Hip Hop direkt für’s Herz, ohne pathetisch zu klingen? Kummer kann’s. Bei seinem ersten Kölner Klubkonzert im samtroten Gloria zeigt Felix Kummer, dass er auch ohne seinen Kraftklub im Rücken ein begnadeter Live-Entertainer ist.


Ein Artikel von Anna Fliege – 400 Menschen. So viel passen in das Gloria inmitten der Kölner Innenstadt. Nach wenigen Minuten schon waren die Tickets für das KUMMER-Konzert ausverkauft. Da hatte er gerade mal zwei Solostücke veröffentlicht. Ausruhen mag sich der Kraftklub-Frontmann nach Jahren von ausverkauften Mehrzweckhallen-Touren und unabdingbare Pole Positions in den deutschen Albencharts aber nicht.

Schon in der Promophase gibt sich der 30-Jährige Chemnitzer bodenständig und sympathisch wie eh und je. Und heute Abend wirkt er fast ein bisschen schüchtern, überspielt es mit seinem allseits-geliebten Humor. „KIOX„, sein Solo-Rapalbum, versetzt ihn wieder in die Anfangsphase zurück. Natürlich landet es wieder auf #1, „easy, easy“.



Wenige Wochen nach dem Release sitzt im Publikum jedes Wort. Und oft mag man es nach Konzerten so behaupten, aber das hier ist Fakt. Nie war ein Publikum so laut, enthusiastisch und wortgewandt wie heute. Die Lieblingslines werden sich gegenseitig entgegengeschrien, der wippende Hip Hop-Arm ist im Dauereinsatz. Gänsehaut? Gänsehaut!

Das fängt schon mit dem letzten Song der Pausenmusik an. Plötzlich dreht jemand die Musik laut, das Publikum singt lauter dagegen. „KISS ME HARD BEFORE YOU GO, SUMMERTIME SADNESS„. Der Lana Del Rey-Klassiker stimmt uns auf den unvergesslichen Abend ein.

Neben des kompletten „KIOX„-Inhaltes gibt es für die Liebhaber-Fans – und das sind wir an diesem Abend ja irgendwie alle, sonst hätten wir keine Karten – gibt es eine handvoll Kraftklub-Klassiker. Da die Band (und laut Felix auch die Wärme seiner Bandkollegen) fehlt, rappt der blonde Hüne „Schüsse in die Luft“ über den Beat von Grime-Star Stormzys „Shut Up„. Für mich als Fan beider Künstler die absolute Superlative! „500 K“ darf nicht fehlen, ebenso wenig der Underdog-Sommerhit „36 Grad„, im Original mit Nura und Zugezogen Maskulin.



Mit KeKe, die ihn auf der gesamten Tour als Support begleitet, performt er „Aber nein“. Die Enttäuschung darüber, dass gerade in Köln nicht LGoony dabei ist (mag man Felix glauben, leidet der Arme an einer Magenverstimmung), verfliegt in der Eskalation schnell. Es gibt von der Bühne aus Kritik am Black Friday und Lob für die Kölner Fridays For Future-Demo, das Publikum zeigt sich hin und wieder mit „Nazis Raus„-Rufen von seiner besten Seite.

Zu „Der Rest meines Lebens“ liegen sich die Menschen in den Armen, schunkeln, gröhlen den Max Raabe-Refrain mit, als wäre es das allernormalste auf einem Rap-Konzert. Am Ende steht Felix vor seinen Fans, die ihn mit einem nicht abebben wollenden Applaus belohnen, bejubeln. Er formt die Hände zu einem Herzen und streckt sie in die Höhe. Hip Hop für’s Herz.



01.12.2019 Ludwigsburg, Scala
03.12.2019 Wien (AT), WUK
04.12.2019 Dresden, Tante Ju
07.12.2019 Hamburg, Gruenspan
08.12.2019 Leipzig, Conne Island
11.12.2019 Berlin, Kesselhaus

13.03.2020 Wiesbaden, Schlachthof
14.03.2020 Würzburg, Posthalle
16.03.2020 Wien (AT), Arena
17.03.2020 München, Tonhalle
19.03.2020 Hannover, Capitol
20.03.2020 Düsseldorf, Stahlwerk
21.03.2020 Münster, Skaters Palace
23.03.2020 Stuttgart, Im Wizemann
24.03.2020 Köln, Palladium
25.03.2020 Berlin, Tempodrom
27.03.2020 Bremen, Pier2
28.03.2020 Dresden, Alter Schlachthof
28.03.2020 Dresden, Alter Schlachthof


Autorin: Anna Fliege / Photocredit: Dominik Huttner