Sonntagabend in Dortmund. Vor einer Woche lag hier noch Schnee, jetzt reihen sich die Menschen in die lange Schlange vor’m Eingang der Phoenixhalle in dünnen Jacken ein – der Frühling naht. Um wen es hier heute geht, wird nach einem flüchtigen Blick auf die Shirts der anstehenden Menge glasklar: Marteria. Der Hip-Hop-Künstler aus Rostock mit den einzigartigen und dabei so cleveren Reimen, den Dauerohrwürmern, den „Lila Wolken“ und der sympathischen Art, der irgendwann auch mal Model, Schauspieler und Fußballer war, genau der Marteria.

Als Support des zweiten Teiles der Roswell-Tour darf sich Rapper 3Plusss auf Hip-Hop-Begeisterte freuen, die lässig im Takt seiner Tracks den Arm wippen lassen. Der in der Szene schon lange bekannte Essener feuert die Stimmung der Phoenixhalle mit Tracks aus seinem 2016er-Album „Gottkomplex“ ordentlich an. In der kurzen Pause stehen aufgeregte Fans an den Bars an, erhaschen einen der beliebten Marteria-Becher, auch ich kann diesem Erinnerungsstück nicht widerstehen.

Wenig später: Tiefe Bässe nehmen den großen Raum ein, das Licht blitzt im Takt auf und erlischt wieder, alle Augenpaare richten sich in Richtung Bühne, es geht los. Endlich!

Aus Area 51 wird Marteria 51.

Die Stimmung schaukelt, oder eher tanzt sich nach dem „Roswell„-Intro schnell hoch und dann, plötzlich, mitten in der zweiten Strophe von „Aliens„: schwarz. Stromausfall. Komplett. Das Publikum lässt sich erstmal nicht beirren, singt einfach Acapella weiter. Nach endlos langen 10 Minuten beginnt die große LED im Hintergrund der Bühne wieder zu leuchten, die Musiker betreten wieder die Bühne, „Endboss“ startet. Nach 2 Sekunden ist alles vergessen, die jubelnde Menge feiert Marteria einfach weiter, lässt sich nicht stören. „Dortmund, man kann auch laut klatschen!“ – was eine Ansage.

Die gute, ausgelassene Stimmung des großen Publikums spiegelt sich auf der Bühne wider, auf welcher der Rapper selbst sichtlich Spaß am Konzert hat, ebenso seine Bühnen-Entourage. Neue Songs wie „El Presidente“ und „Das Geld Muss Weg“ mischen sich mit „Bengalische Tiger“ (samt Pyrotechnik) und Marteria-Klassikern a lá „Verstrahlt„. Getanzt und mitgesungen wird hier bei jedem Song, egal von welchem Album. Der Rostocker füllt die riesige Phoenixhalle mit jede Menge Testosteron, es ist mächtig, groß, wahnsinnig gut. Nicht umsonst zählt er seit Jahren zu den beliebtesten (Live-)Künstlern des Landes, spielt große Festivalshows, verkauft in Windeseile Hallen aus und ist bei Alt & Jung beliebt.

Ich heb ab zum Mars, 10.000 Grad, seh‘ 1000 Farben, bin so schön verstrahlt. Ich denk nicht mehr nach, brauch keinen Schlaf, brauch keinen Plan – ich bin so schön verstrahlt.

Was auf einem Marteria-Konzert keinesfalls fehlen darf? Der kleine Gastauftritt von Marterias Alter Ego MARSIMOTO. Die Halle taucht in dickem grünen Rauch unter, in giftgrünem Anzug inklusiver glänzender Maske gibt er eine kleine Perfomance zum Besten, Kinder schauen ihre Eltern fragend an, die grinsen nur wissend und singen hier und da die Zeilen von „Grüner Samt“ mit.

Als Marteria zurückkehrt, hat er eine Abfolge von Songs im Gepäck, die besser nicht sein könnte. Noch einmal durchatmen, dann beginnt das Hitfeuerwerk. Bevor das Konzert sich dem Ende neigt, breitet sich (zumindest bei mir) bereits eine riesige Vorfreude auf den kommenden Festivalsommer aus, wo Marteria natürlich nicht fehlen darf.

Alle hab’n ’nen Job, ich hab‘ Langeweile. Keiner hat mehr Bock auf Kiffen, Saufen, Feiern. So ist das hier im Block, Tag ein, Tag aus. Halt‘ mir zwei Finger an den Kopf und mach‘: „Peng! Peng! Peng! Peng!“

Autorin: Anna Fliege / Photocredit: Nina Paul

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