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KYTES & „Frisbee“: Unabhängigkeit in seiner schönsten Form

KYTES & „Frisbee“: Unabhängigkeit in seiner schönsten Form

KYTES sind der musikalische Inbegriff von Sommer und guter Laune. Zugegebenermaßen mag das meinen eigenen Erinnerungen an ihren Auftritt beim Dockville 2016 zu Grunde liegen, die Dreifaltigkeit aus Sonntags, Sonnenschein und Sorgenlosigkeit. Mit ihrer brandneuen EP „Frisbee“ klingen sie nun nachdenklicher als je zuvor – und das steht ihnen hervorragend.


Ein Artikel von Anna Fliege – Ein kleiner Blick zurück. Mit ihrer ersten EP „On The Run“ eroberten sie 2015 die Herzen der Indie-Fans (meines inklusive) im Sturm. Das lag insbesondere daran, dass KYTES damals wie Two Door Cinema Club klangen, als die britische Band es selbst nicht mehr tat. Bunte E-Gitarren, glitzerne Synthies und ein Beat, zu dem man nicht anders kann als tanzen, tanzen, tanzen. Ein gutes Jahr später fanden sie auf ihrem Debüt „Heads And Tales“ ihren eigenen roten Faden, ein feiner Zwirn aus Einflüssen der internationalen Indieszene, maßgeschneidert für die Freunde aus Bayern.

Nach einer längeren Funkstille auf dem Release-Radar nehmen KYTES wieder Kontakt auf. Sie hätten es sich einfach machen, ein weiteres Album im selben Stil veröffentlichen können, die Leute hätten es mit Kusshand entgegengenommen. Stattdessen ging die Band lieber einen unkonventionellen Weg, schnappte sich den österreichischen Produzenten filous und veröffentlichen schließlich eine fünf Song-starke EP namens „Frisbee“ auf ihrem ganz eigenen Label „Frisbee Records„.

Und weil niemand ihnen dazwischenreden und sie vom Gegenteil überzeugen konnte (a lá „macht’s einfach so wie beim letzten Mal, aber erst, wenn ich es sage„), klingt „Frisbee“ nun ganz anders – aber trotzdem noch nach KYTES.

„This could be our remedy, gone in our sad things
Save face, since breath, the recipe, this is a new light“

Die fünf neuen Songs klingen ausgeklügelter, handwerklich feiner. Die Band schreit nur so: wir sind erwachsener geworden! Und statt lockerleichtem glitzernden Indiepop starten sie mit „Any Better“ in dunkleren Indietronica-Gefilden. Lyrisch ein bisschen wehmütig, aber ganz schön tanzbar. Allgegenwärtig, immer wieder und damit das unverkennbare Wiedererkennungsmerkmal: Michaels Stimme. Hier hoch, da kratzig.
Die Finesse daraus setzt sich in „Waterfall“ fort. Hier nehmen die Münchener möglichst großen Abstand zum Kaugummi-Indie und setzen lieber auf gedämpfte Gitarrenriffs. Vorabsingle „Take It Easy“ bestach bereits im letzten Dezember durch seine vielen Einzelteile, zusammengesetzt zu einem Wohlfühlsong mit Hit-Charakter.

Und mit „Remedy„, dem Comebacksong der vier Freunde, wurde schnell deutlich, dass man sich in eine andere Richtung entwickelt – zumindest für die EP. Ein Sound, den man im deutschen Raum höchstens bei Milky Chance findet. Dass die Band nun aber keine eintönige Platte produziert haben, zeigt sich mit Closingsong „Another Ride„, der mit seiner instrumentalen Untermalung besonders im Refrain nostalgisch werden lässt. Ich sag ja, sie klingen immer noch wie KYTES.

Und schlussendlich stelle ich fest: KYTES können auch Lieder für graue Wintertage schreiben, ohne dabei die Hoffnung auf den nächsten Sommer zu verlieren.

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Autorin: Anna Fliege / Photocredit: Ben Hammer

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