Heiß, heißer, Juicy Beats. Wie jedes Jahr ist es am letzten Juli-Wochenende besonders warm, doch dieses Jahr übertrifft alles. Die Temperaturen kratzen gefährlich an der 40 Grad-Marke – doch schadet das der Stimmung? Mitnichten! Das außergewöhnliche Festival im Dortmunder Westfalenpark brilliert in alter Tradition mit den neusten und/oder beliebtesten Musikacts. Nur die Buchung weiblicher Acts lässt (mal wieder) zu wünschen übrig.


Ein Artikel von Anna Fliege – Eine der Wenigen war Larissa Rieß, die am Freitag als Lari Luke die 2nd Mainstage eröffnete. Riess, die durch ihren Moderatorinnen-Job bei 1Live und die Gastauftritte im NeoMagazin bundesweit bekannt wurde, ist mittlerweile auch eine angesehene DJane mit riesiger, treuer Fanbase. Die ist natürlich auch an diesem Tag am Start und reißt schon am frühen Nachmittag zu Beginn des Festivals (zum Glück nur metaphorisch) die mit der Himbeere gekennzeichnete Stage ab.

Weitere Highlights sind die Auftritte der Antilopen Gang, die man dieserzeit eher selten gemeinsam live erleben kann. Doch nicht nur deshalb ist es auch hier brechend voll. Mit Charme, Köpfchen und Witz rappen sich Koljah, Panik Panzer und Danger Dan immer wieder in unsere Herzen zurück. Das Herz am richtigen Fleck trägt auch Yassin, der mit „YPSILON“ in diesem Frühjahr eins der wohl besten Deutschrap-Alben des Jahres veröffentlicht hat.

Dann fällt die Entscheidung zwischen zwei deutschen Acts, die sich in den letzten Jahren einen Namen gemacht haben. Und die ist ganz schön schwer. Auf der großen Mainstage tritt ein zweites Jahr in Folge Chemnitzer Urgestein Trettmann auf. Der kündigte gerade erst sein zweites Album für September an und schenkt den zahlreichen Zuschauern erste Einblicke in das neue Material. Lauter mitrappt wird bei Hits wie „Standard“ und „#DIY„-Tracks wie „Grauer Beton“ und „Knöcheltief„.

Fast schon ein Heimspiel ist es hingegen auf der anderen Mainstage für Giant Rooks. Auch sie sind nicht zum ersten Mal hier, aber garantiert ist, dass es Jahr um Jahr voller vor der Bühne der Hammer Jungs wird. Mit ihren EPs „Bright Lies“ und „Wild Stare“ hat die Indie-Band in letzter Zeit mitsingbare Hits geschrieben. Die zahlreich erschienenen Fans singen so laut sie können mit. Ein Festivalgefühl, an das man sich auch noch in den kalten Monaten erinnern möchte.

Einig wird man sich dann schließlich beim Freitags-Headliner AnnenMayKantereit. Aus der Band, dessen Name die meisten vor ein paar Jahren nicht aussprechen konnten, sind ware Superstars geworden. Die Selbstsicherheit spürt man bis zur letzten Reihe, dabei bleiben die breit grinsenden Kölner aber so sympathisch wie eh und je. Umgeben von seinen liebsten Menschen tanzt man sich langsam von hell zu dunkel, der rosarote Sonnenuntergang untermalt die sich bietende Szene wunderschön. „Freitagabend“ am Freitagabend. Und natürlich sitzt Henning auch zwischendurch „Barfuß am Klavier„.



Mehr oder minder ausgeschlafen startet der Samstag mit etwas Gemütlichem: Eine Live-Aufzeichnung von „Machiavelli -der Podcast über Rap & Politik„, in der sich die Journalisten Jan Kawelke und Vassili Golod mit dem Berliner DJ-Kollektiv Hoe_mies und unserem Lieblingsrapper Juicy Gay über die Liebe unterhalten.

Dann verlagert sich der Schwerpunkt auf Rap. Ob Finch Asozial, die Jungs von VSK mit ihrer prominenten Besetzung und dem Album „Wo die wilden Kerle flowen„, Shootingstar Ufo361, Deutschrap-Legende Dendemann oder dem Rekordkünstler Bausa – Hiphop-Fans kommen hier mal wieder auf ihre Kosten.

OK KID sind mit ihrem dritten Album endlich wieder am Start, die wilden Chaoten von Leoniden feiern hingegen ihre Juicy Beats-Premiere. Wer das Spektakel, dass die Kieler da Show für Show auf die Bühne bringen, verpasst, ist selber Schuld!

Das Highlight ist für viele heute natürlich Headliner SDP, die wie schon AnnenMayKantereit immer wieder gern gesehene Gäste im Westfalenpark sind. Eine Überraschung hat die Band auch im Ärmel – nicht nur gibt es zum Schluss Feuerwerk, sondern auch einen Gastauftritt vom letztjährigen Headliner, den 257ers. Wir tanzen aus der Reihe!

Nebenan reißen die Drunken Masters in alter Tradition diesmal beinahe nicht nur wortwörtlich die zweitgrößte Bühne ab. Der Bass wummert noch auf dem Rückweg in Ohren und Herzen.

Und ja, bei einem zweiten Durchlesen fällt auf: Eine rein männliche Auswahl. Ausnahme bietet da am Abend die WDR Cosmo Floor, auf der ausschließlich weibliche DJs auflegen: Hoe_mies, Cashmiri, Blu Samu, DJ A-Lo. Auf der WDR Cosmo Stage kann man am heutigen Tage Ruhrpott-Kind Amilli erleben.

Liebes Juicy Beats, schaut doch mal, ob ihr im nächsten Jahr wieder häufiger Frauen auf die großen Bühnen bringen könnt – an der Auswahl der begabten Künstlerinnen im deutschen Raum soll es nun wirklich nicht scheitern.



Autorin & Photocredit: Anna Fliege