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McFly & „Young Dumb Thrills“: Ein alterndes Pop-Debut

McFly & „Young Dumb Thrills“: Ein alterndes Pop-Debut

Zehn Jahre hat es gedauert, bis McFly endgültig wieder zusammengefunden hat. In den Jahren dazwischen haben die verschiedenen Mitglieder insgesamt mindestens zehn Bücher geschrieben, an drei Reality-Shows teilgenommen und zwei Solokarrieren gestartet. Die Schlussfolgerung: Ohne Einander kommen sie doch nicht aus. 2019 ein Reunion-Gig in der Londoner O2-Arena, auf die eine EP mit ‘verlorenen’ Songs folgt. Letztendlich die Ankündigung des sechsten Albums: Young Dumb Thrills.

Ein Artikel von Carla Rosocha – Nach fast einer ganzen Dekade ein neues Album rauszubringen und für ein Publikum relevant zu bleiben ist schwierig, besonders wenn man einst eines der erfolgreichsten Pop-Band-Debuts in Großbritannien war.

Dem Albumcover nach zu urteilen, geht die Band wohl davon aus, dass ihre Fans seit 2009 keinen Tag gealtert sind: Es zeigt einen Teddybär in Kaugummi-Pink mit einem Regenbogen, einer lächelnden Sonne und einer Wolke auf der Brust. Inhaltlich beschäftigt sich Young Dumb Thrills zu einem Großteil mit dem Älterwerden.

Die Songs, die bereits als Single erschienen sind, wie Happiness, das auch das Album eröffnet, bringt spätestens mit dem Einsatz der Trompeten wirklich gute Laune, und auch Tonight’s the Night hat durch die Bassline wirklich Potential.

Dann hingegen gibt es einige Songs, unter anderem den Titeltrack, die musikalisch und textlich wirklich wenig hergeben. Wer will vier erwachsene weiße Männer davon singen hören, wie es ist alt zu werden? Auf Growing Up kriegen sie zu dem Thema sogar noch Verstärkung, Mark Hoppus von Blink-182 gesellt sich als Fünfter dazu. Bei Another Song About Love lässt der Songtitel schon zusammenzucken, der Text selbst hat auch noch weitere Lowlights, wie die Zeile I want to sing about addiction, but I don’t smoke’?. Der Song Sing or Sink wäre besser geworden, ohne den elektronischen Einfluss und reduzierter.

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Trotzdem, es gibt neben den Singles noch andere Glanzpunkte des Albums. Eine Besonderheit ist, dass Dougie Poynter, der Bassist der Band, erstmals öfter singt. Das sollte besonders alteingesessenen Fans gefallen.

Mad About You gibt endlich etwas über die Lebensrealität der Briten her (neben der Information, das Altwerden sehr problematisch zu sein scheint). Die Gitarre zu Beginn ist gut, der Refrain ist catchy und zum Ende ist der Lead-Sänger Danny Jones noch mal vor reduzierten Instrumenten zu hören, bis der Song am Ende ausklingt. Die vier Briten können also doch noch solide Songs schreiben.

Ein weiterer Lichtblick ist Wild and Young, der genauso Bruce Springsteen-mäßig klingt wie Sam Fender oft. Dann schließt Not The End das Album positiv ab, im Outro lachen nochmal alle – damit auch klar ist, dass sich die Boys wieder verstehen.

Es scheint, als ob McFly gerade nicht genau wissen, wo sie stehen. Das spiegelt sich in Young Dumb Thrills wieder. Die Band wird ihren Erfolg Anfang der 2000er aller Voraussicht nach nicht mehr wiederholen, das wäre ohnehin sehr schwer. Es gibt es einiges Vielversprechendes auf diesem Album und darauf sollten sich die vier konzentrieren.

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