„Ich mach Rap wieder weich, ich mach Rap wieder traurig“ kündigt Felix Brummer über treibende Trapbeats gerappt an.“Nicht die Musik“ ist seine zweite Singleauskopplung als KUMMER.


Ein Artikel von Anna Fliege – Dicke Autos, dickere Muskeln und außer Stolz kein Anflug von Emotion sind die Standardausrüstung der gerade dominierenden Deutschrap-Garde.

Im Video zu „Nicht die Musik“ durchläuft Felix auf den zwei Minuten Tracklänge die Kollegahs Fitnessprogramm – die berühmt berüchtigte Bosstransformation. Aus dem großen schmächtigen Typen, den wir über das letzte Jahrzehnt als Kraftklub-Frontmann ins Herz geschlossen haben, wird ein muskelbepacktes Tier. Dazu posed er abwechselnd vor Tim Wieses weißen Lamborghini und einer Wand voller AK 47er. Seine Entourage ist jung und männlich, die am Ende um seinen Körper hängenden Bauchtaschen von Louis Vuitton.


„Echte Männer sind Gewinner, echte Männer weinen nicht.
Und auf jeden Fall machen sie keine verweichlichte Befindlichkeitsscheiße wie ich.“


Mit simplen und wenigen Mitteln bringt der Chemnitzer die essentiellen Stilmittel der Modus Mio-Rapper auf den Punkt. Zwar hochgradig ironisch, aber nicht lächerlich. Und weil Felix nunmal kein Arschloch ist, verzichtet er netterweise auf die Reproduktion von testorongetriebenen Sexismus, der im Hip Hop nach wie vor eine viel zu große Rolle spielt.

KUMMER spricht den unweigerlich erfolgreichen Künstlern ihren Rang nicht ignorant ab – gibt nur ganz einfach zu, dass er nicht dazugehört und es auch gar nicht vorhat.

Sein Debütalbum „KIOX“ erscheint am 11. Oktober.



Autorin: Anna Fliege / Photocredit: Videostill „Nicht die Musik“