Die Arctic Monkeys sind eine der erfolgreichsten britischen Rockbands unserer Epoche, Dauerbrenner in jeder Indiedisko – und sie sind endlich wieder da. Unerträglich ruhig war es um die Band aus Sheffield, die seit ihrem unfassbar erfolgreichen Debütalbums „Whatever People Say I Am, That’s What I’m Not“ im Jahre 2006 in erstaunlich kurzen Abständen erstaunlich gute Alben (jeder hat da ja so seinen personal favourite) veröffentlichten. Ihr letztes Album „AM“ erschien 2013, das letzte Konzert spielten sie im November 2014 – und dann kam diese Pause. Die einen gründeten Familien, die anderen tourten mit Iggy Pop (Drummer Matt Helders) oder begnügten sich mit ihren anderen Bandprojekten (Sänger Alex Turner mit den The Last Shadow Puppets).

Beinahe hätte man verdrängt, dass es überhaupt ein neues Arctic Monkeys-Album geben könnte, eine vierjährige Bandpause fühlte sich irgendwie nach Trennung an. Im letzten Jahr endlich verdichteten sich die Gerüchte, zu Beginn dieses Jahres folgten Livetermine, letzte Woche spielten sie ihren ersten Konzerte und heute, endlich, das 6. Arctic Monkeys-Albums „Tranquility Base Hotel & Casino„.

„I just wanted to be one of The Strokes, now look at the mess you made me make.“

Man entfernt sich bereits mit den ersten Klängen, deren Muster sich wie ein roter Faden durch 11 Tracks zieht, von einem massentauglichen Radiohit-Album, wie es „AM“ war. Auch als Hörer sollte man sich schleunigst von Gleichungsversuchen fern halten, denn diese würden zu nichts führen (Spoiler: man tut es ja trotzdem). Der Sound ist jazz-ig, klavierlastig und besitzt diesen besonderen 60er Jahre-Flair, der uns aus dem Jahr 2018 herauskatapultiert und an einen fernen Ort führen möchte. Zurück in die Nischenmusik, weg vom Indie-Brit-Rock, den die Bands einst neu erfand.

Die erneute Arbeit am The Last Shadow Puppets-Projekt mit Musiker-Freund Miles Kane haben bei Sänger Alex Turner, der sich für die Grundideen der Songs verantwortlich zeichnet, weitreichende Spuren hinterlassen, die auf „Tranquility Base Hotel & Casino“ zum Vorschein kommen. Zu Beginn säuselt sich Turner über Klavierklänge, die hier erst einmal die erste Geige spielen soll, nur so durch die Tracks. Eine zurückhaltende Eleganz umgibt den neuen Longplayer. Mit „Golden Trunks“ endet diese Grundstimmung glücklicherweise abrupt, wenn auch ohne großartige Gewalt – hey, da sind die starken Bass- & Gitarrensaiten ja, die wir alle so lieben.

„All the nights that never happened and the days that don’t exist at the information action ratio, the only time that we stop laughing is to breathe or steal a kiss. I can get you on the list for all the clubs, I can lift you up another semitone“

Schon nach dem ersten Konzert der „Tranquility Base Hotel & Casino„-Zeitrechnung und unzähligen verwackelten Live-Mitschnitten wurde dem eingefleischten Fan der Sheffielder klar, welcher Song der Album-Leader sein würde. „Four Out Of Five„, ein 5 Minuten-Brecher, der einen Armdrück-Wettbewerb der Songs mit Leichtigkeit für sich gewinnen würde, ist der Arctic Monkeys-esque Song des Albums. Er bringt all das vermisste Sexapeal der letzten Tracks und die vermisste Metaphorik der letzten Alben auf einem Schlag zurück. Fast, als wären Song 1 bis 5 eine Art Vorspiel gewesen. Ab hier bleibt es verführerisch.

Und sprechen wir schon von der Genialität, kommen wir nicht drum herum, den Song-Titel „The World’s First Ever Monster Truck Front Flip“ zu zelebrieren. Für sonderbare Titel ist die Band nicht unbekannt und herrlich zudem die Erklärung, die Alex Turner im Interview mit Entertainment Weekly offenlegte: „That was verbatim a news story I was unable to resist clicking on about a year ago, and I was unable to resist naming a song after it.

Willkommen in der neuen Ära. Nicht nur der Sound ist ein neuer, auch der Stil und ja, vielleicht sogar das Lebensgefühl haben sich angepasst. Pommade und Lederjacken wurden gemeinsam mit dem verrucht-sexy „AM„-Sound gegen glamourösen Jazzsound, Bärte (gegen den von Alex Turner starteten Fans sogar eine Petition) und neuen Art von Eleganz ausgetauscht. Mit „Batphone“ könnten sie glatt den nächsten Bond-Song musikalisch untermalen.

Na klar, die Nostalgie der ersten Arctic Monkeys-Alben wird uns wohl niemals loslassen. Doch für eine Band wie die Arctic Monkeys, die sich mit jedem ihrer Alben neuerfand, ist Album Nummer 6 ein nachvollziehbares Puzzlestück ihrer aufregenden Karriere. Der Prozess des Erwachsenwerdens bleibt auch vor der Band, die vor 12 Jahren noch plakativ und protzig „Who The F*ck Are Arctic Monkeys?“ fragten, nicht verborgen. „Tranqulity Base Hotel & Casino“ ist ein mondänes, hochwertiges Album mit Nachhaltigkeitspotential, das vielleicht nicht in der ersten Runde auf ganzer Strecke überzeugen mag, bei weiterer Betrachtung jedoch genial wie eh und je daherkommt.


Autorin: Anna Fliege / Photocredit: Zackery Michael

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