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Machine Gun Kelly & „Tickets To My Downfall“: Die Pop-Punk-Reinkarnation 2020

Machine Gun Kelly & „Tickets To My Downfall“: Die Pop-Punk-Reinkarnation 2020

Dass ausgerechnet Machine Gun Kelly im Jahre 2020 ein Genre zurück in den Mittelpunkt der Musikwelt bringen würde, hätte vermutlich lange niemand vermutet.

Ein sonniger Tag in Hollywood. Ich rolle mit meinem Skateboard über einen Boulevard. Also…nicht direkt ich, aber mein Charakter in Tony Hawk’s „American Wasteland“ auf meiner silbernen PlayStation 2. Eigentlich ist es ein grauer Nachmittag und das Gefühl von Langeweile noch ein reales Erlebnis. MTV zeigt schlecht synchronisierte Reality Shows, die mir ein seltsames Bild von „erwachsen sein“ vermitteln, pink und schwarz ist meine Lieblingsfarb-Kombo.

Was das mit dem neuen Machine Gun Kelly-Albums zu tun hat? Es ist das selbe Gefühl. Ein Album, das mir 2020 die Nostalgie von 2006 zurückbringt. Damals, als coole Skaterboys anfingen, Röhrenjeans zu tragen und mich Rock Am Ring-Auftritte von blink-182 und Green Day davon träumen ließen, wie es wäre, irgendwann selbst einmal ein Festival zu besuchen.

Mit „Tickets To My Downfall“ macht MGK nach vier Rap-Alben die Platte, mit der niemand gerechnet hätte – also vorausgesetzt, man hat den vielseitig talentierten Künstler in den letzten Monaten nicht aufmerksam genug beobachtet.

Ich wurde hellhörig, als sich Machine Gun Kelly im letzten Jahr mit dem aufstrebenden Superstar YUNGBLUD und living legend blink-182-Drummer Travis Barker zusammentat und „I Think I’m OKAY“ veröffentlichte. Damals für seinen Part noch zurückhaltend, konnte man doch ahnen, was da kommen könnte.

Es ist das Album, was er immer machen wollte, erzählt er vor ein paar Wochen in einem kleinen Presse-Zoom-Call. „Tickets To My Downfall“ ist eine Hommage und Reinkarnation des Genres Pop Punks in seiner reinsten Form. Kein Rumschrauben mit moderneren Techniken, keine Verfremdungen. Und mit Travis Barker als Produzenten einen der größten Pop Punk-Helden zur Seite.

Der gemeinsame Song mit Halsey, „forget me too“ heißt er, bildet das Herzstück des 15 Track-Albums, welches man problemlos durchlaufen lassen kann, ohne, dass es langweilig wird. Aber „forget me too“ lässt dann doch aufhorchen. Denn wer wie ich früher riesiger Paramore-Fan war, findet sich hier euphorisch quiekend wieder, weil die Sängerin wahnsinnig gut in ihrer ungewöhnlichen Rolle klingt und so ein bisschen an die alte Hayley Williams erinnert. Ein echter Hit! Und Zeit für eine „Halsey macht ein Pop Punk-Album„-Petition, oder?

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So macht sich Machine Gun Kelly selbst zum Helden. Lässt Herzen derjenigen, die mit MySpace und bunten Plastiksträhnchen in den Haaren (pink und schwarz, wie oben kurz erwähnt) in den 00ern groß geworden sind. Und für diejenigen, die schon cool und erwachsen genug waren, diese Ära wirklich auszuleben, statt nur davon zu träumen.

Und vielleicht wird er auch zum Helden für eine neue Generation an Pop Punk-Fans, die sich durch „Tickets To My Downfall“ zum ersten Mal bewusst und gegenwärtig mit der Musikrichtung beschäftigen.

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