Endlich ist es wieder soweit, endlich regieren in der Stadt aus Eisen wieder die Beats – das Melt! Festival 2019 startet in einen ersten richtigen Tag. Gewohnt ist dabei sowohl das Publikum als auch das Line-Up selbst. Der heiße Asphalt von Ferropolis wird zum Dance Floor, die Nacht wird zum Tage gemacht.


Ein Artikel von Anna Fliege – Wie schnell so ein Jahr rumgehen kann, nicht? So präsent sind die Erinnerungen an das letztjährige Melt! Festival noch. Doch nun wird es Zeit, neue Eindrücke, Lieblingsmomente und Herzklopf-Augenblicke zu sammeln. Mein Fazit des ersten Melt!-Tages:


Die Stimmung

Nach einer ausverkauften Pre-Party auf dem Sleepless Floor (unter anderem mit Star-DJ Bonobo) eröffnet heute endlich das weitläufige Festivalgelände. Die einen springen in den eiskalten See, andere beginnen sogleich mit dem, wofür jeder hier da ist: Tanzen, tanzen, tanzen! Die Stimmung ist ausgelassen, aber nicht überschlägig, man ist hier allgemein sehr umsichtig.

Das Wetter

Darauf vorbereitet, dass es (mal wieder) ein heißes Melt!-Wochenende wird, habe ich die Regenjacke sorgenlos daheim gelassen. Begrüßt werden wir, nachdem der Scheibenwischer stundenlang der Autobahn im Takt der Musik von links nach rechts wischte, mit dunklen Wolken über Ferropolis. Kurze Zeit später brechen sie über uns herein, doch schon bald bricht die Wolkendecke auf und lässt die Sonne durch. Glück gehabt!

Die Konzerte

Mit Cari Cari und Giant Rooks beginnt der Abend auf der Melt Stage Indie-Gitarren-lastig. Eine in diesem Jahr eher spärlich besetzte Kategorie im Line-Up. Der neue Star am Electronica-Himmel Elderbrook bespielt die Seebühne und kurz ist die Überlegung da, gegen alle Pläne am heutigen Abend doch noch kurz ins kühle Nass zu springen und den Briten von dort aus zu schauen. An der von Highsnobiety kurratierten Stage geben sich Newcomer und nicht mehr so geheime Geheimtipps wie Nilüfer Yanya und Charlotte Adigéry die Klinke in die Hand. Als die Sonne untergangen ist, holt RIN seinen ausgefallenen Auftritt vom letzten Jahr endlich nach und bringt das Melt!-Publikum zum Durchdrehen. Fette Bässe und Moshpits dominieren den Abend. Als Headlinerin verzaubert Jorja Smith ganz Ferropolis. Auf dem Sleepless Floor wackeln wir zu Honey Dijon, die Melt Stage wird von niemand Geringerem als Modeselektor für die heutige Nacht geschlossen.

Highlight des Tages

Können Giant Rooks nur zwei Wochen, nachdem ich sie beim Kosmonaut Festival zu meinem Highlight des Tages ernannt habe, schon wieder diesen Titel erhalten? Sie können. Zur Primetime füllt und füllt sich das Platz vor der Mainstage immer mehr. Die aufstrebenden Indiestars aus dem beschaulichen Hamm treffen zum ersten Mal auf das Melt! Festival und beim Publikum einen Nerv. Umringt von strahlenden Gesichtern und den imposanten Stahlkränen bringen Fred & Co die Füße in Bewegung. Es ist schön zu sehen, wie sich Giant Rooks von Konzert zu Konzert steigern, noch selbstbewusster und -sicherer werden und die Herzen der musikliebenden Meute im Sturm erobern, eins nach dem anderen.

Überraschung des Tages

Das Jorja Smith eine Wahnsinnsfrau und begnadete Künstlerin ist, ist kein Geheimnis, keine Neuigkeit, keine Frage. Doch wie die blutjunge Britin mit ihrem Debütalbum „Lost & Found“ und ihrem unverkennbaren Lächeln problemlos den ersten Headliner-Slot des Wochenenedes übernimmt und den Platz großflächig füllt, ist der Hammer. Die einzigartige Mischung aus modernem Jazz, R&B, Soul und einer Prise Herzschmerz-Pop zieht einen unweigerlich in Jorjas Bann.

Ohrwurm des Tages

Nicht nur das Tages, eigentlich ständig: RIN mit „Dior 2001“. Dass der Bietigheimer Rapper seinen „Planet Megatron“-Hit gleich zwei Mal im Laufe seines Auftritts spielt, tut dann sein Übriges. „Baby weiß nicht, wo ich bleib‘ (wo ich bleib‘), oh, nein (wo ich bleib‘), ja. Ich bin hier nicht mehr allein (nicht allein), oh, nein (nicht allein), ja.



Autorin: Anna Fliege / Photocredit: Lisa Schulz