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Neu auf dem Videomarkt #220

Neu auf dem Videomarkt #220

Die Inzidenzzahlen sinken und die Temperaturen steigen ganz langsam. Zeit, sich auf den Sommer zu freuen und vorher mit Hilfe von Musikvideos sich stimmungstechnisch schon mal aufzuwärmen.

Boy Destroy

Der schwedische Newcomer Boy Destroy präsentiert das Video zu “Lights Out“. Dieser Track ist sein Lieblingssong aus seiner Debüt-EP “Warpaint“, die letzten Monat über Loyalty Obsession erschien.

Boy Destroy sagt selbst über “Lights Out“: “This is about a person I used to know. She caught a few lucky breaks after high school and moved to Stockholm to try and make it as an actress. As the years went by she always seemed so close to getting the parts she wanted but they were always just out of reach. She was always second or third when it came to actually landing the gigs. As the years went by she started to grow bitter with herself, the industry and the people in it. We shared a certain kinship when it came to toying with ones mind and senses and that’s how we found each other. A dark room in a suburb, mourning our innocence lost, listening to The Smiths and shutting the rest out.“

Nobody’s Cult

Nobody’s Cult aus Rouen teilen mit “Hangover” einen weiteren Vorgeschmack auf ihr am 11. Juni erscheinendes Debütalbum “Mood Disorders”. Dabei verspricht der Titel der neuen Single nicht zu viel: Mit einem langsamen und zugleich lautstark pochenden Intro beginnt “Hangover” wie der typische Morgen nach einer durchzechten Partynacht, in der zu viel Alkohol floss. “One hundred million shots blow up my brain, Each and every morning I reset the game” singt Sängerin Lena Woods im kraftvollen Refrain mit einer energischen Stimme, bevor kurz darauf die nächste Strophe das Tempo wieder reduziert, ohne dabei an Lautstärke zu verlieren. Ganz im Sinne eines Hangovers bildet der Song so musikalisch geschickt zwischen Fuzz und Heavy-Rock die Stimmungsschwankungen am Morgen danach ab – perfekt eingefangen vom zugehörigen Musikvideo.

renforshort

renforshort hat mit der Single „fall apart“ einen weiteren Vorboten auf ihre kommende zweite EP „off saint dominique“ veröffentlicht, die am 04. Juni erscheinen wird. Neben der neuen Single wird die EP unter anderem auch die bereits veröffentlichten Tracks „virtual reality“ und „exception“ enthalten, die in den vergangenen Wochen bereits über 4 Millionen Streams gesammelt haben. „fall apart“ ist die erste Single, die die 19-jährige Sängerin aus Kanada selbst produziert hat, für den Song hat sich renforshort Verstärkung vom aufstrebenden Newcomer glaive geholt.

renforshort selbst erzählt:
“‘fall apart’ is very, very special to me for many reasons. For starters it’s the first song I helped produce which is so exciting! I picked up the guitar and started to play around. I played something and Stint thought it was dope so we just went with it. This song has been a favorite song of mine for so long now, I feel like I’ve been waiting forever to put it out, I knew it needed a feature though and that’s why it was taking even longer, legit a year later I knew who I wanted to do it and we got glaive on it, who is probably one of my favorite artists ever, so I’ve been so excited about that for so long now and I think it’s a really cool song :)”

Mei River

Der schwedische Produzent, Sänger und Songwriter Mei River alias Fredrik Eriksson teilt seine neue Single „Honeycomb“ zusammen mit einem surrealen Video. Mit seinen mitreißend schimmernden, sprudelnden Indie-Pop-Grooves könnte es Fredriks fröhlichster und hoffnungsvollster Track bisher sein, der die Euphorie des Verliebtseins feiert („I feel so good tonight“, wie der Refrain lautet). Der Song wurde co-produziert von Björn Yttling, dem Mitglied der legendären schwedischen Band Peter Bjorn and John, zu dessen Produktions- und Songwriting-Credits solche Acts wie Lykke Li, Lana Del Rey, Franz Ferdinand und viele mehr sowie auch der allseits bekannte Song “Young Folks” zählen. „Honeycomb“ ist bereits die dritte Single von Mei River dieses Jahr, nach den zuvor veröffentlichten Tracks „On My Own“ und „Pixie In The Sky“.

Das offizielle Video zu „Honeycomb“ ist unter der Regie von Simon Bendroth entstanden: es spielt in einer surrealen Welt und folgt dem Alien-Protagonisten auf seinem Abenteuer. Actiongeladen und überraschend, schafft es einen spannenden Kontrast zum sanften Sound des Tracks. Fredrik erklärt, wie das Video entstanden ist: “I always think it’s fun to do new things, curveball people when they think they know what the next song will sound like or the next video will look like. This video was an idea that grew into something bigger really quickly. It’s kind of fun to see how far you can take something stupid until someone says stop, and sometimes (like in this case) nobody says stop haha. In the video, we follow Lil green boi who gets lost in a strange world. He just wants to go home, but he can’t do it alone. Follow him on this epic journey in the search for the portal juice, and friendship, that will bring him home.”

Eau Rouge

Eau Rouge präsentieren mit “Vienna“ einen kraftvollen, sehnsüchtig-optimistischen Indie-Rock-Ohrwurm, der mit seinen mitreißenden Gitarrenriffs, atmosphärischen Klängen und treibendem Groove Lust auf den Sommer macht. Dabei erzählen sie von einem Sehnsuchtsort, etwas im Leben, auf das man erwartungsvoll hinarbeitet und treffen damit einen Nerv der Zeit. Die stimmungsvollen Gitarrenriffs untermalen zusammen mit der kraftvollen Rhythmusgruppe und dem hoffnungsfrohen Gesang diese fiktive Reise nach Wien und stellen Eau Rouge in eine Reihe mit aufstrebenden Bands wie Giant Rooks und Leoniden. Der neue Song folgt auf die vorige Single „Saturation“.

„Glaubt es oder nicht, wir haben es noch nie nach Wien geschafft. Nicht als Band, nicht als Individuen. „Wien“ ist für uns zu einer Vision geworden, zu einem Sehnsuchtsort. Jeder hat sein eigenes Wien – es kann ein Ort sein, es kann aber auch eine Person sein, eine Errungenschaft im Leben, etwas, das man sich wünscht, ein Ziel, auf das man hinarbeitet“, erzählen die drei Musiker. Wien als Sehnsuchtsort – vor allem, wenn man die Stadt nicht besuchen kann.

Sarah Proctor

Das Video zu „Lost“, das unter der Regie von Harry Law entstand, handelt von den emotionalen Verwerfungen, die Sarah als Jugendliche durchlebt hat: Aufgewachsen in einer Kleinstadt, war es für sie ein langer, oftmals schwieriger Weg, bis sie die eigene Sexualität entdeckt, verstanden und akzeptiert hatte. Sie habe oft ganze Tage damit verbracht, Filme, TV-Sendungen und Online-Angebote zu durchforsten, um sich auf diese Weise zu vergewissern, dass sie damit nicht allein war, dass ihre Gefühle nicht falsch waren, auch wenn sie nicht der gesellschaftlichen Norm in ihrem direkten Umfeld entsprachen. Fürs neue Video sei es daher oberstes Ziel gewesen, die Beziehung zwischen zwei jungen Frauen möglichst nicht sexuell aufzuladen, sondern stattdessen die emotionale Ebene, die intensive Bindung zwischen den beiden zu beleuchten – in der Hoffnung, dass dieses Video wiederum anderen Heranwachsenden, die in einer vergleichbaren Situation sind, das Gefühl gibt, nicht damit allein zu sein.

uzee

„Sag mir, ob wir uns irgendwann wieder sehen?“ – unausgesprochene Frage einer Begegnung, die einen so schnell nicht mehr loslässt. Das gilt auch für die zweite Single „Farben“ des Berliner Künstlers uzee. Im Kontrast sanfter Melodien und poppiger Trap-Elemente finden unterdrückte Gefühle in einer breiten Klangpalette Gehör.

„Ohne dich ist die Welt so farblos“ trifft der Song ins Schwarze. Und fasst musikalisch und lyrisch das in Worte, was keiner Worte bedarf. In Erinnerung an eine heimliche Leidenschaft stellt sich die Frage nach Liebe oder Freundschaft, dem gemeinsamen Sprung ins kalte Wasser oder Kontaktabbruch. Und findet Antwort in unerwiderten Gefühlen: „Und du schreibst, es tut dir schrecklich leid“.

Ohne Kitsch und Pathos: Während die Lyrics den Balanceakt zwischen Emotionen und Ehrlichkeit meistern, rutscht die Affäre in ein Ungleichgewicht. Sie setzt auf die Stabilität ihrer Beziehung, er schwankt zwischen Zuneigung und Abschied – ein nicht erst seit dato Shakespeare zeitloses Thema in musikalischer Neuauflage. „Farben“ bietet ein Kaleidoskop gesanglicher und instrumentaler Facetten und zugleich Aussicht auf ein neues Spektrum Hip-Hop in der deutschen Musikszene.

Crewkid

Der Hannoveraner Rapper Crewkid heißt mit seiner neuen Single „T-Shirt-Wetter“ den Frühling willkommen und versprüht im Musikvideo die passenden warmen Vibes. Mit Skateboard, Dauerlächeln und lockeren Flows im Gepäck durchstreift er die Grünflächen Hannovers an den ersten warmen Tagen des Jahres. Die bildlichen Reime auf dem verspielten Trap-Beat ergeben ein perfektes Zusammenspiel für Crewkids Liebesgeständnis an den Frühling, seine Hood und besten Freund*innen. Schnappt euch diesen Track und genießt das „T-Shirt-Wetter“!

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Taha

Nachdem mit „Benzin“ eingeheizt und „Panikk“ verbreitet wurde, steht nun Tahas dritte Single „666“ in den Startlöchern. Durch laute Gitarren und eingängige Melodien bringt uns „666“ zurück zu den glorreichen Zeiten des Pop-Punks. Der Song ist eine Liebeserklärung an die modernen Hexen dieser Welt. Das neue Video ist unter der Regie von Andreas Horvath entstanden und beinhaltet als Hauptfigur das von Dre Bugacci entworfene Taha Kuscheltier.

Spätestens jetzt kristallisiert sich heraus, dass uns Taha mit dem für den 02. Juli 2021 angekündigten Album „Medizin“, den Soundtrack für einen zauberhaften Sommer liefert und sich dabei musikalisch auslebt wie er Lust und Laune hat. Punkk eben.

Edwin Rosen

So langsam lichtet sich der Nebel um die Person und die Musik von Edwin Rosen. Was irgendwie überfällig ist, denn die wenigen Songs, die der Anfang 20-Jährige aus Stuttgart ins Netz stellte und nur so halb im Ernst, aber sehr treffend als „neueneuedeutschewelle“ deklarierte, waren so verdammt gut, dass Presse und Fans neugierig mit den Hufen scharrten. Die neue Single „Verschwende deine Zeit“ wird das noch verstärken: Wie schon bei „leichter/kälter“ und „Die Sonne in deinem Zimmer“ ringen in den zweieinhalb Minuten heiß und kalt miteinander. Der Song beginnt mit einem akustischen Gruß aus „Twin Peaks“, dann stampft ein stoischer EBM-Beat los und während im Hintergrund Synthie-Sägen an der Kopfhaut schaben, streichelt eine Cure-Gitarre das Herz und Edwin Rosen singt mit tiefer, voller Stimme: „Ich verschwende meine Jugend, verschwende mein Geld / Ich verschwende meine Hoffnung und alles zerfällt / Ich verschwende meine Zeit / Ich verschwende meine Zeit mit dir.“ Und bevor hier jemand klugscheißert: Ja, die DAF-Referenz ist auch gewollt.

Edwin Rosen hat große Freude im Referenzkarussell, aber es wirkt bei ihm niemals streberhaft. Wer mit dem Musiker spricht, erlebt eher ein blühendes Beispiel, wie Entdeckungsreisen in die Historie der Popkultur das Leben reicher machen können. Wenn man nach der DAF-Zeile fragt, freut er sich. Wenn man ihm sagt, dass er seine wenigen Worte in einem Song so perfekt in Zeilen und Bilder packt, dass man an Grauzone denken muss, fühlt er sich geehrt und erzählt, dass er ein Skateboard hat, auf dem „Marmelade und Himbeereis“ steht – sein Lieblingssong von Grauzone. Das hätte man sich als Musikjournalist nicht besser ausdenken können.

Aber wie kam dieser besondere Sound denn nun zustande, der natürlich historisch aufgeladen ist, aber durch Edwins Spiel eher zeitlos schön wirkt: „Das hört man vielleicht jetzt nicht mehr so, aber Blink-182 waren eine sehr wichtige Band für mich. Die haben bei mir den Wunsch geweckt, selbst Musik zu machen. Durch ‚All Of This‘, bei dem Robert Smith singt, habe ich dann zum Beispiel The Cure entdeckt. Außerdem bin ich Skater und habe viele Skater-Videos geschaut, in denen Cure-Songs oder New Order und so genutzt werden.“ So habe sich Edwin mit viel Neugier und mit Hilfe der Platten seines Vaters schon als Teenager in Punk, Post-Punk, New Wave und „diverse Subgenres des Punk“ hineingegraben. „Als ich dann begann Musik zu machen, wollte ich unbedingt alles alleine aufnehmen können – das hat die Instrumentierung natürlich sehr beeinflusst.“ Für den finalen Mix half ihm dann sein Freund und Produzent Philip J. Brooks, der ihm von Anfang zur Seite stand. Die präzisen, fast kargen Texte seien dann eher den besagten „diversen Subgenres des Punk“ geschuldet, die ihn sehr inspiriert haben. Die Sprachbilder wiederum speisen sich in Teilen aus seiner Liebe zu Filmen wie „Badlands“ von Terrence Malick, „Eraserhead“ von David Lynch oder „Donnie Darko“ von Richard Kelly – Zitate aus diesen Klassikern findet man auch immer wieder auf Edwins Instagram-Account @bettausrosen, den er ebenfalls mit einer sehr poetischen Bildsprache betreibt.

Man merkt es hoffentlich schon an diesem Text: „Verschwende deine Zeit“ ist ein Motto, das mit Sicherheit nicht gilt, wenn man sich mit diesem Musiker beschäftigt. Eine Debüt-EP ist schon kurz vor der Vollendung – und wenn die kommt, wir es weitere Einblicke geben in die neblig schöne Welt und Kunst des Edwin Rosen.

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