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OK KID & „Sensation“: Politik meets Pop

OK KID & „Sensation“: Politik meets Pop

Mit deutschsprachigem Pop gegen den Patriotismus-Pöbel? Naja, wieso denn eigentlich nicht. Pop ist ein äußerst zugängliches Genre, dass du und ich genauso gut hören können, wie meine Oma. Während sie bei Punk-Bands wie Feine Sahne Fischfilet oder Deutschrap-Combos wie der Antilopen Gang nur irritiert mit dem Kopf schüttelt, wippt sie bei den neusten Radiohits schon häufiger mit mindestens einem Fuß mit.

Nun haben Pop und Radiomusik ein eher negativ konnotiertes Image – zumindest bis jetzt. Jetzt kommen nämlich OK KID um die Ecke und setzen mit ihrem dritten Album „Sensation“ neue Maßstäbe.

OK KID, das sind Raffi, Jonas und Moritz, die vor einigen Jahren aus ihrer Heimatstadt Gießen ins Herz des Rheinlandes nach Köln zogen und zeitgleich ihre Karriere als geliebte und beliebte Band so richtig starteten. Mit ihrem selbstbetitelten Debütalbum brachten sie 2013 frischen Wind in die deutschsprachige Szene, gaben dem Wort „Alltagslyrik“ ein Gesicht und schafften zeitlose Lieblingslieder wie „Stadt ohne Meer„, „Kaffee Warm“ und „Verschwende mich„. Drei Jahre später, 2016, veröffentlichten sie mit „Zwei“ einen weiteren Geniestreich. Bereits damals deutete sich mit „Gute Menschen“ langsam aber sicher an, dass in den Köpfen und Bäuchen der Wahlkölner eine Wut auf die aktuelle politische und gesellschaftliche Lage zusammenbraute.

Heute, in den letzten Zügen des Jahres 2018, hat sich die Lage im Bundestag, aber auch in der eigenen Wohnsiedlung nicht verbessert, sondern zugespitzt. Hinter uns liegen gescheiterte Wahlen, Skandale, die Fußballweltmeisterschaft und die immer größer werdende Kluft zwischen vielen gesellschaftlichen Subgruppen. Zeitgleich stellte sich die Band selbst die Frage, was sie noch seien und was eben nicht. Sie fanden die Antwort, indem sie die Richtung ihres Stils umlenkten und ihre Messages nicht mehr in kryptische, hübsche Metaphern verpackten, sondern die brutale Wahrheit heute gerade raus sprechen – ohne dabei radikal zu klingen. Intelligente Wortspiele gibt es natürlich trotzdem noch zu Haufe, hier bleiben sich OK KID zum Glück treu.

Musikalisch hebt sich „Sensation“ durch die omnipräsenten Gitarrenriffs und Synthieklänge deutlich von seinen Vorgängern ab und auch Sänger Jonas, der den vorherigen OK KID-Produktionen mit seinen rap-ähnlichen Lines einen Hip-Hop-Charakter verlieh, hat dies reduziert und gegen Gesang ausgetauscht. Dadurch entstehen Refrains zum Mitsingen, die sich hartnäckig im Gedächtnis festsetzen. Nun sind diese mit äußerst wichtigen Botschaften angereichert – welch schlauer Schachzug.

Als alteingesessener OK KID-Fan der ersten Stunde ist „Sensation„, Hand aufs Herz, gewöhnungsbedürftig. Doch meine Nostalgie soll dem neusten Werk der Wahlkölner keinen negativen Beigeschmack geben. Denn das, was Jonas, Moritz und Raffi hier geschaffen haben, ist wichtig, clever und großartig. Mit zugänglichen Melodien und ehrlich-aufgebrachten Texten könnten sie eine kleine, aber wichtige Revolution von innen heraus starten. Da bleibt nur noch zu sagen: Danke dafür!

See Also



OK KID live

14.11.2018 Wien, Arena
15.11.2018 Zürich, Dynamo
16.11.2018 Stuttgart, Im Wizemann
17.11.2018 Frankfurt, Batschkapp
18.11.2018 Köln, E-Werk
20.11.2018 Hannover, Capitol
21.11.2018 Hamburg, Docks
22.11.2018 München, Muffathalle
23.11.2018 Berlin, C-Halle
24.11.2018 Leipzig, Täubchenthal

06.03.19 – Bremen, Schlachthof
07.03.19 – Rostock, Mau
08.03.19 – Kiel, Die Pumpe
09.03.19 – Münster, Skaters Palace
10.03.19 – Kassel, 130bpm
12.03.19 – Magdeburg, Altes Theater
13.03.19 – Dresden, Schlachthof
14.03.19 – Dortmund, FZW
15.03.19 – Wiesbaden, Schlachthof
16.03.19 – Heidelberg, Halle 02
18.03.19 – Augsburg, Kantine
19.03.19 – Nürnberg, Z-Bau
20.03.19 – Würzburg, Posthalle
21.03.19 – Graz, Orpheum
23.03.19 – Linz, Posthof


Autorin: Anna Fliege / Photocredit: Stefan Braunbarth

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