Wenn ein Album mit einer Stimme beginnt, die fragt: Are you ready to ride this wave?, und die Antwort „I’m feeling free, I feel like cutting loose“ lautet, spätestens dann weiß man, dass der Name der Band LEISURE auf jeden Fall Programm ist.


Ein Artikel von Maren Schüller – Im Video zum Opener Song „Feeling Free“ wird dieser Wunsch mit Nacktheit erfüllt, die nicht zwingend etwas mit Sexualität und Zweisamkeit zu tun hat. Viel eher geht es um die Freiheit, sich selbst seiner Intimität zu öffnen, und damit ein natürlicheres Verhältnis zwischen Körper und Geist zu schaffen. Damit öffnen sie einen Diskurs dafür, was „leisure“, also Freizeit/Gelassenheit, alles bedeuten kann.

Aber gehen wir nochmal ein paar Schritte zurück. Stell dir vor, du sitzt am Strand, dir weht eine kühle Meeresbrise durch die Haare und die Sonne gleitet am Himmel hinüber, während dein Blick über das Wasser am Horizont streift. Es sind gute Zeiten und die Welt scheint voller Möglichkeiten. Als wäre das nicht alles schon schön genug, hast du zufälligerweise noch vier andere Musikgenies um dich herum, und in nullkommanichts nehmt ihr ein Album zusammen auf, das genau diese Meeresbrise-Momente in die Welt hinausträgt.

Fünf junge Typen, die seit Jahren in verschiedenen Konstellationen Songs schreiben und sich mal wieder anderweitig ausprobieren wollten, saßen genau an solch einem Strand und erschufen ihren eigenen Soundkosmos. Sie formten eine Band und benannen sie nach einer Lebenseinstellung. LEISURE kommen aus Neuseeland und galten bisher eher als Geheimtipp. Einen kleinen Durchbruch hatten sie 2015 mit „Got It Bad“, aber auch bis heute stehen sie weit entfernt von bekannten Radiosendern oder großen Marketing-Kampagnen.

Vier Jahre lang hat man nichts von ihnen gehört, bis auf die zwei Songs „Money“ und „Alone Together“, die bereits 2017 veröffentlicht wurden und jetzt auf ihrem zweiten Album „Twister“ (via Nettwerk Records) zu finden sind. Und da wären wir nun, im Jahr 2019, ohne spürbaren Internetauftritt der Band oder jegliche Interviews bei einem Video angelangt, indem der eigene Körper als einziger Trost in einer grauen Welt die Hauptrolle spielt. Wer sich also seit ihrem letzten Lebenszeichen nach der klassischen tröstenden Dosis Leisure gesehnt hat, der wird nicht enttäuscht: „Feeling Free“ klingt, als wären sie nie weg gewesen, als hätten sie den Proberaum seit ihrem Debüt gar nicht verlassen.

Die pure Gelassenheit bringen sie dann auch im darauffolgenden Track „Too Much Of A Good Thing“ rüber, mit funkiger Gitarre und am Boden gebliebenem, zurückgelehntem Gesang, wie man ihn kennt. Hier kann man sich durchaus vorstellen, das Lied auch mal im Radio zu hören, weil der Beat einfach nicht so psychedelisch auf der Stelle tritt wie in manchen vorherigen Songs.

Stattdessen überzeugen sie auf „Twister“ mit verschiedenen Stilen, so zum Beispiel bei „Man“ und „Running“, die überraschend gekonnt R&B Vibes explodieren lassen, oder bei „Falling“ mit einer Mischung aus Lounge-artigen und trippigen Melodien, die wie vibrierende optische Täuschungen klingen. Mit der einzigen Textzeile: „Someone save me from falling in love“ säuseln sie nicht mehr als nötig. Allerdings fehlt dadurch auch der Schritt zu einem größeren Austausch.

LEISURE betören unsere Ohren mit kurzen, eingängigen Phrasen, die irgendwie im Kopf bleiben und wie kleine Gedankenschnipsel wirken. Was würde wohl dabei herauskommen, wenn die Band nicht nur musikalisch, sondern auch textlich in unbekannte Tiefen hervorstechen würde?

Denn eines kann man ihnen nicht absprechen: Sie kennen ihr Handwerk. LEISURE klangen 2015 genauso nach LEISURE, wie sie es bis heute tun. Es ist fast, als wären sie alle gemeinsam in einen Zaubertrank aus musikalischer Coolness gefallen. Aber gerade weil man so sehr an ihr Können glaubt, ist ein Album, was immer noch in den selben Gewässern herumdümpelt, nicht die Genugtuung, die man vielleicht erwartet hätte.

Twister“ ist kein Album, das mit der Tür ins Haus fällt. Es beinhaltet allerlei Variationen derselben LEISURE Ästhetik mit ein bisschen mehr Pop, der der Band definitiv gut steht. Allerdings treten dadurch die psychedelischen Ausflüge ins Nichts in den Schatten und werden nur mit Experimenten auf Sparflamme ersetzt.

Mit ihrem zweiten Album werden LEISURE nicht die Welt verändern, aber sie zeigen uns in ganz großem Stil die Kunst der Gelassenheit. Unser Tipp: Einfach zurücklehnen und den Vibe spüren.