Sie sind gefühlt immer unterwegs, das Tourleben bestimmt Ihren Alltag und doch haben die Jungs von Bastille es geschafft, ein weiteres Album aufzunehmen, welches uns am 14.06 erwarten wird.

Ein Artikel von Dominik Huttner – Während der „Still Avoiding Tomorrow“ Tour, traf ich Bassist Will zum Interview, um über die vergangen Tage der Tour und das kommende Album „Doom Days“ zu sprechen! Im exklusiven Gespräch verriet Will, was die Band tagtäglich antreibt und motiviert


Ihr seid wieder einmal auf Tour. Gefühlt seid ihr immer auf Tour. Und das schon seit einer Ewigkeit. Wie ist denn das Tourleben so?

Will: Es ist wirklich gut! Also wirklich gut. Wir haben uns im letzten Jahr eine sechsmonatige Auszeit vom Touren genommen, um das Album zu produzieren. Das war auch das erste Mal, dass wir so lange am Stück wieder in der Heimat waren. Und dann sind wir direkt wieder voll durchgestartet mit einer Menge Festivals und einigen Auftritten in Amerika. Seit Januar sind wir wieder unterwegs und kümmern uns nebenher ebenfalls um das nächste Album, was viel Zeit in Anspruch nimmt, uns aber auch unfassbar antreibt. Es ist eine gute Energie, die im Raum ist.

Und wie sehr gefällt euch die ‚Still Avoiding Tomorrow‘ Tour?

Will: Es fühlt sich so gut an! Man glaubt gar nicht wie viel Spaß es macht, ein Paar neue Songs vor Publikum zu spielen. Natürlich spielen wir auch gerne die „alten Songs“, aber mal etwas Neues zu spielen ist so super. Es ist auch anders, natürlich, aber es macht einfach so viel Spaß, selbst auf Tour zu sein. Man kann es nicht mit Festivals vergleichen, wo das Publikum vielleicht nur 3 Songs kennt.


Wir sind immer noch aufgeregt vor Konzerten. Es ist kein alltäglicher Job, aber wir haben Routinen entwickelt, die helfen!


Nun seid ihr bereits so lange als Band unterwegs, ist man da vor Auftritten immer noch so aufgeregt wie am Anfang, oder ist es eurer „Daily Business“ und ihr seid total cool?

Will: Natürlich genießen wir immer noch jeden Auftritt. Dan und Kyle sind vorher allerdings immer noch ziemlich nervös. Ich werde ehrlich gesagt nie so richtig nervös, trotzdem ist es niemals eine Routine für mich. Es ist immer aufregend, aber nicht beängstigend. Dan allerdings hat immer noch mit Ängsten zu kämpfen, auch wenn wir uns alle deutlich besser mit der Situation vor Konzerten angefreundet haben. Charlie und Kyle haben neuerdings eine Routine entwickelt, dass sie sich eine Stunde vor Beginn der Show nicht mehr hinsetzen, um schon Mal in Stimmung zu kommen. Manchmal springen sie auch wild auf und ab. Aber wenn wir ehrlich sind können die Tage ganz schön anstrengend und langwierig sein und die Minuten auf der Bühne sind dann die Zeit in der man den meisten Spaß hat, deswegen sollte man das immer genießen.

Wo wir so über das Leben auf Tour sprechen würde mich interessieren, was das verrückteste war, was Fans für euch gemacht haben?

Will: Ich glaube jedes Mal, wenn einer von uns während eines Konzerts seinen Geburtstag feiert, geben sich alle besonders Mühe und die Fans bereiten Videos und Geschenke vor. Das ist wirklich immer so liebevoll. Was mir allerdings in Erinnerung geblieben ist, ist eine ganz spezielle Sache! Während der Vorbereitungen zum letzten Album sollte es einen Secret Gig geben, genau an dem Tag, an dem Good Grief erscheint. Und durch ein Missverständnis lud jemand vom Label das Video zum Song zu früh hoch und dadurch hatten einige Personen eine Kopie davon. Und die Fans haben sofort eine Aktion über die sozialen Medien gestartet, dass niemand den Song veröffentlichen soll, bis er offiziell erschienen ist, was geklappt hat. Und das hat uns wirklich beeindruckt und berührt und den Druck genommen. Das war unfassbar.

Und kannst du dich auch an die beste Sache erinnern, die während einer Show passierte?

Will: Jemand kam mal während eines Songs auf die Bühne und hat seiner Freundin vor allen Leuten einen Heiratsantrag gemacht. Die Security hat nicht gewusst was los war und hat versucht ihn von der Bühne zu zerren und alle waren total aufgebracht, weil die Situation so seltsam ungewohnt war. Das war verrückt! Ich meine es gab dutzende Anträge nach Shows, wenn wir die Leute getroffen haben und die Situation stimmte, aber noch nie während eines Gigs, WÄHREND eines Songs. Das war im letzten Jahr und war wirklich einer der besten Momente. Aber wirklich dramatische, oder schlimme Dinge sind niemals passiert.

Will, als deutscher Fan eurer Musik und Besucher eurer Konzerte würde es mich natürlich interessieren, welches Land sich am besten auf eure Konzerte vorbereitet und den meisten Eindruck hinterlässt?

Will: Ich muss jetzt Deutschland sagen, oder? (lacht) Aber um ehrlich zu sein ist es immer abhängig von der Tagesform und den Umständen. Manchmal spielst du in einer Venue mehrere Shows hintereinander, da fallen Unterschiede eher auf, als in anderen Situationen, aber grundsätzlich sind unsere Fans alle immer sehr gut vorbereitet. Wenn das Publikum nicht gut genug mitmacht und keinen Spaß hat, müssen wir uns eher fragen, ob wir etwas falsch machen und die Energie nicht überragen können.

Ich durfte bereits einen Vorgeschmack auf das kommende Album „Doom Days“ bekommen und würde gerne über die Inspirationen zur Thematik sprechen. Für mich hat es diese positive Attitüde, weniger darüber nachzudenken was Leute über den Sound denken könnten, sondern einfach „zu machen“. Was steckt dahinter?

Will: Unserer letztes Album war sehr tumultartig, sehr aufwühlend und durchaus politisch. Es hat sich extrem mit der aktuellen Lage im politischen Weltgeschehen befasst und vielleicht haben wir an der einen oder anderen Stelle einen Schritt zu viel gewagt. Jedenfalls wollten wir uns alle dieses Mal deutlich davon entfernen, ohne an Bedeutung und Inhalt zu verlieren. Wir wollen eben immer noch darauf hinweisen, was vor unseren Augen passiert, ohne zu sehr ins Detail zu gehen und uns auf einzelne Themen zu versteifen. Und so entstand die Idee eines „Postapokalypischen Party-Albums“.

Es sollte ein Konzept umfassen, das uns auf den Untergang vorbereitet, den wir alle gemeinsam ein letztes Mal feiern. Es soll diese letzte Nacht einfangen die wir haben, bevor alles endet. Deswegen ist Quarter Past Midnight auch die erste Single, für die wir uns entschieden haben. Das Album soll einfach die verschiedenen Stimmungen einfangen, die man durchleben könnte. Wenn man absolut rastlos ist und einfach der Realität entfliehen möchte, bis hin zu jenen Augenblicken, in denen man jede Sekunde mit seinen Freunden genießt und einfach den Moment lebt. Uns ist bewusst, dass auf der Welt immer noch zu viel schief läuft und eine Menge passieren muss, doch wenn der Moment der Apokalypse kommen sollte, wir immer noch zusammen sein können.


Wir waren gestresst und erschöpft – Die Entstehung von Bad Blood hat Jahre gedauert


Und wie gestaltete sich die Entstehung der Songs für „Doom Days“?

Will: Es war wunderbar! Wie bereits erwähnt, haben wir uns dieses Mal eine Auszeit genommen, um uns auf die Arbeit am neuen Album zu konzentrieren. Es war total anders als beim ersten Album, als wir alle noch unsere „normalen“ Jobs hatten und alles nebenbei machen mussten, und es Jahre gebraucht hat, um fertig zu werden. Und beim zweiten Album waren wir wirklich erschöpft vom Stress des ersten Albums, weil wir währenddessen konstant mit Bad Blood auf Tour waren.

Jetzt allerdings konnte man sich voll und ganz aufs wesentliche konzentrieren. Es macht so viel Spaß und man schafft so viel mehr. Die sechs Monate waren so wichtig. Dan hat sich extrem viel Zeit für das Songwriting genommen und wir haben so strukturiert gearbeitet, wie vielleicht noch nie zuvor. Wir waren regelmäßig zusammen im Studio und es war einfach ein angenehmes arbeiten.

Aus persönlichem Interesse würde ich ebenfalls gerne wissen, welcher Song von Doom Days dein Favorit ist?

Will: Meiner? Darf ich das denn schon sagen, wo das Album noch gar nicht erschienen ist. Nicht dass ich jemanden beeinflusse…(lacht) Also textlich und inhaltlich ist es wahrscheinlich Doom Days, weil der Song die Thematik des Albums vorgibt. Es ist auch der letzte Song den wir gemacht haben. Ich liebe aber auch 4AM, aber wenn ich mich nur für einen Titel entscheiden kann, ist es Doom Days. Und mal wieder einer der deprimierenden Titel (lacht).

Du sagtest bereits, dass eure Texte teilweise politisch oder sozialkritisch inspiriert sind. Hat euch eure offene Haltung zu diesen Themen jemals Probleme bereitet?

Will: Nein, eigentlich nicht. Ich denke dass wir damit immer relativ gut gefahren sind. Natürlich gab es Titel wie „The Currents“, die sich unter anderem mit Trump und der weltpolitischen Lage befasst haben, aber dabei ging es oftmals auch um unseren persönlichen Horror und die Abneigung gegen solche Ansichten. Es gibt immer zwei Seiten der Medaille, aber es ist unsere Aufgabe sich gegen Rassismus oder soziale Ungerechtigkeiten einzusetzen. Wir sind politisch sehr aktiv und haben natürlich unsere eigenen Ansichten. Aber ein stückweit muss man es auch trennen.

Gerüchten zufolge ist das Album bereits seit einer langen Zeit fertig. Wieso wurde es noch nicht veröffentlicht?

Will: Das stimmt, wir hatten ein komplettes Album fertig aufgenommen. Glücklicherweise gab es jemanden namens „Marshmello“, der einen gemeinsamen Song mit uns machen wollte. Aus der Zusammenarbeit entstand Happier. Durch den Erfolg und die Aufmerksam des Songs, haben wir einiges hinterfragt, was bereits fertig war, hatten dadurch allerdings auch die Zeit die Dinge neu anzugehen und besser zu machen. Und deshalb dauerte es ein bisschen länger. Mal sehen ob sich das Warten gelohnt hat (lacht)

Wir werden sehen! Ich freue mich jedenfalls schon sehr.



Autor: Dominik Huttner Foto: Universal Music