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OneRepublic in Köln: Zeitreise mit Gänsehautfaktor

OneRepublic in Köln: Zeitreise mit Gänsehautfaktor

Es war einer der erfolgreichsten Testläufe aller Zeiten. Ein Soundcheck in Spielfilmlänge. Mit einem exklusiven Deutschlandkonzert im Kölner Palladium machte die US-Band einen ersten Stimmungscheck, bevor im Sommer das neue Album erscheint, mit dem es im Herbst direkt wieder auf Tour geht.


Ein Artikel von Dominik Huttner – „We needed time to be people“ – Endlich hatte das Warten ein Ende. Knapp 6 Jahre hat die Band um Frontmann Ryan Tedder auf sich warten lassen, ehe sie in dieser Woche endlich nach Deutschland zurückkehrten. Viel Zeit ist vergangen, viele Singles ins Land gezogen. Bands kamen und gingen, doch OneRepublic sind auch heute noch genauso relevant wie vor 14 Jahren, als sie mit Apologize ihren internationalen Durchbruch feierten. Die Pause war nötig, so Ryan Tedder. Nötig, um Mensch zu sein. Nötig um all die verpassten Geburtstage und Hochzeiten, Einladungen und Feiertage wieder aufzuholen. Nötig um neue Kraft zu tanken und Ideen zu sammeln. Mit frisch aufgeladenen Akkus waren die sechs Musiker aus Colorado also endlich wieder am Start. Back in Germany…“On Purpose“

Als Opener brachten 1R einen Rohdiamanten aus den eigenen Reihen mit. Die erst 14 jährige Allie Sherlock wurde von Ryan Tedder auf Instagram entdeckt und begann ihre „Karriere“ als Straßenmusikerin in Dublin, bevor Tedder auf Sie aufmerksam wurde und binnen 48 Stunden die Zusammenarbeit mit ihr aufnahm. Ein echter Glücksgriff, wurden nur untermittelbar danach auch Stars wie Ellen DeGeneres und Justin Bieber auf die talentierte Musikerin aufmerksam. So stand die junge Newcomerin an diesem Abend mit ihrer Gitarre auf der Bühne des Palladiums, holte tief Luft und begeisterte schon nach den ersten Tönen die ausverkauften Reihen mit ihrer kraftvollen und glasklaren Stimme. Neben einer Handvoll Coversongs, brachte Allie auch einen eigenen Titel mit, der auf ihrer kürzlich erschienenen EP zu hören ist. Eine Stimme die man so schnell nicht vergessen sollte.

Mit minimaler Verzögerung ging es um kurz nach 21.00Uhr zum Hauptteil der Show über. Mit Leichtigkeit schaffte es das Intro von „Kids“ die knapp 4000 Besucher in seinen Bann zu ziehen. Es war wie Magie, wie ein seidener Schleier der sich mit den ersten Tönen über das Palladium entfaltete. Es brauchte nur einen einzigen Augenaufschlag, den Bruchteil einer Sekunde und das gesamte Palladium war bereit einen guten Abend zu haben. Ryan Tedder war in Topform und verbreitete eben den Spaß auf der Bühne, den man so lange vermisst hat. Ein Konzert von OneRepublic ist keine bis ins letzte Detail durchstrukturierte Massenproduktion. Es ist ehrliche, handgemachte Musik. Mit Seele. Mit Liebe. Nicht mehr und nicht weniger.


„My reason for making music was to go to every country and make people feel like a big family. Like friends coming together.“


Mit unglaublicher Leichtigkeit spielten OneRepublic einen Querschnitt der letzten Jahre. Es sollte ein Testlauf sein. Ein Probe um zu sehen, welche Songs heute immer noch genauso gut funktionieren wie damals. Ein Testlauf um zu sehen, ob es sich immer noch genauso anfühlt wie früher. Zur Freude vieler Besucher bestand die Setlist überwiegend aus Songs der ersten Alben. Nicht unbedingt verwunderlich, wurde „Oh My My“ von Fans und Kritikern eher gespalten angenommen.

Keine Sekunde Langeweile kam innerhalb der 120 Minuten auf, in denen Tedder immer wieder dazu animiert mitzusingen. In denen er kleine Anekdoten der letzten Jahre erzählt und in denen er es sich nicht nehmen lässt auch einen Abstecher in die Menge zu machen. Ja! OneRepublic ist keine Band die man mit Samthandschuhen anfassen muss. OneRepublic sind sechs wunderbare Musiker, denen es einfach daran liegt eine wunderbare Show abzuliefern. „Stars zum anfassen“, so abgedroschen es auch klingt.


„We have been to 75 countries on all continents. We have met millions of people and we have one thing in common: we want to be wanted!“


Innerhalb der 20-Song starken Setlist finden sich ebenso eine Reihe von Coversongs, die aus der Feder von Tedder stammen. Amüsiert gesteht er wie verrückt es ist, erst jetzt auf die Idee zu kommen, eben diese Songs zu spielen, die er für andere Künstler geschrieben hat. Wenngleich die Songs nicht zwangsläufig die Stimmung transportieren würden, die die Originalinterpret*innen vermitteln. (Tedder spielt damit auf Halo von Beyonce an). Dennoch schaffen es die Titel „Halo“, „Burn“, und „Sucker“ die Massen zu bewegen und zum mitsingen zu animieren. Spätestens bei „Wonderwall“, dem Song den Tedder bereut nicht selbst geschrieben zu haben, sind auch die letzten Mitsing-Muffel mutig genug ein paar Töne hervorzubringen.

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Besonderes Highlight ereignet sich kurz vor Ende des Sets, als Tedder sich erneut ins Publikum begibt, um mit den Fans gemeinsam einige Zeilen zu singen. Während andere Megastars innerhalb von Stunden nicht einen Satz mit dem Publikum sprechen, steht der Frontmann innerhalb begeisterter Zuschauer, greift zum Handy einer Besucherin und filmt den eigenen Auftritt, während er in ihren Armen liegt. Es sind solche „kleinen“ Momente, die einen Abend unvergesslich machen. Die eine Band noch sympathischer, noch nahbarer und noch liebenswerter machen.


So. 18.10.2020 München Zenith
Fr. 23.10.2020 Stuttgart Porsche-Arena
Sa. 24.10.2020 Hamburg Barclaycard Arena
Mo. 26.10.2020 Düsseldorf Mitsubishi Electric Halle


Autor: Dominik Huttner Foto: Patrick Schulze

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