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Love Fame Tragedy & „Wherever I Go, I Want To Leave“: Ein schillerndes Kaleidoskop an Soundideen

Love Fame Tragedy & „Wherever I Go, I Want To Leave“: Ein schillerndes Kaleidoskop an Soundideen

Nach zwei EPs mit den eindrucksvoll ehrlichen Titeln „I Don’t Want To Play The Victim, But I’m Really Good At It“ und „Five Songs To Briefly Fill The Void“ veröffentlicht Love Fame Tragedy sein Debütalbum „Wherever I Go, I Want To Leave“. Mit den EP-Tracks und brandneuen Songs glänzt das Album mit 17 Titeln, hinter denen nicht nur ein altbekannter musikalischer Begleiter, sondern auch eine beachtliche Reihe an prominenten Kollaborateuren steckt. 


Ein Artikel von Anna Fliege – Soloprojekte von Frontsänger*innen der Lieblingsbands sind ein polarisierendes Thema. Fragen wie „muss das sein?„, „feiere ich es nur, weil es der Frontmann dieser Band ist?“ und die unterschwellige Panik, dass es nie wieder ein Band-Album und damit auch keine Konzerte mehr geben könnte, trüben das Herantreten an den Tonträger. Aber geht man unvoreingenommen an „Wherever I Go, I Want To Leave“ heran, macht das Album mit Überlänge jede Menge Spaß.

DER KÜNSTLER

Hinter Love Fame Tragedy steckt natürlich niemand Geringes als Murph, Frontsänger von The Wombats und die Stimme unserer Indie Party-Jugend. Von einem Soloprojekt träumt der Liverpooler, der mittlerweile mit Frau und Kind im sonnigen Los Angeles lebt, schon länger. Nach 16 Jahren Dauer-Tourerei, endlosen Festival-Gigs und vier Wombats-Alben nahm sich Murph endlich die Zeit und schuf Love Fame Tragedy, benannt nach einer Picasso-Austellung im Tate Modern.

DER SOUND

Wie klingt also dieses Soloprojekt? Die signifikante Stimme ist natürlich da und manche Tracks könnten auf dem letzten The Wombats-Album „Beautiful People Will Ruin Your Life“ gewesen sein, doch das Gesamtbild unterscheidet sich dann doch stark. Mutigere Melodien, Beat-Kompositionen und keinerlei Scheu vor großen Pop- und Disko-Nummern. Dazu kommen euphorisierende Zusammenarbeiten mit Leuten wie Dan Smith (Bastille), Gus Unger-Hamilton (alt-J), Eleanor Fletcher (Crystal Fighters), Joji Malani (Ex-Gang of Youths), Matt Chamberlain (Soundgarden), Jack River und vielen mehr. Bis auf Letzteren werden die Künstler*innen lediglich in den Credits genannt, mal hört man sie sogar, häufig kann man nur die textlichen oder melodischen Ideen erahnen.

DIE THEMEN

Zynischer denn je setzt sich Matthew Murphy mit seinen eigenen Ecken und Kanten, den seltsamen Angewohnheiten seiner Freund*innen und die fragwürdigen Handlungen der Gesellschaft auseinander. Immer wieder sind Sorgen und Ängste zu hören, die ein Mittdreißiger heutzutage zum Glück ungeniert zugeben darf, ohne von der breiten Masse als „schwach“ abgestempelt zu werden.

DER LIEBLINGSTRACK

Honeypie„, die Zusammenarbeit mit dem ehemaligen Gang Of Youth-Gitarristen Joji Malani! Vertraute Grundstruktur im völlig neuem Gewand, mit grooooßen und dramatischen, ungewöhnlich organischen Instrument-Anteilen, die sich auf diesem Album kein zweites Mal so wiederfinden. Was sonst von Synthesizern besetzt war, wird auf diesem Song mit Gitarren untermalt and I’m here for it!

DIE PERFEKTE ERGÄNZUNG FÜR…

Die Wombats-Fan-Collection, das will man gar nicht bestreiten. Doch auch für die sich wandelnde Indie-Szene, die gerade von den intimen Offenbarungen lebt und dadurch wieder richtig interessant wird.

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DAS FAZIT

Love Fame Tragedy schafft mit seinem Solo-Debüt ein schillerndes Kaleidoskop an Soundideen, die hier endlich eine Plattform bekommen. Knallharte Bekenntnisse auf vielschichtigen Poptracks, die beim Durchhören Spaß machen und für jeden Geschmack etwas im Angebot haben. „Wherever I Go, I Want To Leave“ ist nicht nur etwas für loyale Langzeitfans, sondern auch die Neugierigen, die vorher nie Joy Division tanzen und die Ironie zelebrieren wollten.






Autorin: Anna Fliege / Photocredit: Kate Biel

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