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Local Natives & „VIOLET STREET“: Changierender Vibe

Local Natives & „VIOLET STREET“: Changierender Vibe

Eine Band wie eine Wundertüte. Local Natives haben sich in den letzten Jahren vor allen Dingen durch ihre interne Vielfältigkeit einen Namen in der Indieszene gemacht. Hier klingt kein Song wie der andere, aber doch trägt jeder die Handschrift der Band aus Los Angeles. 

Ein Artikel von Anna Fliege – Wagen wir doch einmal einen Blick in die versprochene Wundertüte, die mit Album Nummer 4 den Namen „VIOLET STREET“ trägt. Wer Monotonie auf Albumlänge nicht feiert, wird hier glücklich sein.

When I’m Gonna Lose You?“ könnte einer dieser Songs sein, die man aus einer Hochglanz-Fernsehwerbung kennt. Und um ehrlich zu sein wäre es auch egal, was sie damit bewerben würden: ich würd’s kaufen. Bass & Drums pushen sich gegenseitig bis zum Euphorieklimax, man möchte gedankenverloren dazu tanzen.

Und wer genau hinhört, dem mag auffallen, wie viel Detail in jedem einzelnen Song, in jedem einzelnen Takt steckt. Soundfrickeleien formen „VIOLET STREET“ noch stärker als seine Vorgänger und geben dem ganzen Tiefe, Höhe, Breite. Das mag auch daran liegen, dass wir wortwörtlich gefrickelt und geformt wurde: Local Natives verschnitten Tapes und klebten sie eigenhändig wieder in einem neuen Arrangement zusammen.



Hier haben Sounds Ecken und Kanten, statt glattgebügelt zu werden. Zitternde Gitarren, wummernde Basslines und Zwischentöne, die man nicht so einfach zuordnen kann. Das ist ihr Markenzeichen, ebenso wie der dreistimmige Gesang, dem man nicht widerstehen, sondern sich anschließen muss. Aber Songs wie „Café Amarillo“ und  „Megaton Mile“ setzen das mit ihren ansteckenden Versen auch gar nicht anders zu.

Am Ende des Albums stellt man sich berechtigterweise die Frage, ob dieses Album wirklich aus einer Hand, von einer Band kommen kann. Und offenbart, wie divers, kreativ und einzigartig sie sind. Irgendwo zwischen Streichereskapaden („Vogue„), dramatischen Pauken und Trompeten, die einer schillernden Filmszenerie entsprungen sein könnten („Shy„) und Weltmusik-esquen Anleihen, untermalt mit astreinen Indierock-Akkorden („Gulf Shores„).

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Local Natives schaffen Kunst für Musikliebhaber, die sich nicht festnageln möchten. Für die, die The Black Keys genauso abfeiern wie Fleet Foxes und The Shins. „VIOLET STREET“ ist ein Album, das entdeckt werden möchte. Eins, dass je nach Laune den Lieblingssong wechselt. Das lange Warten auf ein neues Album der Kalifornier hat sich ausgezahlt!


LOCAL NATIVES live

03.10.2019: Berlin – Lido
08.10.2019: Köln – Luxor


Autorin: Anna Fliege / Photocredit: Jonathan Chu

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