Als die Besucher des Konzertes die Location der Live Music Hall verlassen und im Rudel Richtung Bahnhof Ehrenfeld laufen, pfeift einer von ihnen laut „Riptide“ – das Lied, das wir vor wenigen Minuten noch kollektiv mitgesungen und dabei freudig getanzt haben. Jeder trägt hier ein Lächeln auf den Lippen, mal zurückhaltender, mal extrovertierter, immer irgendwie da. Aber von Anfang an.

Lady, running down to the riptide, taken away to the dark side, I wanna be your left hand man. I love you when you’re singing that song and I got a lump in my throat cause you’re gonna sing the words wrong.

Ein verregneter Tag in der rheinischen Domstadt, nach anfänglichen Frühlingstagen ist es nass, viel zu kalt und trist. Die zahllosen Plakate auf dem Weg zur Live Music Hall sind durchgeweicht. Von ettlichen dieser Plakate schaut der australische Sänger Vance Joy die vorbeilaufenden Passanten an. Es berichtet davon, dass am heutigen Dienstag mitten im März das Konzert stattfinden würde, auf welches viele der Fans schon 3 1/2 Jahre warten, nachdem der Künstler damals im Gloria gastierte. Noch einmal um die Ecke, dann lässt sich die Live Music Hall auch schon die Straße runter erahnen.

Nicht nur sein neues Album „Nation of Two“ (Review) hat Vance Joy im Gepäck, auch eines der vielversprechendesten Talente des Jahres: Lily Moore. Die 19-Jährige aus Brighton zeichnet sich nicht nur mit diesen wunderschönen britischen Akzent & Humor aus, sondern lässt Kinnladen runterklappen. Mit einer Stimmgewalt, die sich ohne Weiteres mit Größen wie Amy Winehouse und Adele vergleichen lässt, bezaubert sie die große Menge vor der Bühne. Gerade einmal einen Song gibt es von ihr auf den üblichen Streamingportalen zu hören, „Not That Special“ fand dabei allerdings schnell Platz in lobpreisenden Playlists. Noch ist sie ein Geheimtipp, schon bald werden wir sicher mehr von ihr hören!

Nun aber zum Gastgeber des heutigen Abends. Punkt 21 Uhr betritt die fünf-köpfige Band die Bühne, nach einem kurzen Intro folgt ihnen Vance Joy höchstpersönlich. In der Hand eine Gitarre, im Gesicht ein breites Lächeln: so begrüßt er seine Fans, so wird er den ganzen Abend verbringen. Begleitet von Trompete und Posaune wirkt das Treiben auf der Bühne, sei es bei den Songs des Debütalbums „Dream Your Life Away“ oder der Nachfolgerplatte, grandios lebendig, das Zusammenspiel der Musiker breitet eine grundfreudige Stimmung in den vier Wänden der Live Music Hall aus, viele der Konzertbesucher tanzen, singen mit, strecken euphorisch die Arme in die Luft. Besonders „Like Gold“ klingt live so schön, man wollte sich glatt wünschen, dass dieser Song niemals enden würde.

Zwischendrin verlässt die Band die Bühne, nun steht der großgewachsene Lockenkopf aus Melbourne ganz allein in Begleitung seiner Gitarre auf der Bühne. Das kleine Akustikset verpasst hier nicht nur mir Gänsehaut. Irgendwann aber lässt er die Gitarre dann doch mal beiseite, für den neuen Song „Saturday Sun“ kommt die Ukulele, der wir am heutigen Abend noch einmal begenen werden, zum Einsatz. Ein Konzert wie im Bilderbuch, wie gemalt. Die Stimmung ist wie der Sound, die Performance und das allgemeine Miteinander: sehr gut. Das letzte Lied vor der Zugabe lautet „Mess Is Mine„, einer meiner jahrelangen Lieblingssongs.

Als Zugabe gibt es noch den neuen Song „Lay It On Me„, bevor zum Grande Finale noch einmal die kleine Ukulele ihren Weg auf die Bühne findet. Ganz klar, was hier heute der krönende Abschlusssong wird: „Riptide„.

Autorin & Photocredit: Anna Fliege

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