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Jordan Rakei & „Origin“: Beängstigend, aber tanzbar

Jordan Rakei & „Origin“: Beängstigend, aber tanzbar

Er gehört zu den Wunderkindern, die gerade vornehmlich von Englands Hauptstadt aus ein Genre für sich beanspruchen und zu einer der spannendsten Entwicklungen in der gegenwärtigen Musik machen. Ob man es nun Alternative R&B, Neo-Jazz, Modern Soul oder noch einmal ganz anders betitelt, ist jedem selbst überlassen. Unbestreitbar jedoch, wie Jordan Rakei mit seinem dritten Album „Origin“ ein weiteres Paradebespiel dafür abgibt.

Ein Artikel von Anna Fliege – Die Zukunft für die musikalische Sphäre, in der sich Rakei bewegt, sieht rosig aus. Die Szenarien, die er auf „Origin“ zeichnet – inspiriert von Lynchs zeitlosem Serienmeisterwerk „Twin Peaks“ und erschreckend aktuellen Zukunftsgeschichten wie „The Handmaid’s Tale“ und dem umjubelten und Netflix-Dauerbrenner „Black Mirror“ – allerdings weniger. Wirre Politik, eine rasende Technologieentwicklung und die ungewisse Zukunft in Zeiten der Pre-Klimakatastrophe.

Beängstigend, aber tanzbar. Eigentlich eine ziemlich gute Beschreibung auf Mikro- wie Makroebene. Der gebürtige Neuseeländer und Wahl-Brite verbindet in „Origin“ topaktuelle Probleme mit einer modernen Interpretation traditioneller Musikideen. Song für Song trägt es unverkennbar Rakeis Handschrift. Ein Mix, der uns glücklicherweise die Wahl lässt: vom musikalischen Aspekt berieseln lassen oder dank Textebene nachts wach liegen und das Leben überdenken?



Schon als im letzten Jahr mit „Wildfire“ das erste musikalische Lebenszeichen nach seinem Kritikerliebling „Wallflower“ erschien, weckte Jordan meine Aufmerksamkeit nach wenigen Takten. Es folgte sein Feature auf Loyle Carners Comeback-Single „Ottolenghi“ und nach und nach weitere Songs für „Origin„. Jetzt, über ein Jahr nach Veröffentlichung von „Wildfire„, liegt mit dem 11 Track-starken Album ein weiterer Beleg vor uns, warum Rakei und sein Schaffen so relevant sind, der Hype um den 27-Jährigen so berechtigt ist.

Die Finesse im Detail macht den Unterschied, die Ecken und Kanten in jedem Song. Nicht zu Einheitsbrei verwurstet, sondern liebevoll ineinander verwoben, lassen sich die einzelnen Elemente beim genauen Hinhören nach und nach ausfindig machen. Wie es das Cover schon andeutet, lässt sich der Longplayer am allerbesten konsumieren, in dem man geradewegs in ihn hineintaucht.

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Origin“ ist ein durchdachtes Überdenken der heutigen Zukunft, getragen von Jordan Rakeis beruhigenden Stimme, die alles ein bisschen weniger dramatisch macht – zumindest für den Moment. Vom Upbeat-Intro „Mad World“ bis zum Jazz-Epos „Mantra„.



JORDAN RAKEI live

28.09.19: Hamburg, Mojo Club
30.09.19: Berlin, Columbia Theater
01.10.19: Köln, Club Bahnhof Ehrenfeld


Autorin: Anna Fliege / Photocredit: Ellis Scott

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