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Lucy Dacus & „Home Video“: Eine Hommage an die verblassten Jugenddramen

Lucy Dacus & „Home Video“: Eine Hommage an die verblassten Jugenddramen

Lucy Dacus gewährt uns tiefe Einblicke in ihre Jugendjahre in Richmond, Virginia.

Ich liebe Coming Of Age-Filme. Die Flucht aus dem eigenen Alltag, der eigenen Realität. Rein in romantisierte Szenerien und jene Jahre, die einige Zeit später so unbedeutend erscheinen im Dunstkreis des Erwachsenseins, so absurd und doch so schön. Und prägender, als man zugeben möchte.

Home Video“ erzählt von diesen Tagen. Von Sommercamps, Vorstadtgeschichten, Schuldramen und ersten Beziehungsversuchen, die zum Scheitern verurteilt sind und jene, die in vorrangig gläubigen Nachbarschaften als Sünde gesehen werden. Und wie nicht anders zu erwarten trifft Lucy Dacus mir ihrem messerscharfen Songwriting gezielt zwischen die Rippen, straight ins Herz. Eine wunderschöne Hommage an vergangene Tage, die hin und wieder gar nicht so schön waren.

The past doesn’t change. Even if a memory is of a time I didn’t feel safe, there’s safety in looking at it, in its stability.

MEINE LIEBLINGSSONGS

Ein perfekter Albumopener, der sehnsüchtig nach diesem besonderen Freiheitsgefühl zu greifen sucht und bei warmen Roadtrips im Fahrwind des offenen Beifahrerfensters auf volle Lautstärke gedreht werden sollte.

„Led me to the floor even though I’m not a dancer. Asked me all the questions that your parents wouldn’t answer. How could I deny a diamond in the rough? You let me in your world until you had enough.“

Der Upbeat-Song ist ein instant favourite, der durch seine schrammeligen Gitarren und der musikalischen Vielschichtigkeit besticht – und seien wir ehrlich, der Songtext tut ziemlich gut weh.

„You can’t feel it for the first time a second time. I can’t go back to who I was before I met you. I can’t undo what I’ve done, and I wouldn’t want to.“

Wenn ich mich entscheiden müsste, wäre „Partner in Crime“ mein persönliches Songwriting-Highlight dieses Albums. Der düstere, langsame Sound unterstreicht die Schwere so gut, dass mich nicht mal das AutoTune stört.

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„Knee deep in the city that never sleeps, I lay down in the middle of the street. Lamplight like parallel suns, crowding out the early morning stars. Concrete holding heat from the daytime. Picking petals to see if you will be mine.“

Die fast 8 Minuten lange Abschluss-Ballade über eine verbotene queere Liebesgeschichte ohne Happy End beruht zum Teilen auf Dacus eigener Jugend. Sie findet so viel Schönheit in einem unberechenbaren Schmerz, dass ich diesen Song vielleicht niemals ohne Tränen im Augenwinkel hören kann.

„Your lip was trembling when you said that we are cursed. You’re trying not to cry when you tell me you’re afraid that we may die. I said, “So what? Everybody’s scared of that.” I want you to tell me that you miss me, want you to hold and hurt and kiss me.“

Home Video“ ist ein ehrenvoller Nachfolger für das so hochgelobte „Historian„-Album aus dem Jahr 2018. Nicht umsonst wird Lucy Dacus als eine der besten Songwriterinnen unserer Generation gehandelt. Das neue Album macht Spaß, tut weh und erschafft vergangenen Ereignissen ein ehrenvolles Zuhause, ohne zu sehr nach „früher war alles einfacher“ zu klingen.

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