Seit Songs wie “Reckless”, “Underdog” oder “Bite My Tongue” haben sich You Me At Six in den letzten Jahren in der Rock/Pop Szene einen Namen gemacht. Im letzten Oktober veröffentlichten sie ihr neues Album VI, eine Mischung aus den typischen Songs der Band und etwas experimentelleren Sounds. Gerade sind die Jungs auf ihrer Headline-Europa Tour und haben mitunter einen Stop in Köln gemacht.

„Komm rein, hier draußen ist es kalt!“, sagt Jon und führt mich in die Halle hinein. „Die Jungs sind gleich fertig mit dem Soundcheck, ich hole dich gleich.“ Ein paar Minuten später sitze ich mit Max und Matt von der Band und darf sie nun die nächsten 20 Minuten mit ein paar Fragen auslöchern.


Dies ist euer erster Halt eurer Deutschland Tour – wie fühlt es sich an wieder hier zu sein?

Matt: Wir sind wieder auf der Autobahn!

Max: Es ist schön wieder auf der Autobahn zu sein. Wir lieben es, wir lieben Deutschland und wir haben viel Zeit damit verbracht unsere Fanbase hier zu vergrößern in den letzten Jahren. Einige der größten Shows haben wir hier in Deutschland gespielt und heute passen hier ca 900 Leute rein. Es ist eine der größten Shows die wir hier spielen werden und es ist schön wieder da zu sein.

Matt: Oh ja!

Max: Wir lieben es hier, es ist wunderbar!

Matt: Das Bier auch.

Lieblingsstadt?

Matt: Puh, wahrscheinlich Berlin.

Max: Hm, wahrscheinlich auch Berlin. Ich habe den Jahreswechsel dort verbracht und ich habe gesehen wie wild es hier zugehen kann mit dem ganzen Feuerwerk an Silvester, das war verrückt. Obwohl ich es überall liebe, München, Köln, Hamburg – es ist überall toll wo wir bisher gespielt haben und jede Stadt hat ihren eigenen Vibe. Es ist auch schön, dass es überall nicht gleich aussieht. Manchmal besucht man Städte in einem Land und sie sehen alle ähnlich aus.

Matt: In Amerika sieht alles gleich aus

Wie wählt ihr eure Support-Bands aus?

Max: Also Hot Milk und Big Spring – ich kenne Alex und Olly von Big Spring schon seit einer Weile und als wir die Tour geplant haben, haben sie sich angeboten und ich dachte mir nur „Oh, die kenne ich, wäre schön wenn wir sie mitnehmen würden!“ und Hot Milk ist eine Band die von einem unsere Freunde gemanagt wird. Wir haben sie uns angehört und das ist ihre erste, richtige Tour und wir wollten Freunden aushelfen. Also um ihnen einen kleinen Startsprung zu geben und mal in Europa zu spielen.

Matt: Ja, sie waren noch nie in Europa.

Max: Sie sind auch alle so nette Leute, wir haben viel Spaß miteinander, ab und an mal ein paar Drinks und es ist eine echt coole Tour – weil es keine Idioten gibt.

Flash Forward war euer Support auf der letzten Tour – habt ihr noch Kontakt und würdet ihr es nochmal in Erwägung ziehen eine regionale Band mitzunehmen?

Matt: Ja, wir haben immer noch Kontakt zu ihnen! Ich schreibe viel mit Gaerrit, er kommt später auch vorbei.

Max: Ach, er kommt zur Show?

Matt: Ja, ein paar von ihnen kommen später vorbei! Ich liebe die Jungs! Wir haben versucht sie wieder auf dieser Tour mitzunehmen, aber nicht alle hatten Zeit. Aber sonst würden wir das machen, vor allem auch lokale Bands mitzunehmen. Sie sind eine super Band.

Max: Es geht ja auch darum zu zeigen, dass lokale Band spielen und sie sich beweisen können und ihnen die Chance zu geben vor Publikum zu spielen. Es ist immer schön eine internationale Band zu sehen aber dann eine deutsche Band zu sehen, ich meine sie wollen ja auch hier spielen und man sollte immer die Bands aus dem jeweiligen Land unterstützen. Das ist auch eine der Gründe warum wir Flash Forward das letzte Mal mitgenommen haben, weil wir auch deutsche Band den Leuten zeigen wollen.

Welcher Song macht live am meisten Spaß?

Matt: Ich mag es immer noch „Fast Forward“ zu spielen, er ist quasi ein Schlag ins Gesicht.

Max: Ich bin zwischen „Room to breathe“ und „Bite My Tongue“ hin- und hergerissen. Gerade weil sie die etwas energischen Songs sind, so wie „Fast Forward“ aber sie sind schon was älter und sie sind auch die Favoriten der Fans, meiner Meinung nach.

Ihr habt auch Ende letzen Jahres eure Take Off Your Colours Anniversary Tour gespielt – würdet ihr bei der nächsten Anniversary Tour auch außerhalb der UK spielen?

Max: Es kommt immer auf die Leute an und ob genug Nachfrage besteht, dann würden wir es uns überlegen. Wir haben mit dem Album Take Off Your Colours auch in Europa getourt, aber das Album war quasi ein UK-Ding, denn mit diesem Album sind wir ins Radio gekommen mit Songs wie „Kiss and Tell“ und „Finders Keepers“. Das hat uns die Türen geöffnet und wir konnten unsere Musik in einem größerem Rahmen formen. Es ging für uns darum ein Hommage für diese Zeit zu kreiieren. Dabei dachten wir nicht daran, dass es notwendig ist diese Tour auszuweiten, aber für uns wollten wir es nur in der UK machen.

Matt: Es war eine besondere Sache. Die Sache ist, erst sind es 2 Shows, dann sind es 4 und dann werden es 9 und da muss man auch irgendwann mal Stop sagen. Ich glaube sowas wird es nicht mehr geben

Max: Sag niemals nie, vielleicht machen wir es doch.

Matt: Ja, das stimmt.

Was verliert ihr am meisten auf der Tour und was ist eine Sache ohne die ihr auf der Tour nicht leben könnt?

Max: Öhm, ich verliere ständig meinen Wäschesack und ohne eine Wäschesack kann ich nicht leben! Ziemlich beschissen, oder?

Matt: Ich bin ein sehr organisierter Packer und eigentlich verliere ich nichts. Aber ohne Max könnte ich nicht leben. Duct Tape ist auch eine Sache ohne die nichts geht.

Beschreibt euer Traum-Catering.

Max: Traum-Catering wäre wohl ein Mix aus ganz vielen verschiedenen Sachen, aber nicht jeden Tag dasselbe. Ich mag Curry, Italienisch und auch ein bisschen gesundes mit dabei

Matt: Ja, ja genau

Max: Zum Beispiel ein gutes Frühstück, Rührei und Spargel, oder pochierte Eier, Avocado, Obst. Ich mag auch Schokolade, also hätte ich auch nichts dagegen wenn das auch mit dabei wäre – aber auch nicht zu viel sonst esse ich alles auf.

Matt: Belgische Schokolade

Max: Hm ja!

Matt: Wir ernähren uns jetzt auch viel gesünder, damals haben wir so viel Mist gegessen. Es war alles Fast Food und mittlerweile sind wir da so viel besser. Italienisch würde ich gerne haben, das ist das Beste

Max: Ja, Italiensch könnte ich auch jeden Tag essen.

Was liebt ihr am touren und was hasst ihr daran?

Matt: Das Schlimmste ist morgens aufzuwachen und dann zu denken „Ich muss auf Klo!“ und du aber nicht viel mehr als Pinkeln kannst, weil du halt im Tourbus bist und der Laden in dem du spielst noch nicht offen ist.

Max: Das Problem habe ich auch echt jeden Tag. Auch solche Sachen wie duschen, ich liebe es mal ordentlich zu duschen, vor allem morgens um in den Tag zu starten. Mit schön heißem Wasser, wenn es nur so ein Rinnsal ist dann habe ich danach direkt schlechte Laune.

Matt: Duschen ist echt wichtig! Und aufs Klo gehen!

Max: Das sind so die wichtigsten Sachen, weil es auch irgendwie deine privaten Minuten sind und wenn du auf Tour bist, gibt es das einfach nicht. Noch nicht mal im Bus. Wenn du auf Klo oder in der Dusche bist, weißt du das du alleine bist. Das Beste an einer Tour ist, da ich ein sehr sozialer Mensch bin, ist von ganz vielen Leuten umgeben zu sein.

Matt: Stimme dir zu!

Welche Städte würdet ihr gerne mehr erkunden wenn ihr am touren seid?

Matt: Ich gehe überall auf Erkundungstour. Heute war ich allerdings nicht draußen, ich bin etwas verkatert und wir waren schon so oft in Köln, da habe ich schon viel gesehen. Es ist echt super hier aber es ist heute auch so blödes Wetter. Aber sonst gehe ich echt gerne raus und schaue mir die Städte an. Gestern in Antwerpen war ich für 4 Stunden unterwegs, habe etwas Geld ausgegeben und man muss auch raus und sich die Städte angucken, weil so gesehen reist zu umsonst durch Europa und man hat 4 Stunden am Tag Zeit sich da mal umzusehen bevor der Soundcheck ansteht.

Max: Wir haben dieses Mal sowieso sehr viel Glück, wir haben ein Tage frei und morgen kommen wir in Amsterdam an und haben dadurch etwas mehr Zeit in Museen zu gehen. Wir haben einen freien Tag in Berlin und da kann man immer echt gut essen gehen und ein paar Bierchen trinken. Wir haben auch einen freien Tag in Budapest, darauf bin ich gespannt und wir gehen auch einmal Ski fahren, das haben wir noch nie gemacht.

Matt: Max und ich werden einfach Glühwein trinken und da sitzen

Ihr spielt auch zum ersten Mal in Warschau! Ist das eure erste Headline Show in Polen?

Max: Wir haben dort schon mal ein paar Festivals gespielt und es ist sehr cool jetzt mal eine Headline-Show zu spielen.

Matt: Ich glaube wir haben da schon mal gespielt

Max: Ja, das waren Festivals aber keine Headline-Shows. Wir spielen auch zum ersten Mal in Budapest eine Headliner-Show, genauso wie in Bratislava – wir waren noch nie in Slovakien. Das wird echt interessant mal all diese verschiedenen Orte zu sehen.

Bester Tour-Stop bei dieser Tour?

Max: Ich würde sagen heute in Köln und Hamburg werden eine der besten Shows von dieser Tour und jedes Mal wenn wir in diesen Städten spielen wird es immer besser, also vom Publikum her. Wir bemerken, dass die Leute mit jedem Mal immer mehr abgehen. Und auch immer einen freien Tag in Amsterdam, das liebe ich – die Stadt ist so schön!

Was waren die Gründe für den Stilwechsel auf eurem neuen Album VI und wart ihr nervös vor der Veröffentlichung?

Matt: Eine der Gründe ist, das wir die Musik in erster Linie für uns machen. Wir wollten nicht alles komplett anders machen, aber ein bisschen. Jetzt mit Spotify hat man Zugriff auf so viel Musik und Genres, es geht alles darum einen guten Mix zu haben. Es war etwas angsteinflößend aber man muss auch mit der Zeit etwas verändern.

Max: Man muss sich auch selber etwas herausfordern mit dem was man macht und wir wollen das auch mit der Musik widerspiegeln. Man hört raus, welche Musik wir zu der Zeit gehört haben weil es so unterschiedlich ist. Es ist ein Crossover von all der Musik die wir alle hören und das ist der Grund warum es sich so anders anhört und das ist es auch in gewisser Weise. Aber es sind immer noch wir 5 die die Musik machen und wir sind wir und Josh als Kleber zwischen all dem mit seiner einzigartigen Stimme, sodass man immer erkennt, dass es Josh ist der singt. Gerade weil Josh diese Stimme hat können wir ein bisschen rumexperimentieren und Sachen ausprobieren und außerdem bleibt es dadurch für uns spannend. Natürlich können wir immer wieder dieselben Songs schreiben aber das wäre nach gewisser Zeit monoton und langweilig.

Was ist das aufregendste was seit der Veröffentlichung von VI passiert ist?

Max: Oh, wir haben einen veganen Kebab-Shop in London eröffnet. Wir haben sowas noch nie zuvor gemacht und wir haben dort gespielt und mit den Leuten rumgehangen und die Tatsache genossen, dass das Album endlich draußen ist.

Matt: Außerdem ist es cool Kebabs zu essen die nach unseren Songs benannt sind. Nach dem Motto, „Ich nehme einmal den „3 am“ bitte!“

Gibt es Songs die ihr recycelt?

Matt: Ich glaube das haben wir nicht gemacht.

Max: Naja, doch haben wir. „Predictable“ auf dem neuen Album, der Riff in der Chorus war etwas was möglicherweise in Night People reingekommen wäre und der Song war nicht so gut also haben wir es gelassen. Als wir für „Predictable“ die Strophe gejammt haben und wir im Studio zusammen geschrieben haben, da waren wir 1-1,5 Stunden am jammen und dann kam der Riff wieder auf und da habe ich es bemerkt. In dem Song hat es jetzt einen besseren Platz, mehr lässig und es passt besser.

Matt: Wir müssten mal die alten Demos durchschauen und gucken ob da was mit dabei ist.



Autorin und Foto: Carolin Czarnecki