Features gehören zum Rap wie Käse zur Pizza. Für die einen ist es ein guter Marketing-Move, für die anderen ein schönes Freundschaftsding. Aus manchen Features entstehen große Karrieren für die Einzelnen, aus anderen wiederum der Zusammenschluss zu etwas Großartigem. Manche Kollabos kommen unerwartet, auf manche hat man hingegen schon ewig gewartet.

Und weil morgen das Kollabo-Album erscheint, auf das wir alle viele Jahre gewartet haben („1982“ von Marteria & Casper), dreht sich die heutige Kolumne am Vorabend um genau dieses Thema: Features. Anna hat dafür die Kolumne an sich gerissen und 10 ihrer liebsten Deutschrap-Kollabos gesammelt. Moderne Klassiker, Underdogs und Über den Tellerrand-Schauer.


1. Juse Ju feat. Danger Dan – Propaganda

Kinder, hört mehr Juse Ju! So, jetzt hatte ich endlich mal Platz, um das auszuschreiben. Der Rapper, der nebenher noch Moderator und Drehbuchautor ist (für so Formate wie „K11 – Komissare im Einsatz“ – FUNFACT), ist ein häufig unterschätzter Juwel der Szene. Wen das noch nicht überzeugt, wird vielleicht mit dem Danger Dan-Feature, das auf der im Frühjahr erschienenen „Shibuya Crossing„-Debütplatte von Juse auftaucht, bekehrt. Super-intelligente Lines, die in feinster Kunst über die 808-Beats gerappt werden, dazu die harmonische, engelsgleiche Stimme vom Antilopen Gang-Drittel.

2. Yung Hurn feat. RIN – Bianco

Es klingt wie im Märchen: zwei bis dato weitestgehend unbekannte junge Rapper schließen sich für einen Song zusammen, der sie in Null-Komma-Nichts in den Olymp der Deutschrap-Szene katapultieren soll und sie zur Stimme der neuen Generation macht. Doch „Bianco“ ist kein Märchen, sondern für Yung Hurn aus Wien und RIN aus dem beschaulichen Bietigheim-Bissingen die glückliche Realität. Heute, 2 Jahre später, sind beide nicht mehr aus den Line-Ups der Festivals wegzudenken, ihre Touren und Alben verkaufen sich wie warme Semmeln. Was seit Release gleich geblieben ist? Der ständige „der Scheiß ist weiß – Bianco„-Ohrwurm.

3. Summer Cem feat. Bausa – Casanova

Ein ähnliches modernes Rap-Märchen erlebte Bausa, der ebenfalls aus Bietigheim-Bissingen kommt, die schwäbische Provinz ist scheinbar eine Goldgrube für erfolgreiche Rapper. Mit „Was Du Liebe Nennst“ brach er im letzten Jahr allerhand Rekorde und Herzen und zementierte seinen Namen in die Köpfe der Hiphop-Welt. Gemeinsam mit Summer Cem, ebenfalls gern und häufig gesehener Gast auf der Pole Position der Albumcharts, veröffentlichte er im Mai diesen Jahres „Casanova„, den man salopp durchaus als Sommerhit 2018 bezeichnen könnte. Ein wahrhaftiges Battle darum, wer die tiefere Stimme hat auf einem Beat, den man nicht mehr los wird, wenn man ihn einmal gehört hat.

4. K.I.Z. feat. Henning May – Hurra, die Welt geht unter

Selbst, wenn K.I.Z. seit über 10 Jahren eine Konstante in Deutschrap-Deutschland bildeten, mit ihrem letzten Studioalbum machten sie sich für die breite Masse (gewollt oder nicht) salon- und radiotauglich. Doch Zugpferd und Titeltrack „Hurra, die Welt geht unter“ ist nicht nur musikalisch wie textlich ein Meisterwerk. Für den Refrain holten sich die Berliner den damals noch unbekannten Henning May, Frontmann der Band AnnenMayKantereit (die Band, deren Namen 2014 keiner aussprechen konnte) ins Boot.  Der Milchbubi mit der Reibeisenstimme und die bösen Rapper aus der Hauptstadt – für viele sicherlich eine unvorstellbare Sache, die grandios funktionierte und das Rap-Publikum mit AnnenMayKantereit bekannt machte.

5. Mine feat. Fatoni – Romcom

Dass Rap nicht immer unbedingt mit Rap arbeiten muss, um ein gutes Feature zu produzieren, beweist auch „Romcom“ stellvertretend für das große Konzeptalbum „Alle Liebe Nachträglich“ von Fatoni und Mine. Auch, wenn die beiden aus völlig verschiedenen Richtungen kommen – Fatoni aus der Ecke, die man unglücklich „Studentenrap“ getauft hat, Mine aus dem experimentellen Singer-Songwriter-Producer-Tum – schaffen sie zusammen etwas, von dem es viel mehr geben sollte. Rap und Gefühle, Liebe, Beziehungen? Ja! Rap und emotionale Schwachstellen? Ja! Rap mit Banjo-Sample (höchstpersönlich von Fatoni eingespielt)? Ja! Mine und Fatoni? JA!

6. Yassin, Mädness, Audio 88, Döll – Isso

Was ist besser, als eine Rap-Kombo? Zwei Rap-Kombos, die zusammen einen Song machen. Also haben sich Audio88 & Yassin mit dem brüderlichen Rap-Duo Mädness & Döll getroffen und ihre geballte Genialität auf „ISSO“ verewigt. In der Kolumne soll dieser Track auch ein Stückchen weit stellvertretend für die beteiligten Künstler stehen (checkt die Jungs unbedingt aus!), die zeigen, wie aus einem kleinen Feature ein gemeinsames Großprojekt werden kann.

7. Haftbefehl feat. Marteria – Ich rolle mit meim Besten (Babos Remix)

Eins der besten Features, das Rap-Deutschland je gehört hat (find ich). Mit dem Album „Russisch Roulette“ bewies Haftbefehl 2014, dass alle Tracks sowohl solo, als auch im Babos Remix mit hochkarätigen Features funktionieren. Besonders hängen geblieben ist davon sicherlich „Ich rolle mit meim Besten„, auf dem sich der eigentliche Traumschwiegersohn Marteria von seiner Bad Boy-Seite zeigt, die ihm zugegebenermaßen ziemlich gut steht.

8. Trettmann feat. GZUZ – Knöcheltief

Nüchtern betrachtet könnten Trettmann und GZUZ nicht gegensätzlicher sein: Ersterer der momentan meist geliebte Rapper, der keiner Mutter etwas zuleide tut und mit seiner weißen Weste schon vom Weiten glänzt. Letzterer der 187-Kiez-König mit den Skandal-(Head-)lines. Wie gut sie dennoch harmonieren, wenn sie in „Knöcheltief“ von ihrem Leben erzählen, zeigt sich nicht zuletzt durch den Erfolg und den hohen Streamingzahlen des Songs.

9. Zugezogen Maskulin feat. LGoony – Füchse 2015

Willkommen in der Kollabo-Endlosschleife! Szenebub LGoony brachte gemeinsam mit Zugezogen Maskulin – dem kleinen Kollektiv aus Grim104 und Testo, die sich irgendwann mal bei einem Praktikum kennenlernten und Kollabos machten, bis sie sich zu ZM formierten – ein dem Jahr 2015 angepasstes Cover von „Füchse“ raus. Der Song, wir erinnern uns, ein legendäres Feature zwischen den Beginnern und Samy Deluxe, als Deutschrap 1998 noch in den Kinderschuhen steckte.

10. Ahzumjot feat. Casper – Limbo

Na klar hätte hier auch einfach „Lass Sie Gehen“ stehen können, wenn es darum geht, wie gut Ahzumjot und Casper zusammenarbeiten. Doch lässt diese Kolumne eben auch Platz für die Underdogs der Featuresongs. „Limbo“ ist genau so einer. Das erste Ahzumjot-Album nach Kündigung seines Majordeals und sowieso Alan als moderner Künstler der Branche, gebührt viel mehr Aufmerksamkeit. Außerdem lässt Casper als Featuregast gerne mal raushängen, was für ein begnadeter Rapper er (im klassischen Sinne) doch eigentlich ist.


Autorin: Anna Fliege / Photocredit: Amaury Gutierrez on Unsplash