Man kennt ihn als den entspannten Typ von nebenan, der immer in der einen Hand die Gitarre, in der anderen die Zigarette hält. Mac DeMarco hat diesen Flow, von dem sich jeder gern etwas abschneiden würde. In der Szene ist er längst ein Star. Jetzt veröffentlicht er sein viertes Album „Here Comes The Cowboy“ zum ersten Mal auf seinem eigenen, auf Mac’s Record Label.

Ein Artikel von Maren Schüller – Das Album „Here Comes The Cowboy“ beginnt mit dem Song „Here Comes The Cowboy“ und beinhaltet textlich nur eine Aussage: Here Comes The Cowboy. Ich schätze, dass jetzt alle Bescheid wissen, es geht um Cowboys! Falsch gedacht: Mac DeMarco hat sich zwar offensichtlich in dieses Wort und seinen Klang verliebt, hat aber dabei keine alten Männer mit Hüten und Holzfällerhemden im Kopf. Für ihn ist „Cowboy“ eine liebevolle Bezeichnung, für Menschen, die einem nahe stehen. Wenn man sich mit seinen öffentlichen Auftritten beschäftigt, merkt man schnell: Warmherzigkeit ist eine seiner leichtesten Übungen.



Let it go, reel it in

I’m the preacher“, wispert mir Mac DeMarco in „Nobody“ ins Ohr. Ich glaube ihm. Loslassen. Taumeln. Es ist ein langsamer Song, bleibt die ganze Zeit leise, und ich höre, wie behutsam jedes einzelne Instrument eingespielt wurde. Wenn die leise Rassel einsetzt, stelle ich mir vor, wie er sie bedächtig schwingt, während Mac DeMarco in seiner Garage im Schlafanzug sitzt.

„There’s no turning back to nobody
There’s no second chance, no third degree“

Bei jedem anderen Musiker kämen mir die Lyrics ziemlich bedrückt vor. Bei Mac DeMarco schwingt aber immer eine Unbeschwertheit mit, die mir sagt, dass sich alles fügen wird.



Seine Melodien sagen mehr als 1000 Worte

Ansonsten sagt er allerdings nicht so viel. Wie schon bei dem Titelsong verzichtet er in den meisten Songs darauf, große Reden zu schwingen und beschränkt sich eher auf den Refrain als Text. So reicht auch bei „Choo Choo“ eine Message aus: „Choo Choo, take a ride with me“

Verbunden mit funkigen Arrangements, die ein bisschen an Gorillaz erinnern, fehlt es dem Song trotzdem an nichts. Ohne diese bodenlose Coolness, die der Kanadier ausstrahlt, würde der Song nicht funktionieren. Wenn ich sage funkige Arrangements, heißt das natürlich nicht, dass man wie bei Earth, Wind & Fire sofort das Tanzbein schwingt – keine Sorge, er bleibt immer noch in seinem gewohnten Geschwindigkeitsspektrum. Schwanken statt tanzen.

Manchmal denke ich darüber nach, wie gerne ich in den Kopf dieses Musikers schauen würde, der mit mittelmäßigen Gesangs-Skills und einfachen Melodien diese Schaukelstuhl-Ästhetik schafft. Es geht vor allem um das Loslassen, und darum, Dinge wertzuschätzen.

„Baby blue, I know how things have changed for you
Remember that the days are numbered
Springtime turns to summer“



Mit „All Of Our Yesterdays“, „Hey Cowgirl“ und „On The Square“ gibt es auf dem vierten Album auch klassische Mac DeMarco-Songs. Sowohl letzteres, mit düsterem Klavier und schiefen psychedelischen Synthies gespickt, als auch „Hey Cowgirl“ mit dieser typisch schrägen Gitarre erinnern an sein zweites Album „Salad Days“.

Here Comes The Cowboy“ ist ein Album, bei dem ganz klar die Musik an sich im Vordergrund steht. Man merkt, wieviel Spaß DeMarco dabei hat mit Instrumenten und Zusammenhängen zu experimentieren. Sein Sound bleibt so wie ich ihn lieben gelernt habe und trotzdem ist das Album so vollgepackt mit Ideen, die im Gesamten einfach den Vibe ausmachen.

Wenn Mac DeMarco also direkt in mein Ohr säuselt: „Baby, are you satisfied with this or that you had in mind?“, dann lautet meine Antwort mit Blick auf das Album definitiv Ja!


MAC DEMARCO live 

10.11. Hamburg – Grosse Freiheit 36
11.11. Berlin – Columbiahalle


Autorin: Maren Schüller / Photocredit: Kiera McNally