Now Reading
KAASH PAIGE & „Teenage Fever“ – die neue, vielversprechende Stimme im schummrigen Universum des Alternative R’n’B

KAASH PAIGE & „Teenage Fever“ – die neue, vielversprechende Stimme im schummrigen Universum des Alternative R’n’B

Sommer 2020. Während die Welt so vor sich hin dümpelt, wir alle Abstand voneinander halten, ganz Deutschland sich schleppend zwischen endlosen Hitzewellen und Gewittern bewegt, erscheint mit Kaash Paige zumindest am R’n’B Himmel ein Hoffnungsschimmer. Zu verdanken ist das der berühmt-berüchtigten Gen Z, die sie zu einem viralen Hit auf TikTok machte.

Ein Artikel von Maren Schüller – Aber beginnen wir ganz von vorn. D’Kyla Paige Woolen fing schon zu Beginn ihrer Highschool-Zeit mit dem Schreiben an und steckte ihre ganze Energie und Verletzlichkeit in Texte. Nachdem sie ihren ersten Song Love Songs auf SoundCloud hochgeladen hatte, bekam sie von dem Hype auf TikTok gar nichts mit – weil sie die App selbst gar nicht nutzte.

Als sie allerdings von Freunden darauf aufmerksam gemacht wurde, dass Leute aus aller Welt zu ihrer Musik tanzen, legte sich ein Schalter bei ihr um: Seitdem war sie nicht mehr zu stoppen. Innerhalb kürzester Zeit brachte sie als Kaash Paige mit einer handvoll Songs ihre erste EP „Parked Car Convos“ raus und unterschrieb bei dem legendären Label Def Jam Records – damit war der Weg zum Erfolg geebnet.

Nach Features mit Travis Scott und 6LACK ist die junge Künstlerin aus Dallas, Texas jetzt erst recht nicht mehr auf TikTok angewiesen und manifestiert mit ihrem Debütalbum „Teenage Fever“ ihr Standing in der us-amerikanischen R’n’B-Welt und könnte schon bald den internationalen Durchbruch schaffen.

Are you ready for commitment? Do you still be on games?
I’m goin‘ distant, so you can feel me my pain
And then that’s two, that’s us, that’s real to me
But now you got me jaded (Jaded, yeah)
I’m in this room, hella I’m faded (Faded, yeah)
Three dots, waitin‘ for your reaction
Three dots, waitin‘ for your reaction

Die erste Singleauskopplung „Jaded“ präsentiert sich in feinstem „Take Care“-Sound, dem ersten Klassiker-Album des erfolgreichsten Rappers überhaupt, Drake. Sie vereint die in der Szene übliche Überheblichkeit des amerikanischen Traums mit dem Gefühl von Abgestumpftheit. Drei Punkte werden zum ständigen Begleiter und größten Einfluss über die eigenen Emotionen.

Obwohl sie mit ihren 19 Jahren selbst in der Blase der sozialen Netzwerke aufgewachsen ist, besitzt Kaash Paige einen ausgeprägten Scharfsinn und den nötigen Abstand, um das Verhalten ihrer Generation zu beurteilen und zu formulieren. Sie sieht den Unterschied im Wert von den Dingen, denen alle hinterher rennen und den Beziehungen zu ihren Freunden, scheint dabei jedoch gegen eine Wand zu reden.

Even my family don’t understand me
Even my homies still gotta blame me

See Also


Soundmäßig steht dieses Debüt voll und ganz in der Tradition von Bryson Tiller und Summer Walker. Was zu Beginn mit „Grammy Week“ noch nach einem gewöhnlichen Album à la „fast money, cash money“-Attitüde klingt, entpuppt sich schnell zu einem viel weiterreichenden, sehr persönlichen Einblick in das Leben der Sängerin, sodass es sich oft anfühlt, als blättere man in ihrem Tagebuch.

Kaash Paige kombiniert melancholische Lo-fi Beats mit gefühlvollen, einzeiligen Texten, die wunderbares Potential für Captions oder Tweets haben. Die Songs plätschern verträumt vor sich her und geben einen tiefen, sehr authentischen Einblick in die Gefühlswelt der Gen Z. Es ist Musik für vewundete Seelen einer Generation, die zwischen Depressionen und Angst verwurzelt ist.

„Teenage Fever“ ist ein Album, das treffsicher die momentane Jugendkultur in den USA abbildet. Die Ästhetik lebt von der immer gleichen Basis der Songs, die einen atmosphärischen Kosmos schafft. Kaash Paige’s Ziel ist nicht weniger als die Übernahme des Universums und die Entwicklung eines eigenen Genres, das den Hörern und Hörerinnen Melancholie und Intimität schenkt.

Scroll To Top