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Lianne La Havas & „Lianne La Havas“: Anmutig ehrlich

Lianne La Havas & „Lianne La Havas“: Anmutig ehrlich

Nach Jahren des Hin- und Herziehens zwischen zwei Kontinenten ist Lianne La Havas nicht nur in einem Zuhause, sondern auch bei sich selbst angekommen. Ihr neues Album „Lianne La Havas“ fängt ihre Selbsterkenntnisse in ihrer schönsten Form ein.

DIE KÜNSTLERIN

Lianne La Havas ist der ungeheimste Geheimtipp, eine Liebhaber-Künstlerin und seit fast einem Jahrzehnt als eindrucksvolle Musikerin etabliert. Ihr Debütalbum „Is Your Love Big Enough“ kletterte 2012 auf Platz 4 der britischen Albumcharts und auf die Shortlist des Mercury Prize. Nachfolger „Blood“ bescherte La Havas drei Jahre später den 2. Platz sowie Nominierungen für die Brits und Grammys.

Noch heute bekomme ich Gänsehaut, wenn ich an ihren Sziget-Auftritt im vorletzten Sommer zurückdenke, den ich rein zufällig  miterlebten durfte und innerhalb kürzester Zeit von der atemraubenden Aura der Britin verzaubert wurde. Allein auf der Bühne, bewaffnet mit einer Gitarre und ein paar Padels.

DER SOUND

Ein zugänglicher, moderner Mix aus vielem. Es is soulig, ohne, dass man dabei das präsente Gefühl hat, gerade Soul zu hören. Es hat seine Indie-haftigkeit, ohne dabei in eine der vielfältigen Indie-Schubladen zu passen. Es birgt den Spirit des zeitgenössischem Jazz, den wir momentan viel aus London zu hören bekommen. Und hat die Prise R&B-Sexappeal, die das Album abrundet. Gemeinsam entfaltet es sich auf dem Album mal sanft, mal fordernder und ausufernder.

DIE THEMEN

Der Albumtitel sagt es schon ziemlich treffend. „Lianne La Havas„, selbstbetitelt. Eine Entscheidung, die Bands höchstens bei ihrem Debüt treffen, nicht aber für ihr Drittwerk. Es ist ein Suchen und Finden. Ein in sich- und schließlich über sich hinauswachsen. Selbstbewusst, unerschrocken, anmutig ehrlich. Es ist schön und zugleich inspirierend, wie sich La Havas mit ihrem eigenen Sein und ihrer Identität auseinandersetzt.

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DER LIEBLINGSTRACK

Mich lässt Albumopener und Leadsingle „Bittersweet“ einfach nicht los. Ein so eleganter Song mit Tiefgang, der sich musikalisch zu einem großen Ensemble entfaltet und Liannes Stimmwunder einfängt. Die COLORS-Session ist übrigens noch schöner, wobei das eigentlich nicht möglich sein dürfte. Und die Refrainzeilen ein entschlossenes Versprechen an sich selbst: „Bittersweet summer rain, I am born again

DIE PERFEKTE ERGÄNZUNG FÜR…

Das Sonntagsritual. Mit lufttrocknenden Haaren und einem großen Milchkaffee auf dem Sofa sitzen, durchatmen, die vergangene Woche loslassen und noch nicht an die neue denken. Die Liste mit Künstler*innen, die ihr all euren Freund*innen und Familienmitgliedern ans Herz legen wollt.

DAS FAZIT

Fünf Jahre nach „Blood“ meldet sich Lianne La Havas mit einem wunderschönen, abwechslungsreichen, zeitlosen Album zurück. Ein Album, das gar keinen poetischen Titel benötigt. Das hier ist Lianne La Havas, in ihrer bisher reinsten, anmutigsten Form. Zeit, die Londonerin wieder auf jeden einzelnen Radar zu packen und ihr die Ehre zu schenken, die ihr gebührt.

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