Kann Karate ist nicht die Antwort auf „Sag mal Tomate“ samt Geschlechtsteil-Erwähnung, sondern die Antwort auf den momentanen Mangel an guten deutschsprachigen Punkbands abseits der (überaus wichtigen) politischen Sparte.


Ein Artikel von Anna Fliege – Findus lösten sich schon vor Jahren auf, Turbostaat klangen auf „Abalonia“ ungewöhnlich düster und Frau Potz trennten sich, um sich neu zu formen und nun dem Bandtypen des vorherigen Satzes entsprechen. Ansonsten lassen sich ähnliche Bands mit gleichwertiger Qualität an nur wenigen Händen abzählen. Die perfekte Zeit also für Kann Karate aus Berlin.

Die vier Jungs aus der Hauptstadt bringen zum Abschluss des Jahres 2018 ihre neue EP „Donner Doria“ raus. Der Titel, eine so wohlklingende Alliteration (von wegen, solche Begriffe bräuchte man nach Schule und Studium nie wieder), ein liebliches Fluchen und eine Wortwahl, die wir von Generationen vor uns kennen und selbst einmal wieder in unseren Wortschatz aufnehmen könnten – oldschool ist das neue cool, nicht?

„Du und deine Ideale sind mir egal“

Gezeichnet von Sehnsucht werden die fünf Songs der EP vom vorantreibenden Schlagzeug und den für’s Genre so typischen Gitarrenriffs begleitet, der wohlig brummende Bass allgegenwärtig. Gepaart mit lyrisch ehrlichen Texten, deren Zeilen man unter Fotos auf Instagram genauso gut schreiben könnte wie an die Häuserwände der Nachbarschaft, ist „Donner Doria“ ein feines Exempel dafür, wie deutsche Musik richtig gut klingen kann. „Peinlich“ bringt eine ordentliche Dosis Wut mit sich, ohne dabei übergriffig zu werden (und ist gar nicht peinlich). „Hier & jetzt“ hat den Refrain, den wir schon bald aus vollem Herzen mitgröhlen wollen und schiebt dem Pathos zumindest einen Moment lang einen Riegel vor.

Als ich eben so nostalgisch über Bands sprach, wusste ich bereits, dass ein paar von eben denen irgendwie mit in dieser EP drinhängen. Produzent ist nämlich niemand geringeres als Kristian Kühl, Gitarrist der schmerzlich vermissten Band Findus. Und für den Feinschliff zeichnet sich Hauke Albrecht verantwortlich, der neben Findus auch schon mit Turbostaat zusammenarbeitete. Und gerade Song Nummer 3, „Schilfrohr„, ist so ein Song zum melancholisch werden, aber auch zum Tanzen – eine perfekte Mischung.

„Wer immer hin zur Sonne läuft, dreht sich am Ende nur im Kreis“

Stadt“ liefert diese hoffnungsvolle Hoffnungslosigkeit, musikalisch wie textlich und fängt so das seltsame Großstadtgefühl ein, dass einen so häufig überkommt, wenn man sich in mitten der Menschenmassen und Häusergiganten plötzlich ganz klein fühlt. Abgerundet wird „Donner Doria“ schlussendlich von dem Track „Sonne„, auf welchem man die anfängliche Wut gar nicht mehr spürt. Und müsste ich einen Track nennen, der das Cover der EP und dessen Feeling am besten widerspiegelt, wäre es wohl dieser hier.

Nach „Ecke Revaler“ (allein für den Titel dieser EP habe ich allerhand Liebe übrig) im letzten Jahr und nun ganz frisch „Donner Doria“ sollte es für Kann Karate 2019 ganz oben auf dem Plan stehen, ihr erstes großes Album zu veröffentlichen und die restlichen Punkrockherzen der Republik im Sturm zu erobern.



KANN KARATE live

07.11.18: Berlin – Privatclub (Record Release Party)
10.11.18: Erfurt – Kulturzentrum Engelsburg


Autorin: Anna Fliege / Photocredit: Kann Karate