Fast jeder hat zumindest schonmal ihren Namen gehört: We Are Scientists. Die Band ist schon so lange mit dabei, dass sie eigentlich schon zur Standarteinrichtung in der Indie-Rock Szene gehört. Aber auch nach der ganzen Zeit haben Keith Murray und Chris Cain ihren Humor nicht verloren. So viel, wie die beiden gewitzelt und gelacht haben, konnte ich die typische Anmerkung „(lacht)“ gar nicht einfügen. Das folgende Interview ist also mit einem gewissen Sinn an Humor und Ironie zu genießen.


Erstmal: Herzlichen Glückwunsch für das Album! Wie geht’s euch?

Danke und hervorragend! Es ist ein sonniger Tag und ich spüre, es wird bald Bier geben. Alles ist gut.

Ihr habt euer letztes Album „Helter Seltzer“ vor fast genau 2 Jahren veröffentlicht, wie war der Schreibprozess für das jetzige „Megaplex“, sind alle Lieder neu oder gibt es welche, die auch schon älter sind?

Einige Lieder wurden vielleicht geschrieben bevor das letzte Album veröffentlicht wurde, aber sie wurden alle geschrieben, nachdem es aufgenommen wurde. Das älteste ist jetzt wahrscheinlich um die 3 Jahre alt. Also sind sie eigentlich alle neu.

Was ist euer persönlicher Favorit von „Megaplex“?

Im Moment vermutlich „Heart Is A Weapon“, aber das ändert sich sehr oft.

Apropos „Heart Is A Weapon“: Keith, in dem Musikvideo dazu ziehst du vollkommen blank, wie war diese Erfahrung, mal angenommen du bist nicht ständig nackt vor einer Kamera?

Keith: Sehr befreiend. Ich bin der Meinung, in jedem Musikvideo sollte ab jetzt mindestens ein Bandmitglied nackt sein. Einfach spazierengehend, die Natur genießend. Niemand muss Gleitschirm fliegen gehen. Chris: Ich weiß nicht, irgendjemand sollte nackt Gleitschirm fliegen gehen. Muse vielleicht.

„Megaplex“ ist euer 6. Studioalbum, ihr macht jetzt seit fast 2 Jahrzehnten Musik. Gibt es etwas in der Industrie, von dem ihr findet, dass es sich zum Schlechten verändert hat?

Keith: Ich wünschte, man könnte noch viel Geld damit verdienen. Es ist einfach schwerer für Labels Geld zu machen. Aber alles in allem ist es nicht schlechter als früher. Chris: Es gibt Dinge, die super sind. Man hat einen so einfachen Zugang zu einem riesigen Katalog an Musik. Spotify kostet kaum Geld. Außerdem ist es heutzutage viel einfacher Musik zu kreieren. Die Software ist an einem Punkt angekommen an dem jeder super coole Sachen damit machen kann. Aber das bedeutet auch, dass es jede Menge Müll gibt.

Habt ihr das Gefühl, die Beziehungen zwischen Künstlern und Fans haben sich in den letzten Jahren geändert?

Social Media gibt einem auf jeden Fall die Möglichkeit engere Interaktionen zu haben. Viele Künstler haben das gemerkt und haben eine gewisse Intimität erzeugt, die davor sehr schwer gewesen wäre. Aber durch die Möglichkeiten sind auch die Erwartungen gestiegen. Ein Nachteil daran ist auch, dass besonders für Rockstars das mysteriöse und legendäre an ihnen dadurch irgendwie verloren geht. Es ist besser als eine Art Superheld gesehen zu werden, das ist doch Teil des Spaßes, oder?

Hattet ihr jemals komische Erfahrungen mit Fans?

Nein, niemals! Spaß, die hatten wir natürlich. Aber weil wir uns auf das positive konzentrieren wollen, sage ich es mal so: Wir hatten nie seltsame Erfahrungen mit „casual“ Fans, wenn du verstehst was ich meine.

Gibt es etwas wirklich Wertvolles, das ihr in den letzten Paar Jahren gelernt habt und ihr gerne an Neulinge in der Musikbranche weitergeben würdet?

Lernt die Software! Als wir damals angefangen haben, war sie nicht mal halb so gut. Aber die Software ist so gut. Manchmal sogar zu gut. Schaut euch nur mal Garageband auf dem iPad an. Da ist es etwas komplett anderes als auf dem Laptop, es ist quasi eine Performancesoftware. Gut für Kinder…. Und David Guetta. Das Ding schreit förmlich nach David Guetta-Musik-Musik.

Wo wir gerade von neueren Musikern sprechen, wenn ihr die Möglichkeit hättet mit irgendeinem weiblichen Popkünstler zu kollaborieren, wer wäre das und warum?

Keith: Dua Lipa. Sie hat eine echt gute tiefe, rauchige Stimme. Sie könnte die tiefen Parts singen und ich die hohen. Chris: Ich meine, wer will gerade keinen Cardi B Vers auf einem Lied? Wenn sie uns eine E-Mail schicken würde mit einer Strophe, würden wir den definitiv auf unsere nächste Single packen. Aber ja, Dua Lipa und Cardi B. Oder wolltest du kleinere Künstlerinnen? Keith: Dann würde ich Selena Gomez wählen. Ihr würde ich auch eine Strophe überlassen.

Ihr geht bald in Europa und den USA auf Tour, was ist euer liebster und unliebster Teil am touren?

Liebster Teil ist definitiv, dass man mit seinen Freunden umherreist und neue Orte und manchmal auch Leute, eben mit seinen Freunden, erfahren kann. Das macht mehr Spaß als wenn man alleine ist, zumindest wenn man teilweise monatelang unterwegs ist. Der unliebste Teil ist, dass man oft aber die Orte zu denen man reist gar nicht wirklich sieht. Und manche Hallen sind ein Alptraum. Wir haben schon die Schlimmsten vom Schlimmsten gespielt. Stell dir das Schlimmste vor und dann verdoppel es. Viele Besitzer interessieren sich scheinbar nicht dafür, wie es bei ihnen aussieht. Aber solche Venues sind hauptsächlich in Großbritannien zu finden.

Ihr spielt auch 5 Shows in Deutschland, was mögt ihr am liebsten hier?

Ja, 5 Konzerte! Schöne Hallen, die BMWs unter den Venues. Wir lieben das Pils hier und die Straßen. Von Stadt zu Stadt zu fahren ist sehr angenehm. Achja, und Radler trinken in der Sonne! Schau dir diese Sonne an, sie bettelt einen fast an draußen ein Radler zu trinken. Auch generell ist Deutschland sehr angenehm und sauber. Auch wenn das Wetter schlecht ist, ist es trotzdem schön hier. Man hat trotzdem gute Laune.

Letzte Frage: Was ist das Komischste, was ihr je auf eurem Rider (Anmerkung: Rider ist eine Liste von Dingen, die ein Künstler backstage haben will) hattet?

Wir hatten nie etwas wirklich Komisches, höchstens vielleicht ungewöhnlich. Auf einer Tour haben wir Welpen draufgeschrieben. Leider hat niemand richtige Welpen mitgebracht, aber 3 Leute hatten ihre Hunde mit dabei. Es immer schön, Hunde in der Nähe zu haben. Wenn man kann, sollte man jeden Tag einen Hund streicheln. Das macht einen glücklich.



Autorin: Theresa Liebl Foto: We Are Scientists Facebook (Link)

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