Gute Laune!

Als am Freitagnachmittag die Tore zum Ferropolis-Gelände öffnen, läuft die Party bereits auf Hochtouren. Der Sleepless Floor ist bereits gekapert, die Stimmung bei bestem Sommerwetter gut. Hallo, MELT FESTIVAL 2018!

Erst gestern erreichte uns per Melt-App die Nachricht, dass Cloud-Rap-Star RIN gesundheitsbedingt absagen musste. Um den Slot nicht im Sande verlaufen und HipHop-Fans trotzdessen glücklich zu machen, springt kurzerhand sein bester Workbuddy YUNG HURN ein. Der kommt gerade von einem Überraschungsgig auf dem Zeltplatz und liefert dem Publikum eine, naja wie soll man sagen, besondere Show. Die Kontroversen um den erfolgreichen Jungspund sind groß, gerade in den letzten Tagen. Man liebt ihn oder man versteht ihn nicht. Viele feiern den Auftritt, andere gucken kritisch von der Seite. Bei „Bianco“ aber wippt dann selbst der größte Kritiker heimlich mit. Im Mittelpunkt steht sowieso die von Yung Hurn so oft eingeforderte GUTE LAUNE!

Besonders interessant wird es sowohl heute, als auch morgen auf der Superdry Sounds-Bühne. Die Modekette steht als prominenter Namensgeber für eine kleine Bühne bereit, die aufstrebenden Künstlern und bereits etablierten Größen der Szene eine Plattform gibt, um sich bei den Besuchern des Melt Festivals einen Namen zu machen.

Den Namen BLVTH haben wir für heute rot umrandet, denn der junge Wahlberliner ist gerade dabei, sich in den Musikolymp zu katapultieren. Seine Musik ist elektronisch, trap-ähnlich, düster-grungig, grenzüberschreitend – kurzum wahnsinnig spannend und gut! Dass das auch live funktioniert, beweist er vor den zahlreich erschienenen Fans gleichermaßen nervös und selbstbewusst.

Let’s try some new hopes

Später steht auf der gleichen Bühne eine uns gut bekannte AU/RA, die wir zu Beginn des Jahres zu einem herzlichen Interview treffen durfen (KLICK). So jung das Mädchen mit den endlos langen grünen Haaren auch ist, so talentiert ist sie. Ihre Songs erreichen auf den Streamingplattformen Klicks im Millionenbereich. Dass Au/Ra also keine Unbekannte mehr sein dürfte, spiegelt sich auf dem prall gefüllten Platz vor der Bühne wieder. Neben ihren eigenen Hits gibt es obendrein noch ein famoses Cover-Medley.

Gleichzeitig tanzt sich die Meute vor der am Strand gelegenen ModeSelektor-Bühne zu MOUNT KIMBIE in den Abend. Das Londoner Electro-Duo, das sich live als Quartett aufstellt, verwandelt die Area unterhalb der mächtigen Stahlbauten des Geländes in eine homogene Partytruppe. Ein verträumtes Lächeln reiht sich an das nächste, Kenner/Fans jubeln frenetisch bei dem ein oder anderen Start eines Tracks. Zum großen Finale servieren Mount Kimbie natürlich „Made To Stray„, die Ekstase ist perfekt.

Obgleich der Nachmittag mit deutschsprachigem Rap startete, steht der weitere Verlauf des Abends im Zeichen des US-Raps. Der 27-Jährige TYLER, THE CREATOR ist ohne große Mühen bereits eine wahnsinnig beeindruckende Persönlichkeit. Doch der Hüne mit der dunklen Stimme ist obendrein noch eins der größten Talente dieser HipHop-Era, zuletzt konnte man sich davon mit „Flowerboy“ überzeugen lassen. Reflektierte, kritische Texte, dazu dicke Beats – das Melt Publikum liebt’s! So beweist das Festival bereits am ersten Abend, wie zugänglich und vielschichtig es ist.

And it’s Friday night and it’s kicking in

Größer könnte der Kontrast nach einem so epischen Rap-Gig eigentlich gar nicht sein. Der Stilbruch ist perfekt, als Florence Welch auf die Sekunde pünktlich mit nackten Füßen anmutig die große Melt Stage betritt. FLORENCE + THE MACHINE kehren wild umjubelt nach einigen Jahren Pause in die deutsche Festivalszene zurück.

Mit „High As Hope“ veröffentlichte die britische Band vor ein paar Tagen ihr viertes Studioalbum, genial wie eh und je. Wie gut sich die neuen Songs (so spielen sie neben „Hunger“ und „Sky Full Of Song“ auch „100 Years„, „Big God“ und „Patricia„) in die Diskografie einfügen, zeigt sich mit einer harmonischen Setlist, die zwischen Träumerei und Dramatik tänzelt.

Das hier ist viel mehr als nur ein einfaches Headlinerkonzert. Florence bringt mit ihren warmen, ehrlichen Worten Ferropolis zum lächeln, sie lässt uns Sorgen vergessen und Kummer loslassen. Die Sängerin springt in der Menge umher, es ist trotz der großen Menschenzahl so intim. Die schönste Gruppentherapie, die man sich nur ausmalen könnte! And it’s hard to dance with a devil on your back, so shake him off.


Autorin: Anna Fliege // Photocredit: Dominik Huttner

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