Am gestrigen Freitagabend verzauberte Sängerin Mine das ausverkaufte Kölner Luxor mit einer Mischung aus Charme und musikalischer Genialität beim Tourauftakt ihrer intimen Herbstshows.


Ein Artikel von Anna Fliege – Die Stadt am Rhein zeigt sich zum Wochenendbeginn noch einmal von ihrer netten, sonnigen Seite, auch, wenn es langsam aber sicher immer kälter wird. Doch Herbstzeit ist Klubkonzertzeit! Und mit wem könnte man diese Saison besser einleiten, als mit Mine?

Nach ihrer letztjährigen Zusammenarbeit mit Fatoni mit dem daraus resultierenden Album „Alle Liebe Nachträglich“ (eins meiner liebsten Alben 2017) und der dazugehörigen Tour (hier gibt es den Bericht aus dem letzten Dezember), steht Mine wieder auf den Brettern des Landes. Die vergangenen Monate nutze sie zur intensiven Arbeit an einem neuen Album, am heutigen Freitag veröffentlichte sie mit „Spiegelbild (ft. AB Syndrom)“ einen ersten Vorgeschmack.

Mine ist eine Frau, die sich in der deutschsprachigen Musikszene abhebt. In einer Welt voller Künstlerinnen, deren Namen denen der Diät-Tortenrezept-Promiklatsch-Zeitungen unserer Mütter gleichen und so einzigartig wie Sandkörner am Meer sind, befindet sie sich auf einem ganz anderen Level. Hier bekommt man Handarbeit vom Feinsten, nicht nur auf ihren Alben, auch live. Sie singt, sie spielt Keyboard und nebenbei sampelt sie noch ihre eigene Stimme. Das alles wird komplimentiert durch die tiefgehenden Texte, die Herzen brechen und heilen können.

Im Gepäck hat sie diesmal weder Fatoni noch ein ganzes Orchester, sondern lediglich ihre Drummerin und ihre Bassistin. Doch das goldene Trio bringt einen Sound auf die Bühne, irgendwo zwischen fragil und brutal (gut), dass es gar nicht mehr braucht. Neben Lieblingssongs aus ihren Alben „Das Ziel ist im Weg“ und „Mine“ kommen die Besucher, deren Altersdurchschnitt nicht ermittelt werden kann, so bunt gestreut ist es, auch in den Genuss von Fatoni-Features – ohne Fatoni. Auch wenn man wie ich den Rapper liebt und schätzt, so wird er nicht wirklich vermisst, denn Mine und auch ihre Drummerin Philo vertreten die wortgewandten Parts erstklassig.

Zwar gibt es die neue Single „Spiegelbild“ nicht in der Liveversion, dafür aber drei andere, brandneue Songs aus dem kommenden Album. Besonders „Nichts“ hat er mir angetan und wird nach Release sicherlich in Dauerschleife laufen. Zwischen den Songs der wunderschön kuratierten Setlist glänzt Mine mit humorvollen Ansagen, die spontan und ehrlich sind, keine ausgeklügelten, einstudierten Lines, sondern Mine wie sie auf der Bühne leibt und lebt. Sie lacht, wir lachen, am Ende lachen alle gemeinsam, wie es sich für ein so intimes Konzert nun einmal gehört.

Last, but not least soll in diesem Artikel auch der Supportact des Abends Erwähnung finden: BLINKER aus Mannheim, ein großgewachsener Typ mit dunkler Stimme, findet im Kölner Publikum neue Fans. Nachdem ich vor einiger Zeit schon seinen Song „Pinke Blicke“ entdeckte, freute ich mich riesig über seine Teilnahme am Konzert. Was in den Streaming-Sphären schon genial klang, klingt live noch einmal 1000x besser. Hier dürfen wir uns hoffentlich bald auf mehr Futter für die Ohren und Herzen freuen!

Leider endet das Konzert nach viel zu kurzer Dauer, doch schöne Momente enden immer zu schnell, nicht? Nun ist es an der Zeit, sich auf das kommende Album zu freuen, das laut Mine zum Beginn des nahenden nächsten Jahres erscheinen soll.


MINE live

20.10.2018: Ulm, Roxy
21.10.2018: Heidelberg, Halle02
22.10.2018: Regensburg, Alte Mälzerei
24.10.2018: Augsburg, Kantine
25.10.2018: Freiburg, Jazzhaus
26.10.2018: Dresden, Groove Station
27.10.2018: Potsdam, Waschhaus



Autorin & Photocredit: Anna Fliege