Walking On Cars mauserten sich binnen kürzester Zeit vom Geheimtipp zum erfolgreichen Exportschlager und begeistern seit ihrem internationalen Durchbruch in 2016, nicht mehr nur die irischen Fans, mit der Hit-Single „Speeding Cars“.

So folgten im gleichen Jahr nicht nur die Veröffentlichung des Debütalbums, sondern auch Auftritte bei „Rock am Ring“ und „Rock im Park“, sowie in der TV-Show „Circus Halligalli“. Jetzt folgt also das langersehnte Follow-Up „Colours“, mit welchem das Quartett nur knapp 4 Wochen später auf gleichnamige Tour geht. 

Bevor es aber so weit ist, traf Dominik die Band, im Rahmen der ersten intimen Clubshow im Kölner Luxor zum Interview und hatte dabei die Gelegenheit, mit seinen Fragen einmal genauer ins Detail zu gehen…


Ihr wart auf kleiner intimer Clubtour, bevor es im Mai wieder in deutlich größere Hallen geht. Was sind denn für euch die größten Unterschiede zwischen kleinen Clubs und großen Venues?

Pat: Die kleinen Clubs sind deutlich intimer und man bekommt viel schneller eine Verbindung zum Publikum. Wir spielten die Clubtour, damit unsere Fans einen ganz exklusiven Vorgeschmack auf unsere neue Musik bekommen konnten und weil wir es wirklich lieben, vor kleinen Gruppen zu spielen.

Und was ist euer liebster Ort, oder euer liebstes Land in Europa, um auf Tour zu gehen?

Paul: Deutschland gehört auf jeden Fall zu unseren liebsten Orten! Denn die Menschen in Deutschland sind immer so unfassbar gut vorbereitet.

Pat: Die Technik in den Venues funktioniert immer und auch das Essen ist hervorragend. Aber auch die Fans sind hier ganz besonders, warten stundenlang vor den Hallen und bringen uns Geschenke mit zu den Konzerten, was wirklich unfassbar nett ist. Vor allem die deutsche Schokolade ist super!

Paul: Wie man sehen kann…

Evan: Ja, das ist schon anders als in Irland. Wir lieben es hier!

Wie hat der Titel ‚Speeding Cars‘ euer Leben und eure Karriere beeinflusst?

Pat: Es ist eigentlich ganz witzig, denn als wir das letzte Album geschrieben haben, ahnten wir noch gar nicht wie ‚groß‘ dieser Song eigentlich ist und noch werden wird. Und als der Titel dann als Single auf den Markt kam, hat er sich wie ein Lauffeuer verbreitet, was wirklich verrückt für uns war. Und erst da haben wir auch wirklich begriffen, wie besonders ‚Speeding Cars‘ für den Erfolg unserer Band sein wird.

Evan: Insbesondere überraschte uns wie gut der Song ankam, weil er es fast nicht aufs Album geschafft hätte. Es war einer unserer älteren Songs und deswegen wollten wir ihn außen vor lassen, doch das Label und unsere Produzenten haben glücklicherweise auf den Titel bestanden, weil er ihnen so gut gefallen hat.

Paul: Der Titel hat unser Leben definitiv massiv verändert und uns so viele tolle Möglichkeiten beschert.

Ihr seid allesamt Iren, fühlt ihr euch als Band auch als Re­prä­sen­tanten den Landes?

Paul: Ja, auf jeden Fall. Menschen sprechen uns immer wieder darauf an und fragen uns, was uns an Irland am besten gefällt. Wir sprechen sehr gerne über unsere Heimat und unsere Heimatstadt und geben gerne zu, dass wir eine Menge Liebe für Irland übrig haben. Es ist fast schon patriotisch. (Alle lachen)

Gibt es denn andere irische Künstler, zu denen ihr aufschaut, oder von denen ihr euch inspirieren lasst? Und falls nicht, gibt es überhaupt Künstler zu denen ihr aufschaut?

Sorcha: Es gibt so viele unfassbare irische Künstler wie z.B James Vincent McMorrow, den wir als Band extrem viel angehört und lieben gelernt haben. Sein erstes Album ist so wunderbar. Und sein zweites Album wurde zum Soundtrack unserer Tour, denn jeden Tag vor den Soundchecks, haben wir das Album in voller Lautstärke in den Hallen laufen lassen. Er ist definitiv jemand, den wir alle lieben.

Paul: Im allgemeinen entdecken wir die meisten Bands, die wir feiern, auf Festivals.

Pat: Und wenn ein Künstler größer gewachsen ist als du, dann schaust du auch zu ihm auf. (lacht)

„Monster“ ist die erste Singleauskopplung aus dem kommenden Album. Wovon handelt der Song und wie ist er entstanden?

Pat: Dieser Song ist wie ein Befreiungsschlag, dass man mit etwas abgeschlossen hat. Das Ende einer schlimmen Beziehung beispielsweise. Es war der erste Titel den wir für das neue Album geschrieben haben und er hat die Türen für alle nachfolgenden Songs geöffnet. Es war wie ein Antriebsmotor, der uns am laufen gehalten hat. Wir mögen ihn sehr!

Ohne zu wissen, wie das kommende Album wohl klingen wird, wäre es spannend zu erfahren, ob ihr denkt, dass es stilistisch ähnlich oder komplett anders sein wird.

Pat: Das neue Album wird auf jeden Fall anders klingen, wird aber trotzdem die Essenz des ersten Albums in sich tragen. Es ist eine Art Evolution, die wir durchlaufen haben und es ist ein bisschen experimenteller, aber die Leute sollen immer noch ‚Walking On Cars‘ erkennen.

Sorcha: Wir haben uns auch als Künstler und Produzenten weiterentwickelt, weil wir beim zweiten Album viel mehr wussten was wir wollen und in welche Richtung es gehen soll. Wir waren deutlich mehr in die Entstehungsprozesse eingebunden und konnten das Album dadurch noch mehr beeinflussen.

Paul: Beim ersten Album war alles noch so neu und wir waren eingeschüchtert von der großen, weiten Musikindustrie. Jetzt waren wir deutlich offener für alles.

In einem früheren Interview sagtet ihr, dass ihr euch in eine alte Schule eingemietet habt, um dort die Texte für das neue Album zu schreiben. Und auch das erste Album entstand in einer einsamen Hütte. Was hat es mit eurer Vorliebe für solch ungewöhnliche Orte auf sich?

Pat: Es ist die Akustik und die Energie, die solche alten Gemäuer mit sich bringen. Wir denken, dass es immer gut ist neue Wege zu gehen, weil es neue Ideen mitbringt. Die Schule in der wir waren war so groß und bot uns so viele neue Möglichkeiten. Da war ein Studio und ein Proberaum und wir konnten uns überall ausbreiten. Es gab alles was wir benötigten. Das war wunderbar.

Schaut man sich das Genre einmal genauer an, seid ihr eine der wenigen Bands mit weiblicher Besetzung. Denkt ihr, dass Frauen im Musikbusiness unterschätzt werden?

Sorcha: Ich denke es ist deutlich schwieriger für Frauen, ja. Meine Erfahrung ist, dass das Business von Männern dominiert wird und das fällt immer wieder auf. Wenn wir in eine neue Venue kommen, sind dort immer 80-90% Männer und kaum eine Frau unter den Angestellten. Ich würde aber auch nicht sagen, dass irgendjemand Schuld daran trägt. Vielleicht ist es eine Frage der Mentalität, vielleicht fühlen sich junge Frauen seltener ermutigt Musik zu machen. Aber dann gibt es auch so viele unglaublich talentierte Musikerinnen, die ich auch selbst anhöre. Vielleicht befinden wir uns im Wandel…

Und was sind für euch die Vorteile in einer Band zu spielen, anstatt alleine auf der Bühne zu sein?

Pat: Ich denke es ist einfacher Entscheidungen zu treffen, weil wir vier sind. Alleine trifft man viel häufiger schlechte Entscheidungen. Und so gibt es noch drei weitere Meinungen.

Paul: Ja, ich hatte alleine wirklich schreckliche Ideen…

Sorcha: Es ist auch wie ein Netzwerk, wenn man zusammen unterwegs ist. Wir machen alles zusammen. Wir stehen zusammen auf, wir starten zusammen in den Tag. Das macht schon viel aus. Wir verstehen Dinge untereinander, die niemand anders versteht. Das fühlt sich gut an.

Neben der Musik seid ihr auch sehr aktiv auf Social Media. Postet ihr alle Beiträge selbst, oder habt ihr einen „ghostwriter“?

Pat: Nein nein, wir machen das schon alles selbst. Das ist uns sehr wichtig.

Evan: Ich muss gestehen, dass ich wirklich schlecht mit sozialen Medien bin…ich bin froh, dass Pat es die meiste Zeit übernimmt.

Sorcha: Ich bin besessen! Also wirklich besessen. Es ist schlimm…

Paul: Ich mache viele Fotos und habe viele Ideen und dann vergesse ich immer die Bilder zu posten.

Abschließend würde es mich freuen, wenn ihr mir verratet, was eure Pläne für die kommende Zeit sind?

Pat: Allen voran die Tour im Mai, dann natürlich unser Albumrelease und viele Festivals im Sommer.

Paul: Wir werden in den nächsten Monaten sehr sehr viel zutun haben und sehr viel unterwegs sein. Das wird super.



Autor und Foto: Dominik Huttner