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Irgendwas zwischen damals und heute: Plain White T’s „Parallel Universe“

Irgendwas zwischen damals und heute: Plain White T’s „Parallel Universe“

Der letzte kommerzielle Erfolg der Plain White T‘s liegt in Deutschland schon sage und schreibe 10 Jahre zurück.

Rückblick: (2007) Es war die Zeit der großen Pop-Balladen, die auch die Band um Sänger Tom Higgenson für sich nutze und den Song „Hey There Delilah“ neu veröffentlichte, der ursprünglich bereits aus 2005 stammte. Es sollte die Karriere der Amerikaner erneut ankurbeln und verhalf Ihnen zu internationalem Erfolg und Bekanntheit. Der Hit landete in mehreren Ländern auf Platz 1 der Singlecharts und war ebenso populär wie die Nachfolgetitel 1,2,3,4 und Rhythm Of Love, auch wenn diese nicht an die Spitze der Charts klettern konnten.

Heute: Um die Band ist es deutlich ruhiger geworden, und auch die ganz großen Erfolge bleiben aus. Nach Rhythm Of Love schaffte es keine Singleauskopplung mehr, einen kommerziellen Erfolg zu erzielen. Die höchste Platzierung schaffte es lediglich auf Platz 20 der US-Adult-Charts, liegt dabei allerdings auch schon gute fünf Jahre zurück.

Es war somit Segen und Fluch zugleich, als Pop-Punk-Band, die größten Erfolge mit massentauglichen Singer/Songwriter-Balladen zu feiern.


Nun ist dennoch das bereits achte Studioalbum der Plain White T‘s entstanden und veröffentlicht. Die Band hält an Ihren Wurzeln fest und konzentriert sich eher aufs musizieren, als auf den Erfolg. (Immerhin schaffte das letzte Album nicht einmal den Einstieg in die Charts und der Vorgänger erreichte Platz 149)

Doch was kann „Parallel Universe“? Was steckt drin im neusten Werk, der einstigen Überraschung?

Die Plain White T‘s probieren sich aus. Der Sound hebt sich deutlich von vorangegangenen Alben ab, schlägt dabei jedoch eine Richtung ein, bei der man sich als Hörer die Frage stellt, was genau die Band vermitteln und erreichen möchte. Dröge und belanglos runterproduziert wirken die Titel, die wie an der Perlenkette aufgereiht sind und keinerlei Mehrwert bieten.

Parallel Universe ist irgendwas zwischen Neuanfang und der Bemühung sich im modernen Markt einzugliedern, hat allerdings den Zeitgeist und Esprit der aktuellen Szene verpasst, nicht plump und niveaulos zu wirken. Die Plain White T‘s rutschen dabei nicht bloß mit ihren flachen, völlig übertrieben arrangierten Melodien in eine Schublade mit der Aufschrift „Bitte nicht öffnen“, sondern vermitteln auch textlich, dass sie sich irgendwo auf dem Weg verloren haben und lieber auf Bad Boy machen, als Delilah aus New York abzuholen und erfolgreiche Liebeslieder zu schreiben.

Wir brauchen keine weitere Band, die mit niveaulosen, teils sexistischen Texten auf sich aufmerksam macht. Wer in der heutigen Zeit erfolgreiche Popmusik machen möchte, sollte sein Augenmerk nicht darauf legen, was vor 10 Jahren angesagt war, sondern sich an aktuellem Zeitgeschehen orientieren.

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Doch Hunde die bellen beißen nicht, und so bleibt zu hoffen, dass sich auch diese Band wieder fängt und innerhalb von 1,2,3,4 Sekunden neu erfindet. Für den Moment verbannen wir das Album gedanklich genau an den Ort, den es suggeriert. Ein „Parallel Universe“.



Autor: Dominik Huttner Foto: Plain White T’s Facebook

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