Man kennt das: im Jahr 2019 klingen Indie-Alben hochwertig produziert und pikfein. Fast vergessen sind die Tage, an denen Longplayer mit halbguten Equipment aufgenommen wurden, man im Hintergrund ab und an etwas fallen hörte und das Gefühl hatte, mittendrin zu sein. Jaja, damals war alles besser. Das dachten sich Maxïmo Park auch und nahmen Hits und Underdogs ihrer sechs Studioalben und B-Sides noch einmal in den Vada Studios in der Nähe von Birmingham auf. Bereit für ein bisschen Nostalgie?


Ein Artikel von Anna Fliege – Mit „A Certain Trigger“ sprang die britische Band 2005 auf den erfolgreichen Indie-Zug auf und wurde schnell zu einer der Dauerbrenner. Zwei Jahre später, 2007, veröffentlichten sie mit „Our Earthly Pleasures“ ein Album, welches ich noch heute zu meinen liebsten zähle. Darauf auch der Radio-Indieparty-Dauerbrenner „Books from Boxes„, den jeder von uns spätestens nach 2 Beck’s schief mitgröhlen kann. Die Live-Version schließt das 10 Song-starke Album ab, hier aber schon zu Beginn der passende Ohrwurm:

„This paper trail leads right back to you.
You say you need me to step outside.
You spent the evening unpacking books from boxes.“


Ein weiterer Blick auf die Tracklist offenbart Klassiker wie „Girls Who Play Guitars„, „Limassol“ und „I Want You To Stay“ vom Debütalbum. Aber auch einen B-Side-Schatz namens „A19„, den man als treuer Langzeitfan noch irgendwo hinten im Herzen verstaut hatte. Das war es dann aber auch schon mit der richtigen Nostalgie. Die restlichen Tracks der jüngeren Alben stammen aus Zeiten, in denen Indie nur noch nach 20 Uhr im Radio dudelt und auf Festivals wie dem Hurricane so richtig aufblüht. Gut sind die Songs natürlich trotzdem, grad „Get High (No, I Don’t)“ vom bisher letzten Album „Risk to Exist“ von vor zwei Jahren ist ein Song mit Potential und Mitsing-Qualität.

Mir würden noch gut 10-15 Songs einfallen, die sich nicht auf „As Long As We Keep Moving“ finden, aber wir sind hier ja nicht bei Wünsch-dir-was. Konzentrieren wir uns also auf das, was da ist. Das Probenraum-Flair springt über und man wünscht sich prompt, dass Bands aus dieser Ecke wieder mehr Musik mit Ecken und Kanten machen würden. Hier lassen sich alle Insturmente, Chord für Chord herausfiltern. Der wummernde Bass, die aus dem Verstärker dröhnende E-Gitarre. Man möchte unweigerlich Airdrums oder Luftgitarre spielen.

„You’ve been with me a year to the day,
three hundred and sixty five days watching me decay.
We used to talk about girls who play guitars,
we used to talk about plans in tiny bars.“


Und dann wäre da noch Frontmann Paul Smith mit seiner brillianten Stimme. Der großgewachsene Brite mit dem charakteristischen Hut, den darunter hervorblitzenden dunklen Locken und den grandiosen Hemd-Sakko-Kombis, der tanzen kann wie niemand sonst. Bei dem Gedanken bin ich wieder zurück in 2007 und bekomme Herzklopfen.

As Long As We Keep Moving“ ist kein bahnbrechendes Werk, aber eine liebevolle Geste an die Fans und die Arbeit der Band. Der Titel lässt viel Spekulations- und Interpretationsfreiraum. Nur eins ist klar: Maxïmo Park sind noch lange nicht fertig.



Autorin: Anna Fliege / Photocredit: Steve Gullick