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Niall Horan & „Heartbreak Weather“: Heiter bis schmerzlich

Niall Horan & „Heartbreak Weather“: Heiter bis schmerzlich

Kommen wir nun zum Wetter: Hoch „Niall Horan“ kommt in den nächsten Tagen aus Richtung Irland auf uns zu. Mit hoher Hit-Dichte und einer prognostizierten 70%-igen Gänsehaut-Wahrscheinlichkeit bricht das „Heartbreak Weather“ über uns ein. Vereinzelt kommt es zu starken Gefühlsausbrüchen. 


Ein Artikel von Anna Fliege – Wisst ihr noch damals, als es hieß, Männer seien nicht so gefühlvoll? Würden nicht so leiden wie Frauen? Zum Glück hat sich ein Großteil der Gesellschaft von dieser misogynen Grundeinstellung abgewandt. Emotionen zeigen ist cool. Seitdem erobern (Liebes-)Kummer geplagte Mittzwanziger die Charts. Und Niall Horan ist jetzt einer von ihnen.

Horan, damals noch mit blondierter Haarpracht, wurde 2010 durch die britische Castingshow X-Factor und der daraus resultierenden Boyband One Direction weltberühmt, ja quasi unsterblich. Ein Jahrzehnt nach dem phänomenalen Durchbruch geht der Ire heute seinen eigenen Weg.

Sein Solo-Debüt „Flicker“ wurde, wie schon die 1D-Alben, zu einem Riesenerfolg. Hohe Chartplatzierungen, ausverkaufte Welttourneen, Presse und Fans, die sich um den sympathischen Sänger nur so reißen. Nun setzt der 26-Jährige mit „Heartbreak Weather“ seine eindrucksvolle Solokarriere fort.



Im Gespräch mit Late Night-Host James Corden erzählt Niall am Anfang der Woche in der „The Late Late Show„, dass es sich bei „Heartbreak Weather“ um ein Konzeptalbum handle, das unterschiedliche Sichtweisen und Phasen einer Trennung beleuchten würde: „The first thing I ever wrote down when I started writing the album was the title, Heartbreak Weather. I was like, how do I turn this into a concept album, instead of every song that I sit down to write be about me?“ (LINK zum Video)

Der Inhalt des neuen Niall Horan-Albums? Eindeutig heiter bis schmerzlich. Ein ständiges Auf und Ab in der Gefühlsachterbahn – denn Liebe und ihr Ende sind keine lineare Sache…wie das Wetter. Eine wunderschöne Metapher, die er sich da ausgesucht und voller Humor für die Albumpromo genutzt hat.



„And the weather, I was correlating to different feelings that you would have as you come out of a breakup.“


Was? Nein. Hier weint niemand, keine Bange. Das ist nur der Regen, der von meiner Nasenspitze tropft. Traurig-schöne Tracks wie „Bend The Rules“ und die zweite Single-Auskopplung „Put A Little Love On Me“ eignen sich perfekt, um an durchnässten, wolkenbehangenen Tagen verträumt aus dem Fenster zu schauen und schweren Herzens zu seufzen. Hach.

Die dramatisch-schöne Folk-Ballade „Still“ ist der ideale Kandidat für den Soundtrack eines kitschigen Liebesfilms. Und bei „San Francisco“ kann man nicht anders, als mitzusingen und mitzuleiden.

Doch der Himmel klart auf, die Sonne kommt durch. Die Vitamin-D-geladene Pop-Hymne „Nice To Meet Ya“ lässt uns den Kummer im Handumdrehen wegtanzen. Auch das hoffnungsvolle „Cross My Mind„, das irgendwie so typisch nach Niall klingt und eine perfekte Brücke zum Debütalbum schlägt.



Merkt ihr den plötzlichen, drastischen Temperaturanstieg? Das liegt ausnahmsweise nicht am (wirklich ernstzunehmenden) Klimawandel, sondern einzig und allein an „Small Talk„. Und wir dachten, „Slow Hands“ wäre damals eine sexy Nummer gewesen! Hüften werden dramatisch geschwungen, Hemdknöpfe öffnen sich wie von Zauberhand, „Tell me what you want because you know I want it, too. Let’s skip all the small talk and go straight up to your room. I’ll be thinking what I do when I’m alone with you…„. Hui. Ist Hitzefrei eigentlich noch ein Ding?

Wer einen akuten „ich vermisse One Direction„-Anfall erleidet, wird seine Genesung in die Hände von „Everywhere“ und „Dear Patience“ legen dürfen. Auf Nialls Suche nach einem „New Angel“ würde ich mich an dieser Stelle als Freiwillige zur Verfügung stellen. Auch, weil mich der dazugehörige Ohrwurm nicht mehr loslassen möchte.

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Und natürlich „No Judgement“ – ein völlig überraschender Track, mit dessem Vibe niemand gerechnet hatte, seit dem Release vor ein paar Wochen aber unangefochten auf Platz 1 meiner meistgestreamtesten Songs steht.



Niall Horan macht Wohlfühlmusik. Und das ist gar nicht abwertend, sondern ganz im Gegenteil als großes Kompliment gemeint. „Heartbreak Weather“ ist eine großartige, beachtenswerte Weiterentwicklung mit einem so gefeierten Debüt, wie es „Flicker“ war, in der Hinterhand. Ein voller Erfolg. Mutiger und selbstsicherer, aber immer noch Luft nach oben. Und das ist vollkommen in Ordnung. Denn wäre es anders nicht langweilig?

In manche Tracks wie „No Judgement“ oder „Small Talk“ verliebe ich mich Hals über Kopf, andere lerne ich nach mehreren Durchläufen schätzen, darunter Titeltrack-Opener „Heartbreak Weather“ und „Black & White„. Ein Album, das stetig an Potential gewinnt und seine musikalische Qualität dabei entfaltet.

Es tut gut zu sehen, dass sich ein Künstler mit dieser beeindruckenden Vergangenheit in einem solchen Grad treu bleiben kann, ohne repetitiv zu werden. Jemand wie er braucht keine aufgezwungenen Genres oder Images. Und jetzt flicken wir bis zur „Nice To Meet Ya“-Tour im Herbst unsere Gefühle wieder zusammen. Der Wetterbericht für die anstehende Europa-Tour ist im Übrigen schon gesetzt – denn wenn Niall Horan den Raum betritt, scheint automatisch die Sonne. Zumindest in unseren Herzen und Köpfen.


NIALL HORAN LIVE

14.10. Berlin – Verti Music Hall
16.10. Hamburg – Sporthalle
08.11. München – Zenith
09.11. Düsseldorf – Mitsubishi Electric Halle


Autorin: Anna Fliege / Photocredit: Christian Tierney

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