Die Misfits sind der Inbegriff des Horror-Punks. Tiefschwarze Kleidung, zu Totenköpfen geschminkte Gesichter und Musik die ihre Einflüsse aus Rockabilly, Punkrock aber auch Metal zieht. Aus der Musikgeschichte ist die in den späten 70er Jahren entstandene Band nicht wegzudenken


Ein Artikel von Lisa Schulz – In ihrer Originalbesetzung war Glenn Danzig bis 1983 Frontmann und Sänger der Misfits, bis sich die Band auflöste und dann 1995, allerdings ohne Danzig, neu gründete. An seine Stelle trat Michale Graves, der mit einigem Hin und Her bis 2000 Sänger der legendären Band blieb und auf den Alben „American Psycho“ und „Famous Monsters“ zu hören ist.

Obwohl nicht der Band, ist Michale Graves der Musik treu geblieben, tourt unter eigenem Namen und performt seine Songs aus der Misfits-Zeit so wie eigene, später entstandene Werke. Der beliebte Sänger zieht auch heute noch eine große und vor allem treue Fangemeinde an. Sieht man Graves auf der Bühne mit seinem Publikum reden, weiß man auch direkt warum der Musiker auch noch Jahre nach seiner Zeit als Misfits-Frontfigur ankommt. Michale Graves ist nicht nur unglaublich talentiert, und schafft es mit seiner eindringlichen Stimme in Mark und Bein zu treffen, er ist so ganz nebenbei auch noch ein verdammt sympathischer Mensch.



Schon seine Wintertour 2018 war ein voller Erfolg, mit ausverkauften Shows und vielen glücklichen Fans. Diesen Sommer spielt Graves daher noch einige Zusatzshows und machte am 03. August in der Studentenstadt Münster halt. Die Location hätte hierfür nicht besser gewählt sein können. Die Sputnikhalle befindet sich am Ende eines Industriegebiets, ist durch zahlreiche Konzerte und Partys abgerockt, ein wenig düster und bietet durch die kleine Bühne direkt eine intime aber nicht beengte Atmosphäre. Schon gegen 20 Uhr füllt sich der große, mit Bierbänken und alten Ledersofas ausgestattete Hof der Sputnikhalle mit schwarz gekleideten Menschen. Keine Überraschung, dass einem darunter das ein oder andere Misfits-Shirt begegnet.



Michale Graves und seine Band betreten um 21 Uhr unter lautem Applaus und Geschrei die Bühne. Bekleidet mit einer weißes Zwangsjacke, das Gesicht als Totenkopf geschminkt und einen schwarzen Zylinder tragend, ist Graves eine faszinierende Erscheinung. Seine Bühnenpräsenz ist von Minute eins an überwältigend und auch sein Publikum gibt von Anfang bis Ende der Show alles. Zwischen Songs wie „American Psycho“, „Living Hell“ und „Scream!“, merkt man Graves seine Freude an der Musik an. Er sucht den Kontakt zum Publikum, schenkt einem Fan in der ersten Reihe seine noch zuvor um den eigenen Hals getragene Kette und erklärt seinen Fans, warum er nach all den Jahren und trotz Familie, die zuhause auf ihn wartet, immer noch auf Tour geht – um genau den Fan-Kontakt und das Gefühl der Zusammengehörigkeit zu erhalten, welches auf dem Münsteraner Konzert so vertreten ist.

Am Ende seines zweistündigen Powersets, nur noch die Hälfte der Schminke im Gesicht und verschwitzt, nimmt sich Graves für jeden Fan Zeit, macht Fotos, unterhält sich, hört sich Geschichten an. Michale Graves ist Musiker mit Leib und Seele, und einfach ein Typ, den man gern haben muss. 


Foto & Presse: Lisa Schulz