Rapperin Nura ist den allermeisten Fans deutschen HipHops wahrscheinlich als Teil des Duos SXTN bekannt, welches sich von 2016-2018 in den deutschen Charts vom Geheimtipp zum absoluten Dauerbrenner entwickelte. Leider führten persönliche Differenzen dazu, dass die Band sich bereits nach kürzester Zeit auflöste und beide Künstlerinnen ihren eigenen Weg gingen. Zum Glück!? Heute startet Nura als Solo-Act mit erstem Debütalbum neu durch.


Ein Artikel von Dominik Huttner – Erst im letzten Jahr gewann die Wahlberlinerin den Sektor-Preis „1LIVE Krone“ als beste Künstlerin und macht damit ebenfalls ihre ehemalige Heimatstadt Wuppertal stolz, der die Rapperin auch einen eigenen Song gewidmet hat. Aber von vorne…

Alles für die Fans…?!

Denn was war das für ein Abend, den Nura im Rahmen der „Allo Leute“ Tour 2019 im Dortmunder FZW ablieferte. Ein Abend, der den allermeisten wohl noch lange in Erinnerung bleibt.

Die Show in Dortmund versprach größer zu werden, als viele andere auf der Tour. Das Konzert, das ursprünglich im Club des Dortmunder Freizeitzentrums stattfinden sollte und somit Platz für einige hundert Leute bieten würde, konnte noch im laufenden Vorverkauf hochverlegt werden, um neue Kontingente zu schaffen. So waren schlussendlich knapp 1300 Leute anwesend. Ein voller Erfolg, der auch bei Nura für Stolz und Überwältigung sorgte.

Das überwiegend junge und weibliche Publikum ist bereits lange vor Konzertbeginn in absoluter Vorfreude. DJ und Produzent Sam Salam eröffnet die Show mit einem aktuellen Genre-Chart-Mix und heizt der Menge bereits vor der eigentlichen Show richtig ein. Nicht das letzte Mal dass es an diesem Abend heiß hergehen sollte.

Mitten im Set scratched Sam in einen Song und überraschend betritt auch Nura das Set. Stilecht durch den eigens ins Bühnenbild integrierten Reisepass im XXL-Format steigt sie auf die Stage. Sie begrüßt ihre Gäste und bedankt sich fürs vorbeikommen. Man kennt sich. SXTN hat sich aufgelöst, doch die Fans sind geblieben und haben neue mitgebracht.

Was in dem nächsten Minuten folgt ist eine Mischung aus Konzert und Show. Zwischen einzelnen ihrer Songs, nimmt sich die Rapperin immer wieder Zeit um mit den Fans ins Gespräch zu kommen, beantwortet Fragen oder macht Witze. Gerne auch auf ihre eigenen Kosten. Die Fans singen mit, tanzen und sind ausgelassen.

Zu viel des Guten?

Allerdings und bedauerlicherweise ist die Musik im abendfüllenden Programm nicht immer an erster Stelle zu finden. So auch als Nura zwei Gäste auf die Bühne bittet, um eine ganz eine Version von „Wer wird Millionär“ zu spielen, bei der die Kandidaten, wie sollte es auch anders sein, Fragen über Nura beantworten müssen. Weitere Minuten verstreichen, in denen es außer dem WWM Jingle keinen Musik zu hören gibt…

Bereits zur Hälfte der Show müssen die ersten Fans von Security’s betreut werden, die aufgrund der immer wärmer werdenden Halle, mit Kreislaufproblemen zu kämpfen haben. Ungewöhnlich für ein Konzert Ende September. Hängt es vielleicht mit der sich ebenfalls immer weiter ausbreitenden grünen Wolke zusammen?

Während der nächsten Songs wird die Stimmung spürbar im Saal jedoch immer angespannter. So angespannt und dramatisch, dass Nura mitten im Songs unterbricht und erschrocken um Hilfe ruft. Mittlerweile fallen im Publikum immer mehr, der teils minderjährigen, Fans um und werden von Rettungskräften und Helfern hinter die Bühne getragen. Dramatische Minuten spielen sich ab. Bühnen- und Thekenpersonal fangen derweil an, kostenlos Wasser an die Gäste zu verteilen. Und auch Nura hilft mit, indem sie von der Bühne aus Wasser ins Publikum reicht. Sie wirkt besorgt und verunsichert, hat sie aber doch selbst nur wenige Minuten vorher zum kiffen animiert. Ein Fehler? Gesprochen wird darüber jedenfalls nicht mehr. Lediglich ein Verbot für Mosh-Pits wird ausgesprochen.

Nach dem Vorfall neigt sich der Abend überraschend schnell dem Ende zu. Die Show, die planmäßig noch einige Minuten länger gehen müsste, findet ein jähes Ende. Nura beendet jedoch professionell ihr Set und steht im Anschluss für Fotos zur Verfügung. So hat der Abend zumindest gegen Ende noch einen versöhnlichen Abschluss gefunden, wenn auch anders als erwartet.



Quelle: Dominik Huttner Foto: Martin Hintermayer