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Liam Payne & „LP1“: He’s bringing sexy back

Liam Payne & „LP1“: He’s bringing sexy back

Schlafzimmerblick, Zahnpasta-Lächeln und dank der neusten Hugo Boss-Kampagne ein Körper wie von Michelangelo gemeißelt: Liam Payne zieht uns alle in seinen Bann. Auch musikalisch. Mit „LP1“ veröffentlicht das ehemalige One Direction-Mitglied nun nach Jahren des Wartens sein Debütalbum. 


Ein Artikel von Anna Fliege – Eine von sich in Ohnmacht kreischenden Mädchen angehimmelte Boyband löst sich auf – für die Schadensbegrenzung reden zunächst erst einmal alle über eine „Pause“. Einige Zeit später beginnen die Solokarrieren zu blühen. Darunter auch jenes Bandmitglied, dass sich vom generischen Radiopop abwendet und dem poppigen R&B hingibt. Ein Klangspektrum mit Wechsel zwischen hohen Kopftönen und sexy dunklen Passagen.

Nun, diese Beschreibung passt ziemlich gut auf Justin Timberlake. Doch 17 Jahre nach dem Release von „Justified“ könnte Ex-One Direction-Mitglied Liam Payne dieses Erfolgsmärchen mit seinem Debüt „LP1“ und etwas Glück wiederholen. Viele von Paynes Fans steckten zur Zeit der N*SYNC-Trennung immerhin noch wortwörtlich in den Kinderschuhen.



Auch, wenn sein Debütalbum nach der 1D-Trennung Ende 2015 lange auf sich warten ließ, blieb Liam der Erfolgswelle nicht fern. Zahlreiche, starbesetzte Kollaborationen verbucht der 26-Jährige Brite – darunter Namen wie French Montana, Wiz Khalifa, J Balvin, Zedd, Rita Ora oder Jonas Blue. Seine erste Singleauskopplung „Strip That Down“ mit Migos-Mitglied Quavos sammelte in den letzten 2 Jahren über 705 Mio. Spotify- und rund 350 Mio. YouTube-Streams.

Der Vibe des Songs kommt dir irgendwie bekannt vor? Und auch die September-Single „Stack It Up“ mit A Boogie Wit A Hoodie ist so seltsam vertraut? Spätestens bei den Akustikversionen der beiden Songs kann niemand leugnen, welches Supergenie da seine Finger im Spiel hat. Wer noch auf dem Schlauch steht: Ich meine Ed Sheeran.

Gut vorgearbeitet“ denkt man jetzt, nicht? Für den zweiten Part des Albums sicherlich. Dies ist Paynes musikalischer Trophäenschrank, praktisch zusammengebracht auf eine CD. Doch wie steht es um die neuen Songs? Die Unveröffentlichten, die Solotracks? Was hat ein Liam Payne-Album zu bieten? Und was fehlt am Ende?



Zwischen „Stack It Up“ und „Strip That Down“ stecken neun brandneue Songs, die das Center von „LP1“ bilden. Hier trifft pop-getriebener R&B auf EDM-Elemente und machen jeden Track zum potentiellen nächsten Radiohit. Vielleicht liegt es an meiner fehlenden Kenntnis und Hingabe für diese Art von Songs, aber ich vermisse auf der Strecke die melodische Abwechslung. Beats und Tracks förmlich verschwimmen ineinander.

Thematisch lässt sich „LP1“ bestens mit einer Line des oben erwähnten Justin Timberlakes beschreiben: He’s bringing sexy back. Für R&B üblich sind die Texte verrucht, schlüpfrig und gerade heraus, direkt und plakativ. Das einstige Unschuldslamm ist erwachsen geworden. Und dass die One Direction-Fans ihn schon vor Jahren „Daddy Direction“ nannten, erschließt sich mir vollkommen.

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Mir persönlich fehlen die scharfkantigen Beats und die stimmliche Vielfalt, die wir aus den Hits kennen, die das neue Material umschließen. Und trotzdem finde ich einen Liebling: „Tell Your Friends“ fällt mittendrin aus dem Muster und mir damit ins Auge, eh, Ohr.

Liam Payne spielt es mit seinem Debütalbum safe – und das ist völlig in Ordnung. Durch die vorherigen Single-Veröffentlichungen legte er die eigene Messlatte ziemlich hoch. Doch statt mit Anlauf drüberzuspringen, tänzelt er lieber wie beim Limbo drunter her, um einen schmerzhaften Aufprall auszuschließen. Musikalisch trifft er mit dem neuen Material sicherlich den Nerv ettlicher Fans. Und am Ende auch irgendwie meinen.



Autorin: Anna Fliege / Photocredit: Jason Hetherington

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