Schon der Donnerstag wurde in Chemnitz zu einer großen, friedlichen Party mit der ersten Ausgabe des Kosmos Chemnitz. Zu Tocotronic tanzen, laut bei Fatoni und Zugezogen Maskulin am Karl-Marx-Kopf mitrappen und endlich einen kleinen Kindheitstraum mit dem abschließenden Herbert Grönemeyer-Konzert erfüllen. Nun aber heißt es: Zwei Tage Kosmonaut Festival!


Ein Artikel von Anna Fliege – Doch im Verlaufe des ersten Kosmonaut-Tages ahne ich noch nicht, dass der „Mensch“-Ohrwurm bald von etwas viel hartnäckigerem abgelöst werden würde. Und das man die Jumpstyle-Tanzskills wieder auspacken müsste. Schon gar nicht hier. Mein Fazit des unvergesslichen Kosmonaut-Freitags, von dem ich meinen Urenkeln noch erzählen werde. WICKED!


Die Stimmung

Man könnte vermuten, dass das Kosmonaut durch seine durchschnittlich jüngeren Gäste (vermutlich liegt der Schnitt bei 22 Jahren und wir somit schon drüber) chaotisch, laut und dreckig wäre. Was man den Generationen halt so nachsagt. Denkste! Ich kenne kein ruhigeres, kein sauberes und weniger herzliches Festivalpublikum als dieses hier. So gut wie keine Schnapsleichen, aufgeräumte Camps, keine ekeligen „1-10„-Bewertungs-Jurys auf dem Weg zum sauberen Dixiklo, ein liebevoller Umgang miteinander. Nehmt das, Rock am Ring-Mitvierziger!

Das Wetter

Heiter bis wolkig und vor allem extrem staubig. Durch das heiße Wetter der letzten Wochen ist das Gelände und nach wenigen Minuten auch wir in eine dünne Staubhülle gelegt, die man ab und zu mit einer verheißungsvollen Festivalbräune verwechselt. Zur Öffnung des Geländes verziehen sich die Wolken, man springt kollektiv in den glitzernden See und genießt das perfekte Wetter für diesen Freitag.

Die Konzerte

Nirgendwo findet man auf dem Festival eine so liebevoll ausgewählte Ansammlung von Künstlern des deutschsprachigen Raumes und besondere Perlen des internationalen Marktes. Wir starten den Tag mit der wunderbaren Alli Neumann, ich verliebe mich (noch einmal) Herz über Kopf in Granada, feiern alle zusammen Nura und Leoniden, bekomme Herzrasen bei Tua und tanze beseelt zu Bosse. Und dann, ja dann ist es endlich wieder so weit – besser als Weihnachten, Ostern und Geburtstag zusammen: der geheime Headliner. Doch dazu in der nächsten Kategorie mehr.

Highlight des Tages

Natürlich kann hier niemand geringeres stehen als der geheime Headliner. „Wer das nicht feiert, hat Popmusik nicht verstanden“ kündigt Kraftklub-Frontmann wenige Sekunden vor der Enthüllung des Geheimnisses auf der Bühne an. Und so stellt sich raus, dass der Act, der da auf die Bühne springt nicht nur ein langepfleger Traum der Veranstalter, sondern auch meiner war. Denn plötzlich stehen da H.P. Baxxter und Scooter auf der Bühne. Mit „One (Always Hardcore)“ beginnt eine einstündige Party, die man so kein zweites Mal erleben kann.

Das erste „WIIICKED!“ aus H.P. Baxxters Mund löst Glücksgefühle in mir aus, mit denen ich niemals gerechnet hätte. Es ist der helle Wahnsinn. Und, auch wenn sich die Kosmonaut-Gang immer wieder etwas einfallen lässt – so einen Headliner wird es kein zweites Mal geben. Dass ich am Stausee Rabenstein erleben darf, wie H.P. Jumpstyle tanzt, ist nicht nur ein Highlight des Tages, sondern des ganzen Jahres. Döp döp döp döp döp döp döp döp!



Ohrwurm des Tages

Theoretisch könnte hier das komplette Nura-Konzert aufgeführt werden, doch ein Song bleibt besonders hängen: „Chaya„. Das Trettmann-Feature läuft nicht nur gleich zwei Mal während Nuras Auftritt, sondern begegnet uns Stunden später noch einmal beim DJ Glücksrad noch einmal. Dort treten zwei DJ-Teams gegeneinander an (in dem einen niemand geringes als Steffen von Kraftklub), es wird am Glücksrad gedreht und eine Kategorie gelost. Was ein Spaß! „Ich bin deine Chaya, alle Typen geiern…„-summend fallen wir ins Zelt, als es schon wieder hell wird.

Überraschung des Tages

Mein Herz hüpft bei dem Gedanken an das Granada-Konzert. Die Grazer Indieband schaffte es schon vor einigen Jahren, mich mit ihrem Akzent und den Melodien um den Finger zu wickelt. Nun endlich konnte ich das Fünferpack live sehen und was soll ich sagen? Ich habe mich direkt noch einmal verliebt. Der perfekte Soundtrack für einen Nachmittag am See, bei dem man Sorgen einfach mal Sorgen sein lässt.

Abseits der Konzerte brachte die Spotify Podcast Bühne ein breites Grinsen in mein Gesicht. Den Tag mit einem der Lieblingspodcasts aka. Machiavelli – Rap & Politik mit Vassili Golod und Jan Kawelke nicht nur hören, sondern auch live sehen? Daran könnte man sich gewöhnen. Neben einem interessanten Gespräch mit Serious Klein zum Thema „Glauben“, glaubte ich meinen Augen kaum, als der so schick in seinem Anzug aussehende Vassili sein Jacket auszog und ansonsten in voller Montur in den See sprang.


Autorin & Fotocredit: Anna Fliege