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Julien Baker & „Little Oblivions“: Befreiende Revolution

Julien Baker & „Little Oblivions“: Befreiende Revolution

Mit „Little Oblivions“ lässt Julien Baker ihre Comfort Zone hinter sich und öffnet ein aufregendes Kapitel.

Schon die ersten Klänge des Openers versprechen ein neues Erlebnis. Keine Wiederholung älterer Stücke, stattdessen eine immense Weiterentwicklung, irgendwo zwischen natürlicher Evolution und befreiender Revolution. „Start asking for forgiveness in advance / For all the future things I will destroy / That way I can ruin everything / When I do, you don’t get to act surprised“.

Little Oblivions“ ist Julien Bakers drittes Soloalbum. Das erste seit dem 2017er „Turn Out The Lights„. Das erste seit dem gefeierten boygenius-Album im Jahr darauf, das Baker gemeinsam mit Phoebe Bridgers und Lucy Dacus zu einem wahrhaftigen Kult-Following brachte.

Die Texte zerreißen noch immer unsichere Herzen, am seidenen Faden hängende Hoffnungen und papierdünne Wände, die uns vor unseren eigenen Gefühlen abhalten wollen. Eine Kunst, für die Julien Baker mit ihrem messerscharfen Songwriting bekannt und geliebt ist. Neu hingegen ist die fast schon überwältigende Substanz der 12 Tracks, die durch Involvierung von Bandelementen entstanden ist. Sie stärken Bakers Rücken, lassen sie musikalisch wachsen. Ihre Stimme klingt trotz der natürlichen Wärme und Sensibilität stark wie nie, Unsicherheit wird zum Fremdwort.

Und so gibt man sich „Little Oblivions“ hin, wird mit einer Sicherheit, wie sie nur im boygenius-Kosmos auffindbar ist, begrüßt und ist cool damit, nach drei euphorisierten Track zu „Relative Fictions“ weinen zu wollen und es bei „Crying Wolf“ dann endgültig zu tun. Nicht dieses ugly-es reißt mir alles aus der Brust-crying, sondern ein erlösendes Gefühl.

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Ja. „Little Oblivions“ ist ein erlösendes Album. Für mich und ziemlich sicher auf für Julien Baker selbst. Ein Album, das man in einer kleinen, kuscheligen Location live erleben möchte. Mit Weißwein in Plastikbechern. Einer guten Akustik, die der omnipräsenten E-Gitarre gerecht wird und Bakers Stimme in eine langwehrende Gänsehaut verwandelt. Wenn man sich dann mittendrin im Konzert, inmitten einer Menge aus Menschen selbst umarmen möchte, weil der Moment so besonders ist.

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