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New Fall Festival 2018: Chaos und Glückseligkeit bei Mac DeMarco

New Fall Festival 2018: Chaos und Glückseligkeit bei Mac DeMarco

An dem gestrigen ungemütlichen, grauen Donnerstagabend mache ich mich auf dem Weg zum Kunstpalast Düsseldorf, wo das diesjährige New Fall Festival mit einem Konzert von Mac DeMarco eröffnet wird. Dass dieses Konzert jede Vorstellung, die ich von dem kanadischen Musiker bisher im Kopf hatte, sprengen wird, ist mir zu diesem Zeitpunkt noch nicht bewusst.


Ein Artikel von Maren Schüller – Das New Fall Festival besteht nun seit acht Jahren und bringt jeden Herbst internationale, interessante Künstler auf die Bühnen der coolsten Konzertlocations Düsseldorfs. Für den Eröffnungsabend wurde der Robert-Schumann-Saal im Kunstpalast ausgewählt, der ein wunderbar warmes Ambiente verbreitet.

Der kurz vor knapp doch noch ausverkaufte Abend wird pünktlich um 20 Uhr von Jackie Cohen und ihrer Band eröffnet. Die aus New York stammende Sängerin überzeugt mit fröhlichem 70s Pop und einer Stimme, die stark an Stevie Nicks erinnert – ein perfekt ausgewählter Voract für Mac DeMarco.

Während der Umbaupause wird das Publikum von der diesjährigen Moderatorin des Festivals und von Thomas Geisel, dem Oberbürgermeister Düsseldorfs, begrüßt. In der Menge von superlässig gekleideten Mittzwanzigern herrscht bereits überall gute Stimmung und Vorfreude auf den Hauptact des Abends.
Um Punkt 21 Uhr ertönt plötzlich das Kinderlied „I love you, you love me“ aus der US-amerikanischen Kinderserie „Barney & Friends“, während Mac DeMarco und seine 4-köpfige Band mit Bier ausgestattet auf die Bühne tänzeln. „Salad Days“ als Einstiegssong ist direkt ein Treffer, das Publikum ist sofort dabei. Nach dem zweiten Song legen Mac und seine Band eine kurze Bierpause ein, machen dabei Witze übereinander und lachen zusammen mit der Menge.

„As I’m getting older, chip up on my shoulder /
Rolling through life to roll over and die“

Man merkt, wie die Stimmung immer lockerer und trotz des prallgefüllten Saals immer intimer wird. Ohne jeglichen Show-Schnickschnack stehen fünf Typen vor einem schwarzen Vorhang auf der Bühne, nehmen sich selbst überhaupt nicht ernst und liefern trotzdem – oder genau deswegen – ein großartiges Konzert ab.
Es ist die Formlosigkeit des Auftritts, die ihn zu so einem besonderen macht. Immer wieder tänzelt der kanadische Musiker im Kreis auf der Bühne herum und schwingt dabei das Mikrofon durch die Luft. Tiefenentspannt und super geschmeidig macht die Band einfach, was sie am besten kann: Musik spielen, Bier trinken und herumalbern. Man kann gar nicht anders als mitzulachen, und so lässt sich der ganze Robert-Schumann-Saal innerhalb kürzester Zeit zu den wunderschön-schrägen Gitarrenmelodien fallen.
Die Setlist ist für jeden Fan ein Traum – von „On A Level“ über „Cooking Up Something Good“ und „My Old Man“ bis „Chamber Of Reflection“ ist alles dabei. Nach knapp einer Stunde kündigt Mac DeMarco zwei letzte Songs an, und es fühlt sich an als würde der ganze Saal denken: Bitte geht noch nicht!

„Daddy doesn’t wanna go to bed EVER AGAIN!“

Und sie gehen wirklich nicht. Nach dem letzten Song verlässt der Sänger die Bühne und prompt wird der Auftritt vom Gitarristen Andrew Charles White übernommen – der zusammen mit der Band auf einmal eine Heavy Metal-Performance vom feinsten hinlegt.

Und so geht das Konzert einfach weiter. Die Band spielt Songs von Rage Against The Machine, The Police, Red Hot Chili Peppers. In den vorderen Reihen werden Moshpits gebildet und Leute über die Menge getragen, während Mac DeMarco mit einem Bier in der Hand neben dem Drummer sitzt und lachend die Szenerie beobachtet.
Nach einer weiteren Stunde Improvisation, bei der die Bandmitglieder fröhlich alle möglichen Positionen getauscht haben, ist die ursprüngliche Formation wieder vorhanden und Mac singt noch einmal kurz den Song „Still Together“. Schließlich endet das nicht enden wollende Konzert in einem nicht enden wollenden Applaus.

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Als ich den Kunstpalast verlasse, bin ich immer noch fassungslos. Obwohl es Ende Oktober ist, versorgen mich die Glücksgefühle des Konzerts den ganzen Abend mit Wärme. Und das habe ich einzig und allein Mac DeMarco zu verdanken.



Autorin & Photocredit: Maren Schüller

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