Kettcar ist in Deutschland nicht nur ein Bandname, sondern eine klare Ansage. Kettcar das sind Marcus Wiebusch, Reimer Bustorff, Erik Langer, Lars Wiebusch und Christian Hake. 2001 in Hamburg gegründet, macht die Band seit Bestehen deutschsprachige Musik zwischen Gitarrenpop, Indie-Rock und Punk, politisch und mit klaren Inhalten. Auch heute, fast 18 Jahre später, hat sich daran nichts geändert. 


Ein Artikel von Lisa Schulz – Kettcar gehen seit Bandbestehen mit offenen Augen durch die Welt, beobachten das Geschehen und reagieren mit sozial- und politkritischen Texten. Der 2007 erschienene Titel ″Alles vorstellen (Kein Guillotine weit und breit)″ wurde als Reaktion auf den damaligen G8-Gipfel veröffentlicht, zehn Jahre später folgt mit ″Sommer ’89 (Er schnitt Löcher in den Zaun)″ ein Song als Statement zur aktuellen Flüchtlingskrise.

2013 wurde es erstmals ruhig um Kettcar, die Band entschied sich einstimmig zur kreativen Pause, um dann 2017 mit neuer Energie zurückzukommen. ″Ich vs. wir″ wurde als fünftes Album herausgebracht und wieder als klare Botschaft, gegen die momentane Definition der Gesellschaft – frei von Menschlichkeit und Mitgefühl -genutzt. Die passende Tour quer durch Deutschland, Österreich und die Schweiz sorgte bei Fans und Presse für Begeisterung und wurde ein absoluter Erfolg. 

Klar, dass Kettcar hier nicht aufhören, sondern erst recht weitermachen. Ab dem 15.03 gibt es die EP ″Der süße Duft der Widersprüchlichkeit (Ich vs. wir)″ mit fünf neuen Songs digital, ab dem 17.05 in physischer Form auf farbigem 10″-Vinyl. Der Opener ″Palo Alto″ und ″Scheine in den Graben″ wurden bereits in den letzten Wochen vorab veröffentlicht und knallen ordentlich.

Digitalisierung, Menschlichkeit – oder eher die Abwesenheit ebendieser – wo Moral anfängt und wo sie aufhört, Kapitalismus und mehr, sind hier die stark behandelten Themen.

 

„Palo Alto“ bringt direkt das typische Kettcar Gefühl mit sich. Während die Musik Leichtigkeit vermittelt, singt Marcus Wiebusch von den Schattenseiten der Digitalisierung und führt gesellschaftskritisch die Kehrseite der glänzenden Medaille an. 



″Tue Gutes und rede darüber″ heißt es ebenfalls kritisch unterlegt in dem Song ″Scheine in den Graben″, in dem Kettcar gesangliche Unterstützung von David Frings von FJØRT, Schorsch Kamerun, Jen Bender, Bela B, Jörkk Mechenbier, Sookee, Felix Brummer, Marie Curry, Gisbert zu Knyphausen und Safi erhalten. Der Song ist laut, geziert von schrebbeligen Gitarren und durch und durch rockig ohne das Melodische einzubüßen und bleibt dadurch direkt im Kopf hängen. 

Mit ″Notiz an mich selbst″, ″Natürlich für alle″ und ″Welt draußen″ erzählen Kettcar weitere Geschichten vom Mensch sein, klingen hier typisch, wie man Kettcar seit Jahren im Kopf hat und probieren sich dennoch an anderer Stelle neu aus. Während „Welt draußen“ eher reduziert und bedachtsam klingt, ist ″Notiz an mich selbst″ geradezu herausfordernd. Auch nach Jahren können Kettcar noch überraschen, ohne sich dabei selber aus den Augen zu verlieren, zum Denken anregen, ohne dabei dramatisch zu wirken. 


″Der süße Duft der Widersprüchlichkeit (Ich vs. wir)″ schafft es trotz EP-Status ganz für sich alleine zu stehen, und überzeugt mit Herz und Verstand. Starker Sound, hier und da tanzbar (″Natürlich für alle″) aber immer mit dem Finger auf Themen die wehtun aber angesprochen werden müssen. 


Für Ihre Fans hat sich die Band etwas Besonders ausgedacht: am Mittwoch, den 13.03.19 ab 17:30 Uhr  können Fans über den YouTube Kanal des Labels Grand Hotel van Cleef erstmals alle fünf Songs der EP hören. Der EP-Stream kann nur live verfolgt werden und ist anschließend nicht mehr verfügbar. Wer nicht mehr abwarten kann, bitte einmal hier entlang.



Kettcar – Live 2019

13.03. Oberhausen, Turbinenhalle
14.03. Frankfurt, Batschkapp
15.03. CH – Zürich, M4Music
16.03. Cottbus, Glad-House
17.03. Berlin, Columbiahalle


Autorin: Lisa Schulz / Photocredit: Andreas Hornoff