Sie gehören zu einem Konzert genauso dazu wie das Ticket, die Warterei und die Hauptband selbst. Ihr Job ist aufregend, aber auch nervenaufreibend. Vor Publikum spielen, das nicht für einen selbst gekommen ist. Manchmal sind wir ungeduldig und wollen einfach nur gerne den Mainact sehen. Manchmal kennen wir sie und freuen und riesig, gleich zwei Lieblingsbands an einem Abend erleben zu dürfen. Manchmal verlieben wir uns in den 30 Minuten und werden zu Fans.

Alle drei Szenarien sind uns in diesem Jahr passiert. Und euch sicherlich auch, oder? Unsere liebsten Supportbands, denen viel mehr Liebe und Aufmerksamkeit gebührt, widmen wir heute eine Kolumne. Von Überraschungen, Bestätigungen und perfekten Kombis.


1. Anna: YUKNO (als Support von RAZZ)

YUKNO sind nicht nur die erste Band in dieser Kolumne, sondern waren auch die erste Band, die ich in diesem Jahr live sah. Starke Elektrosounds, zu denen man nicht anders als tanzen kann, vereinen sich mit klugen Worten und herzensbrecherischen Metaphern. Und live nochmal ein bisschen geiler als auf ihrem diesjährigen Debütalbum „Ich kenne kein Weekend“.

2. Dominik: Provinz (als Support für Scott Helman)

Eine kleine Band aus Ravensburg, unscheinbar und auf den ersten Blick nicht wirklich auffallend…doch spätestens, wenn Frontmann Vincent anfängt zu singen, fallen die Kinnladen reihenweise runter. Eine Stimme so kraftvoll und intensiv, dass man nur staunen kann. Selten hat mich ein deutscher, noch so unbekannter Act von der ersten Sekunde an so überzeugt.

3. Anna: Audio88 & Yassin (als Support von Feine Sahne Fischfilet)

Rap und Punk, zwei Welten, die in gewissen Ausführungen gar nicht mal so weit auseinanderliegen. Dass die Kombi auch live hervorragend funktioniert, durfte man in der letzten Zeit zum Glück schon häufiger erleben. Die Jungs von Feine Sahne Fischfilet schnappten sich im Zuge ihrer Frühjahrstour Audio88 & Yassin und machten mich so innerhalb weniger Minuten zum großen Fan des Duos. Manchmal springt der Funken eben erst live so richtig über.

4. Dominik: Xavi (als Support für Wincent Weiss)

Der eigentliche Grund für mich, das Konzert von Wincent Weiss zu besuchen, war die Bekanntgabe des Supportacts. Niemand geringeres als Xavi sollte den Durchstarter bei seiner Tour begleiten. Nicht nur auf Platte, sondern auch live unglaublich überzeugend, erzählen die deutschen Songs von Xavi so ergreifende Geschichten und sind dabei dennoch so modern und mitreißend, dass dieser Abend für mich vom Support dominiert wurde.

5. Anna: Lily Moore (als Support von Vance Joy)

Als die junge Britin, die mich aus einiger Entfernung stark an Jess aus der Serie „New Girl“ erinnert, in der ausverkauften Live Music Hall den ersten Ton anstimmt, überkommt mich eine Welle von Gänsehaut. Mit einer Stimme, die so reif, wohlig und ein bisschen Amy Winehouse-esque klingt, haut die gerade einmal 19-Jährige mich völlig vom Hocker. Heute, ein paar Monate später, ist die Sängerin aus Brighton in UK bereits ein kleiner Star und eine groß gefeierte Newcomerin.

6. Dominik: Anne-Marie (als Support für Ed Sheeran)

Schon vorher durfte ich die Britin in deutlich kleinerem Rahmen erleben und nun als Support für einen der größten Popkünstler unserer Zeit? Ja, auch in der Veltins-Arena Gelsenkirchen konnte mich Anne-Marie mit ihrer Power und vor allem ihrer Stimme begeistern. Ganz besonders aber bleibt mir dieser Tag in Erinnerung, weil ich Anne-Marie vor Konzertbeginn zum Interview treffen durfte.

7. Anna: Kicker Dibs (als Support von SIND)

Es war die erste eigene richtige Tour von SIND und somit waren die jungen Herren, die ich als nächstes in die Kolumne bringen möchte, ihre erste richtige Vorband. Kicker Dibs sind ungefähr so alt wie du, charmant witzig und machen dazu auch noch schöne Musik. Deutscher Indie-Rock, zudem man länger als nur eine halbe Stunde tanzen möchte.

8. Dominik: Bruckner (als Support von LOTTE)

Lange bevor ich Bruckner zum Interview treffen durfte, habe ich die Brüder Jakob und Matti als Support von LOTTE erlebt. Anfangs war ich noch skeptisch, doch schon nach den ersten Songs war klar, dass diese Musiker was aufm Kasten haben. Für mich ein bisschen vergleichbar mit Bosse konnten die beiden auf ganzer Linie überzeugen. So war die Freude besonders groß, als klar wurde, dass das Duo (mit Band noch ein wenig größer) als Support von Tonbandgerät erneut auf Tour sein wird. Und nächstes Jahr dann auch endlich als Headliner.

9. Anna: Maggie Rogers (als Support von Mumford & Sons)

Habt ihr euch schon einmal auf den Support genauso sehr gefreut, wie auf die Hauptband? Das ist mir erst letztens passiert. Mumford & Sons spielten in der Londoner O2 Arena und brachten netterweise meine größte 2018 mit. Allein der Gedanke daran verwandelt meine Augen wieder in kleine Herzchen. Lieder, die ich monatelang jeden Tag auf und ab gehört habe, endlich laut mitsingen können. Zum Glück geht die Sängerin Anfang 2019 mit ihrem Debütalbum „Heard It In A Past Life“ auf ihre eigene Tour.

10. Dominik: Faber (als Support von Kraftklub)

Man nehme einen Schweizer Sänger, lässt ihn ein paar verruchte, leicht anrüchige Texte singen und als Support von Kraftklub auftreten und heraus kommt eines der Highlights in diesem Jahr. Julian Pollina ist mit seiner Band als Faber unterwegs und überzeugt mit seinem schweizer Dialekt und der leicht „arroganten“ Art, die ihn so interessant und besonders machen. Nicht umsonst haben Kraftklub den Act als Support für die vergangene Tour ausgewählt, noch bevor in Herbst die eigene Headliner-Tour losging.


Autoren: Anna Fliege & Dominik Huttner / Photocredit: Anthony DELANOIX on Unsplash