Nur allzu schnell vergisst man, dass außerhalb der Tore Ferropolis eine andere Welt existiert. So schön, so harmonisch und in Ordnung ist hier alles. Nun bleibt uns noch ein letzter Tag des diesjährigen Melt! Festivals, um die Alltagsflucht auszuleben.


Ein Artikel von Anna Fliege – Ginge es nach mir, das Melt! könnte noch 1-2 Wochen weitergehen. Hier trifft Safe Space auf Industrieromantik, Gelassenheit und erstklassige Musik für jeden Geschmack. Kein Wunder also, dass man wehmütig seufzend eine letzte Runde über das weitläufige Gelände dreht, jeden Moment so gut wie möglich zu konservieren versucht und im Herzen schon längst weiß, dass man im nächsten Sommer wiederkommen wird. Mach es gut, Ferropolis, wir sehen uns 2020.


Die Stimmung

Nichts, wirklich nichts kann die Laune der rund 20.000 Besucher an diesem Wochenende trüben. Auch am dritten Tag investieren viele der Anwesenden Zeit, Geld und Liebe in ihre Outfits, sehen damit mal cool, mal phantasievoll aus. Jeder hat hier ein Lächeln für den anderen bereit, egal ob man sich in den letzten Tagen schon einmal über den Weg gelaufen, der Zeltnachbar oder ganz fremd ist.

Das Wetter

Gegen Mittag lässt uns ein Donnern aus der Ferne aufhorchen. Wenige Sekunden später ist auch das letzte blaue Fleckchen am Himmel verschwunden, es beginnt zu regnen. Nicht schon wieder. Glücklicherweise hält sich das schlechte Wetter in Grenzen, des Unwetter vom Vorabend bleibt zum Glück aus. Von jetzt auf gleich scheint die Sonne wieder, als wäre nichts gewesen und das gute Wetter hält sich bis zum Schluss.

Die Konzerte

Grime-Fans kommen an diesem Wochenende wirklich auf ihre Kosten. Nach slowthai und Stormzy am Samstag, steht mit Skepta eine Londoner Grime-Legende auf der Melt Stage und lässt die Energy Crew erneut ausflippen. Vor ihm stehen Newcomer Gus Dapperton und die Band Boy Pablo aus Norwegen auf der Bühne. Am Gremmin Beach gibt es derweil geniale Köpfe wie FKJ, Ross from Friends (der mit einem Live-Set die Herzen der Musikfans erobert) und Produzent KAYTRANADAThe Black Madonna beherrscht in der Nacht die Big Wheel Stage. Der große Headliner des Abends: Bon Iver.

Highlight des Tages

An dieser Stelle fehlen mir erhlich gesagt die richtigen Worte. Es mag abgedroschen klingen, das 90-Minütige Konzert von Bon Iver als unbeschreiblich zu bezeichnen, aber irgendwie trifft es das dann doch zu gut. Konzerte von Justin Vernon und seiner Band sind auf deutschem Boden eine Rarität, ein Auftritt auf einem deutschen Festival noch besonderer, noch exklusiver. So wird das große Abschlusskonzert zu einem unvergesslichen, einzigartigen Moment.

Das Publikum schaut der Band gebannt dabei zu, wie sie uns mehr und mehr in ihren Bann ziehen. Es ist so ruhig, dass ich häufiger vergesse, von wie vielen anderen Menschen ich umringt bin. Da sind Augenblicke, da gibt es nur mich und die Musik. Selbst, wenn ich 11 Jahre auf dieses Konzert gewartet habe: ich war niemals darauf vorbereitet, wie gut es werden würde.

Überraschung des Tages

In der Abendsonne noch ein letztes Mal zum Strand und in den kühlen See springen, besonders, nachdem dieser Plan – Achtung, Witz kommt flach – ins Wasser fiel. Die musikalische Untermalung für’s Plantschen und „oooh viel zu kalt“-Rufen lieferte FKJ. Der französische House- & Electronic-Artist ist für seine atemberaubenden Soloperformances bekannt, in denen er sich als Meister des Loop-Boards entpuppt. Auf Platte schon cool, aber live ein absolutes Highlight!

Ohrwurm des Tages

Mit größter Vorfreude fiebere ich dem Ende des Sets von Grime-Legende Skepta entgegen, denn dank meiner Neugier wusste ich bereits, welcher Song das Konzert abschließen würde: „Shutdown“. Und so ergeht es scheinbar nicht nur mir, denn sobald das ikonische Drake-„Trust me Daddy„-Snippet ertönt, holt die Energy Crew ein letztes Mal zur total Eskalation aus. Jeder springt für sich oder inmitten des Moshpits, laute „Shutdown“-Rufe untermalen die Szenerie.



Autorin: Anna Fliege / Photocredit: Lisa Schulz