Nina Nesbitt: solltet ihr diesen Namen noch nicht gehört haben, wird sich das spätestens jetzt ändern. Die Songwriterin bietet mit ihrem langersehnten 2. Album „The Sun Will Come Up, The Seasons Will Change“ ein großartiges Gesamtkunstwerk zwischen Melancholie und R&B inspiriertem Pop und tiefgründigen Lyrics.


Ein Artikel von Yasmine M’Barek – Das Nina alleine Musik machen und schreiben kann, wollte sie mit diesem Album beweisen. „Ich durfte unabhängig und nach meinem eigenen Kopf schreiben. Das wollte ich schon immer. Es kam auch ganz ungezwungen, es ist ein Album mit einer Ansammlung an Songs, die ich mag und kreiert habe“ sagte Nina selbst zu ihrer Platte im Interview mit uns (hier) im November. Das dies geglückt ist, zeigt sich nicht nur an der unter anderem von Taylor Swift gefeierten Single „The Best You Had“ sondern auch an Ohrwürmern wie „Empire“ oder „Loyal To Me“.

Thematisch beschäftigt sich „The Sun Will Come Up, The Seasons Will Change“ mit dem Prozess des Reifens, vergangenen Beziehungen und einer Ansammlung an Anekdoten und vor allem: Empowerment. Sie selbst sagt das dieses Album ihre Erfahrungen in den frühen 20ern beschreibt. Mit dem Song „Loyal To Me“ erschuf Nesbitt ihre eigene „New Rules“ (Dua Lipa) Version. Geschrieben hat sie ihn für eine enge Freundin, die sich selbst damit schwertue, während der Suche nach jemandem auf sich Acht zu geben.


If he never calls when he says he will
If he always tells you to keep it chill
If you see him out with another girl
Baby, then you know he was never real

If he never wants you to meet his friends
If he aint tagging u on the gram
Take your heart and turn around
While you still can


Eine weitere Hommage findet sich in dem Song „Chloe“. In diesem spricht Nesbitt über das Loslassen und Großwerden, dem Weiterziehen, sowie die Suche nach Antworten und der Härte die dabei auf einen zukommt. Der Song bildet sich aus dramatischen Passagen und melancholischen akustischen Tönen.

Ihre Lead Single „The Best You Had“ hat auch einen besonderen Hintergrund, wie Nina es auf der Bühne erzählt: „Der Moment, nach der Trennung, wenn man die Neue sieht, auf ihr Instagramprofil schaut und sie Jurastudentin in ihrer Bio stehen hat, und sich dann sagt, immer noch das Beste gewesen zu sein.“ Die Dramatik des Hits wird in Form einer mit Pop-Sounds versehenden Ballade wiedergegeben. Einen nahezu epischen Sound kreiert Nesbitt mit der Single „Empire“ der von ihrer langen Pause und ihrem großen Comeback handelt. „Gonna build an Empire“ singt sie, und melodisch tut dieser Song dies auch.

Bestimmte akustische Töne finden sich in jedem Song wieder, und auch das Klavier bleibt ein treuer Begleiter. Durch ähnliche Klänge bleibt das Album stimmig, bietet allerdings nicht viel Abwechslung. Melodisch heben sich jedoch „The Moments I’m Missing“ und „Love Letter“ insbesondere ab. In „The Moments I’m Missing“ singt Nesbitt über fundamental prägende Ereignisse aus ihrer Kindheit. Der Sound knüpft an die von Ella Mai an, aber auf eine nahezu mystische Art. „Love Letter“ erinnert an alte Hits wie „No Scrubs“ und glüht nur so vor Energie.

Das Motiv der Verletzlichkeit und Zerbrechlichkeit geben sich in nahezu jedem Song wieder, insbesondere „Somebody Special“, der die Kehrseite des Songs „Loyal To Me“ bildet. Auch der Opener des Albums, „Sacred“ bietet direkten Zugang zu Nesbitts sentimentalen Seite. Mit Zeilen wie „Cause I know strangers better than my friends“ schließt Nina mit der vergangene Era des Albums Peroxide ab, welches laut eigener Aussagen eher fremdgesteuert als selbstgewollt war. Ihre Anfang des Jahres erschiene Single „Colder“ knüpft daran an und handelt von Vertrauensverlust und innerer Kälte, die Nesbitt als Resultat des ganzen erhielt.


Used to be vulnerable
Used to be dumb
I used to Gove it all
Hot like a Firestone
100 degrees
Oh but now I’m so cold when they kiss me,
They touch me, They freeze


Der gleichnamige und abschließende Song „The Sun Will Come Up, The Seasons Will Change“ lässt die ganze Ernsthaftigkeit abklingen und hat eine nahezu beruhigende Wirkung auf den Hörer. Wie der Titel es bereits verrät, gehen auch die schlimmen Dinge vorbei. Damit schuf sie eine stimmige Abrundung dieses erfahrungsbeschreibenden Albums. Mit dem Album „The Sun Will Come Up, The Seasons Will Change“ hat Nina Nesbitt ein großartiges stimmiges Gesamtwerk geschaffen. Fest steht damit: Musikalisch gehört sie nach ganz oben, zu Künstlern wie Mabel, Ella Mai oder auch Anne-Marie. Nina Nesbitt beweist damit ihre Fähigkeiten als Songwriterin und lässt das Jahr 2019 musikalisch erfolgreich starten.



Autorin: Yasmine M’Barek Foto: Wolf James