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Neu auf dem Videomarkt #216

Neu auf dem Videomarkt #216

Die letzten Schneeflocken haben sich mittlerweile aufgelöst und der Ruf nach dem Frühling wird immer stärker. Besonders gut, wenn sich zeitpassend viele neue Musikvideos für unsere Emotionsbatterie angesagt haben.

KAFFKIEZ

Vor genau einem Jahr entschließen sich 5 Landeier aus dem Süden Deutschlands ein neues musikalisches Projekt ins Leben zu rufen. Drei Singles später läuft KAFFKIEZ in großen Radiosendern (z.B. Bayern3, SWR3, EgoFM), feiert über eine Million Streams auf Spotify und versammelt eine eingeschweißte Fangemeinde um sich. In all dem Trubel um die Band machen die Jungs einfach weiter das, was sie am besten können – handgemachten, mitreißenden und unpolierten Indie.

Fewjar

Wir erinnern uns an den Moment in den 90ern, in dem wir auf der Rückbank des Familienautos Papa beobachten, wie er uns sicher durch die Nacht bringt.
Heute sitzen wir an seiner Stelle. Allein. Und die verschwommenen Lichter der nächtlichen Autobahn rauschen an uns vorbei. Das Radio spielt die Klassiker von damals, die aber nur wie weit entfernt an unser Ohr dringen. Talk Talk, Status Quo und dann Grönemeyer. Und als die Morgensonne aufgeht sind wir im kontemporären Indie Sound angekommen. Wir hören die soundliche Finesse von Tame Impala, die Klarheit von Roosevelt und die anmutige Poesie des deutschsprachigen Indie.
Das Bild, das sich nun vor uns ergibt, lässt sich in keiner anderen Sprache so treffend beschreiben wie in der Muttersprache der Band. AUTOBAHN ist der erste bilinguale Track des deutschen Indie Trios. Und er könnte nicht näher an der heutigen deutschen Identität sein.

Texas

Es ist eine höchst willkommene Rückkehr: Texas präsentieren ihr aufregendes neues Album „Hi“ und lassen ihre Rock-Soul-Muskeln so richtig spielen: 14 Tracks, die zweifelsohne zu den besten ihrer einzigartigen Karriere gehören. Texas sind eine Band in ihrer Blütezeit, die durch den Schwung ihrer erst kürzlich gefeierten Kollaboration mit dem Wu-Tang Clan noch beflügelt wird.

Als Sharleen Spiteri und Bassgitarrist Johnny McElhone 2018 einige Outtakes von den ursprünglichen ‚White on Blonde‘-Sessions fanden, von denen sie schon ganz vergessen hatten, dass sie überhaupt existieren, entstand ursprünglich die Idee, dass diese unentdeckten Perlen als ‚verlorenes‘ Album veröffentlicht werden könnten. Beim Anhören der Tracks jedoch wurden sie zu neuem, wirklich starkem Material inspiriert.

„Unsere Aufregung darüber, diesen Schatz an Songs gefunden zu haben, kollidierte mit unserer Aufregung von damals und völlig ungeplant entstanden so neue Songs“, erklärt Sharleen. „Man könnte also sagen, wir wurden durch uns selbst inspiriert!“

„Hi“ ist das mittlerweile zehnte Album von Texas und ein beeindruckendes Ergebnis, das aus einem Blick zurück in die Vergangenheit resultiert, während die Augen jedoch fest auf die Zukunft gerichtet sind.

Drei der Songs entstanden während der Zeit des Lockdowns in Schottland, Wales, LA und Schweden. Zu den Kollaborationen gehört u.a. „Dark Fire“, geschrieben mit Richard Hawley, dessen wunderschöne Melodie den Geist des Engtanzes auf dem Highschool-Ball heraufbeschwört, während „Look What You’ve Done“ ein mitreißendes, klassisches Duett ist, bei dem sich Sharleen die Strophen abwechselnd mit Clare Grogan (Altered Images) teilt.

„Mr. Haze“ ist eine durch und durch soulgetränkte und von einem Donna Summer-Sample angetriebene Motown-Nummer. Mit der eindringlichen Klavierballade „Unbelievable“ findet sich gleich ein weiteres Highlight des Albums, das vor allem durch seine einfühlsamen Lyrics besticht. „Wir machen normalerweise keine Balladen“, gibt Sharleen zu. „Aber diese hier ist wirklich hängengeblieben. Die Worte sind sehr persönlich, während die Musik sehr episch klingt.“

„Just Wanna Be Liked“ erinnert an die Wurzeln Band – zu gleichen Anteilen Morricone und Wim Wenders. „Alle unsere Alben haben cineastische Songs“, resümiert Sharleen. „Vor allem Morricone hat immer noch einen großen Einfluss. Und selbst wenn wir uns auf unsere Vergangenheit beziehen, so schreiben wir doch auch aus dem Hier und Jetzt heraus. Wenn man es schafft, von dem, was man erreicht hat, etwas Abstand zu bekommen, erhält man eine gänzliche andere Perspektive. Unser Ziel war immer nur, großartige Musik zu machen.“

Und zu unserem Glück haben Texas genau das getan. Das neue Album „Hi“ ist ein wahrer Triumph, den es zu genießen gilt.

Sinead O’Brien

Mit der irischen Dichterin & Musikerin Sinead O’Brien betritt eine ambitionierte neue Zeremonienmeisterin aus dem Chess ClubKader den pop-orientierten Spoken Word Ring. Auf ihrer neuen Single „Kid Stuff“ präsentiert sich die hauptberufliche Vivienne Westwood-Designerin mit der beißenden Beobachtungsgabe der Sleaford Mods, der Attitüde eines Mike Skinner und viel Reminiszenz an die lyrische Erhabenheit von Kae Tempest. Kaum verwunderlich also, dass eben jener Produzent Dan Carey (M.I.A, Hot Chip, Fontaines DC) auch bei Sinead O’Brien federführend war.

Sinead O’Brien fängt alltägliche Momente und Begebenheiten in einem Zustand ein, der sich jeglicher Genre-Restriktion und Zuordnung zu widersetzen vermag. Neben sozialanalytischer Beobachtung fließen sowohl der Realismus Mark E. Smiths, sowie Patti Smiths als auch literarische Einflüsse wie Samuel Beckett, W.B Yeats, Flann O’Brien, Joan Didion und Albert Camus in ihre imposanten Werke.

Mit unbändiger Energie ebnet „Kid Stuff“ den triumphalen weiteren Weg nach O’Briens kritikumjubelten Debüt-EP „Drowning In Blessings“ – und das auf ihre ganz eigene Art, so die Künstlerin: “‘Kid Stuff’ shows up all different tones on different days. There’s something alive in it which cannot be caught or told. It is direct but complex; it contains chapters. This feels like our purest and most succinct expression yet.”

In UK ist Sinead O’Brien bei Tastemakern wie NME, BBC Radio, The Fader, Stereogum, etc. auf dem besten Weg zum Household Name und auch hier sollte man sie mit ihrem intonierten Spoken Word, intelligenter Lyrik und fesselnder Poesie als mögliche Thronfolgerin von Kae Tempest auf dem Schirm haben.

 Joris

Am 20.4.21 startet die neue „Sing meinen Song“-Staffel auf VOX mit Joris und am 23.4.21 erscheint  sein neues Album „Willkommen Goodbye“.

„Scho(e)n verrückt.. Ich erinner mich: an die Nacht, als ich um 4 Uhr aufgewacht bin und von einem Oneshot Video geträumt habe..
Tippen ins Handy.. Am nächsten Tag aufgeregte Anrufe.. Ein paar Tage später stehe ich an einem wunderschönen See mit einem wundervollen Team und einer unglaublich toll spielenden @swalina … doppelte Geschwindigkeit – Rückwärts – fast verzweifelt – Grenzgang (wie immer) – und dann DER TAKE – unglaublich glücklich..
Hätte nicht gedacht, dass kleine Träume in der heutigen Zeit so schnell mit dem richtigen Willen, den richtigen Leuten und der richtigen Energie umgesetzt werden können! (JORIS)

Millie Turner

Hast du jemals versucht, nachts allein auf der Straße zu tanzen, während die Welt um dich herum schläft und keiner darüber urteilt? Falls ja, dann hat die britische Künstlerin Millie Turner mit ihrer neuen Single „Concrete Tragedy“ genau die richtige musikalische Begleitung für deinen nächtlichen Tanz im Mondlicht. Der schräge Dance-Pop-Banger erschien am 26.02. via AWAL Recordings und bekommt heute das offizielle Video dazu! Gleichzeitig kündigte Millie Turner auch ihr Mini-Album „Eye Of The Storm“ für den 16. Mai an. Auf dem Mini-Album ist u.a. eine Überarbeitete Version ihres Breakout-Songs „Underwater“ zu finden, mit dem Millie Turner erstmals für Furore sorgte.

Millie Turner liebt es, beim Songwriting Kulissen zu erschaffen. Über „Concrete Tragedy“ erklärt sie selbst: “Concrete Tragedy takes place in the late night streets of London, when the world is asleep but your imagination is alive! It encapsulates the liberating feeling of dancing through streets alone with the shadows, you become so in-tune and in love with the world in darkness and yourself in it.”

Wie für alle Menschen hatte auch Millie’s Jahr 2020 eine sehr chaotische Wendung genommen: sie war gerade dabei, mit dem Leftfield-Pop-Phänomen Tove Lo auf Tournee zu gehen, als Covid-19 zuschlug. Aber genau wie die Botschaft ihrer Songs, bleibt ihre Musik temperamentvoll und aufbauend. Die jugendliche Freude in ihrer Musik kann man locker neben Sigrid oder Lorde einordnen. Ihre letzten beiden veröffentlichten Songs „Jungle“ und „January“ waren international erfolgreich und erreichten in Italien und Deutschland die Radiocharts.

See Also


Luvre47

Luvre47 startet mit „Low key“ in das Jahr 2021 und bringt mit seiner neuen Solo Single frischen Sound zum Abschied der kalten Jahreshälfte. „Red nicht viel und Handel weise will die Bäckerei statt Torte. Lieber Herr über mein Schweigen als der Sklave meiner Worte!“ 
Nach der Collabo EP „Zweimalvier“, die Ende letzten Jahres zusammen mit Bangs erschien. Kommt Lu weniger düster, aber mit gewohnt frecher, authentischer Straßenschläue um die Ecke und macht Hunger auf mehr! 

Esther Graf

Die 21 jährige Österreicherin und Wahl-Berlinerin, welche vor allem mit den Singles „Wasted“ oder „Letztes Mal“ feat. Olexesh auf sich aufmerksam machen konnte, kombiniert auf ihrer neusten Veröffentlichung modernen R‘n’B mit freudige HipHop-und Pop-Elementen und vertont zu effektverzerrten Gitarren und 808s Vibes die Probleme der jugendlichen: Von zu wenig Geld für Mahnungen und die Miete, aber dafür viel zu viel Alkohol und Zigaretten. Von leeren Smartphone-Akkus aber 135 offenen Chats und von Phasen, in denen einen scheinbar nur noch Britney Spears versteht.

Greta Isaac

Bisher haben wir die walisische Sängerin sehr laut und schrill erlebt. Doch „FU“ zeigt ganz ungeschminkt eine andere Seite von Greta Isaac.

Während sich Greta unaufhaltsam auf den Release ihrer EP zubewegt, dient „FU“ jetzt als letzter Appetizer. Die Intimität und das Storytelling ihrer Lyrics spiegeln sich hier in der Instrumentierung wieder – nur Akustikgitarre und ein paar Harmonien unterstützen Gretas zarte Stimme. „Ich hatte ein kindliches Gefühl von Scham und Trauer, als ich den Song geschrieben hab. Für mich ist es das musikalische Pendant dazu, sich in eine Decke kuscheln und vor der Last seiner Erfahrungen verstecken zu wollen, damit man sich nicht damit auseinander setzen muss. ‚FU‘ ist eine Art Lesezeichen in meinem Leben, aber wenn ich das Lied jetzt anhören, habe ich das Gefühl, ich kann diese Kapitel schließen. Und wertschätzen, was ich aus dieser Geschichte gelernt habe.“

Duzoe

„Ich bin das Therapiezentrum für Leute, die nicht wissen wohin mit sich“, sagt Duzoe in der Introspektion. Der Hamburger Rapper ist eine Ausnahmeerscheinung in der deutschen Musiklandschaft. Während er selbst an einer bipolaren Störung und schweren Depression leidet, arbeitet er als Sozialpädagoge in der stationären Jugendhilfe mit jungen Menschen, deren Verbleib in der Herkunftsfamilie aktuell nicht möglich ist. Diese mannigfaltigen Erfahrungen machen Duzoes Musik zu einer einzigartigen Projektionsfläche für seine Hörer und damit zu einer Möglichkeit, eigene Erlebnisse zu verarbeiten.

Hektik, Schweiß, niemals stehen bleiben

Auf „RUN DMC“, der zweiten Videosingle seines am 09.07. erscheinenden Debütalbums „watchmeburn“, steht Duzoe ständig unter Storm – Hektik, Schweiß, niemals stehen bleiben. Mit ehrlicher Anti-Haltung setzt er den offensiven In-die-Fresse-Sound seiner Band ODMGDIA radikal, treffend und humoristisch auch solo um. „RUN DMC“ ist ein Stresstest für die Nerven, für die Live-Situation geboren, braucht Strobo-Gewitter, will Boxensysteme zerstören.

Das Gegenbeispiel einer perfekten Welt

Die Musik von Duzoe ist das Gegenbeispiel für eine Welt, die von Instagram-Filtern und Perfektion bestimmt wird. Auf seinem Debütalbum „watchmeburn“ spricht er Unsagbares aus, behandelt in aller Offenheit Tabuthemen wie mentale Teufelskreise, depressive Phasen und Suizidgedanken. Über die Jahre schuf Duzoe damit einen introvertierten Gegenentwurf zum Hochglanz-Rap, textete aus tiefsten Abgründen, immer mit dem Herz auf der Zunge – und einem verdammten Butterfly-Messer in der Brust.

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