ Jahren endlich wieder in Europa zu spielen. Gestern hatten wir nach den ersten 5 Konzerten der Tour einen schönen Off-Tag in Amsterdam. Die Stimmung in der Band ist einfach richtig gut und das gemeinsame Leben im Tourbus bis jetzt gar nicht so herausfordernd, wie wir es uns vorgestellt haben.

Was war bisher das Beste an dieser Tour?

Vance Joy: Wir klingen auf der Bühne richtig gut zusammen, nachdem wir viel geprobt haben. Wir befinden uns jetzt auf einem Level, auf dem wir als Band harmonieren, das ist auf jeden Fall das Beste!
Gibt es Dinge, die du an Deutschland magst, die es zum Beispiel gar nicht in Australien gibt?
Vance Joy: Die Architektur ist hier ganz anders! Mein Bruder lebt zurzeit in Berlin in einer hübschen Altbauwohnung. Gerade im Vergleich zu Amerika, wo du in winzigen Hotelzimmern lebst oder wie wir gerade ein Leben im Tourbus führst, finde ich besonders die hohen Decken beeindruckend. Und sonst? Das Essen und natürlich das deutsche Bier. die kulturellen Unterschiede allgemein sind erfrischend, auch, wenn es manchmal nur kleine Details sind, zum Beispiel: Türen und Fenster lassen sich anders öffnen oder unterschiedliche Brotsorten.

Hat dich deine Karriere (positiv) verändert?

Vance Joy: Ich glaube schon. Ich wäre heute auch ohne Musik ein ähnlicher Mensch, sehe meine Karriere aber als Erweiterung meiner Persönlichkeit. Ich bin ich selbst, wenn ich auf der Bühne stehe, ich fühle mich wohl und das ist ein sehr gutes Gefühl!

Du warst ein erfolgreicher Nachwuchs-Football-Spieler und hast gleich zwei Studienabschlüsse. Gabs einen Schlüsselmoment, in dem du dachtest: „Ach egal, ich mach jetzt Musik!“?

Vance Joy: Ich mochte Football, aber irgendwann blieben meine Leistungen konstant, während meine Leidenschaft dafür abschwächte. Auch Studieren hat mir Spaß gemacht, mein wirklicher Fokus lag aber schon während meines Studiums auf Songwriting. Es fühlte sich schon damals gut und bereichernd an. Am Ende meines Studiums arbeitete ich bereits in einer Halbzeitstelle und hatte nicht den größten Druck, straight ins richtige Berufsleben einzusteigen. Ich gab mir ein Jahr Zeit, Musik zu entdecken, ein paar Songs aufzunehmen und abzuwarten, was danach passieren würde. Ich hatte keine hohen Erwartungen.

Kannst du dir vorstellen, nochmal einen anderen Karriereweg zu gehen?

Vance Joy: Ich lasse die Dinge auf mich zukommen. Letztendlich möchte ich auf jeden Fall noch ein paar Alben aufnehmen und fände es schon, auch noch in 10 Jahren irgendwie Musik zu machen. Aber ich finde die Idee, auch andere kreative Dinge auszuprobieren, sehr interessant. Als Anwalt kann ich mich mir selbst allerdings nicht vorstellen, das wäre nichts mehr für mich.

Hast du musikalische Vorbilder oder Idole?

Vance Joy: Da gibt es einen Typen, er heißt Paul Kelly und kommt ebenfalls aus Australien. Man könnte ihn mit Bob Dylan oder Bruce Springsteen vergleichen. Die Musik von Bruce Springsteen selbst mag ich sehr gern. Und ich liebe Feist! Ich erinnere mich, wie ich 2010 sehr häufig das Album „Reminder“ gehört habe und jeden Song toll fand, das hat mich sehr geprägt.

Wer oder was waren deine Inspirationen für dein neues Album “Nation Of Two”?

Vance Joy: Mich hat vor allem das Buch “Between Them” von Richard Ford inspiriert, in dem er das Leben seiner Eltern beschreibt, bevor er geboren wurde. Gutes Songwriting und Musik, egal welches Lied es auch ist, beeinflusst mein Herz auf gewisse Weise. Dann möchte ich selbst zur Gitarre greifen und Musik machen. Natürlich auch Dinge, die ich im Alltag zufällig mitbekomme, Menschen, die ich beobachte, meine eigenen Erinnerungen. Ich habe ein kleines Notizbuch, in welchem ich Ideen sammle und später in Songs verpacke.

Wenn du ein Feature mit einem Künstler deiner Wahl machen könntest: Wer wäre das?

Vance Joy: Ich weiß nicht, ob das mit meiner Stimme harmonieren würde, aber: Ich liebe Sia.

Du warst 2016 mit Taylor Swift auf Tour – Welche Erfahrungen hast du da gesammelt?

Vance Joy: Es war phantastisch! Ich lernte, wie es sich anfühlt, wenn man vor großen Menschenmassen in Arenen und Stadien spielt. Ich musste daran arbeiten, mich auf der Bühne wohler zu fühlen, das war eine hilfreiche Entwicklung. Was ich außerdem lernte: Je mehr Spaß du auf der Bühne hast, desto mehr überträgt sich das auch auf die Leute vor der Bühne.

„Riptide” hält den Rekord des am längsten in den australischen Charts platzierten Song: Was glaubst du, macht diesen Song so erfolgreich?

Vance Joy: Das ist bizarr. Du weißt ja vorher nie, wie ein Song ankommen wird, manchen Songs wachsen einfach Flügel und sie machen sich selbstständig. Rückblickend würde ich sagen, dass die Mischung aus den ungewöhnlichen Lyrics, die in Erinnerung bleiben, dabei aber nicht komplett gradlinig sind. Diese Art von Imperfektion, die der Song ausstrahlt, bleibt schnell hängen.

Spielst du “Riptide” noch immer gern?

Vance Joy: Normalerweise spiele ich den Song immer als Abschluss des Sets. Gerade hier in Europa ist es der Song, den wirklich alle kennen und mitsingen, das Level der Begeisterung ist hoch. Es macht mich glücklich, vor glücklichen Menschen zu spielen.

 


Autorin & Photocredit: Anna Fliege

MerkenMerken

MerkenMerken

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht.

This site uses Akismet to reduce spam. Learn how your comment data is processed.