Now Reading
Ma Fleur & „Big Dreams“: Twentysomething-Mythen entzaubern

Ma Fleur & „Big Dreams“: Twentysomething-Mythen entzaubern

Müssen Künstler*innen immer extrovertierte Rockstars sein und was passiert eigentlich nach dem Abspann des Coming-Of-Age-Films?

Auf „Big Dreams“ stellt sich Ma Fleur diesen Fragen, entzaubert gekonnt Mythen und findet die Schönheit in Tatsachen. Der Kasseler Singer-Songwriter schafft es auf seiner Debüt-EP, in sanft-ausufernde Songs zu verpacken, die im Ohr bleiben.

Es sind die unbeschwerten Jahre’ versprach man uns früher. Machen wir uns nichts vor, das wahr schlicht und einfach eine Notlüge der Älteren, um die Pubertät und den Schulabschluss durchzustehen. Dass das Leben als Twentysomething nicht so rosarot ist, wie uns Filme und Erzählungen weis machen wollen, merkt man spätestens, wenn man mittendrin steckt. 

Fünf Songs beinhaltet „Big Dreams„, die mit ihrer Vielfältigkeit brillieren, begeistern, beeindrucken. Während sich Titelsong „Big Dreams“ und Albumcloser „Look“ dem Pop hingeben, baut sich in „While The Lights“ eine folkige, isolierte Welt auf, die ich als Orchesterversion direkt kaufen würde. Das passt einfach. Opener „Flock“ besticht durch seine steigernde Spannung un dem cleveren Arrangement – und nicht zuletzt durch den endgültigen Ausbruch am Schluss. „Trouble Bubble“ ist dynamisch, irgendwie düster, aber doch gleichzeitig euphorisch und durch seine Untentschlossenheit mein Lieblingssong.

Ma Fleur hat keine Angst davor, die Schattenseiten der 20er offenzulegen. Hochsensibilität klang nie besser, nie selbstverständlicher. Kein Tabu-Thema, kein No Go. Erklärungen für das eigene Verhalten, eine Einordnung der gelebten Gefühle – all das im Zusammenspiel mit Klavierpassagen, Gitarrenriffs, akzentuierten Beats und einer durchdringenden, tiefen Stimme, die schnell zu Ma Fleur’s Markenzeichen wird.

See Also


Wer auf Acts wie Razz, Giant Rooks und Sam Vance-Law steht, sollte Ma Fleur nicht verschlafen.

Scroll To Top